Extrem

A: Schatz, wir müssen sparen. Wir geben jeden Monat 6000 Euro aus. Wir verdienen aber leider nur 5000! Ich würde vorschlagen, wir geben jeden Monat nur noch 4500 Euro aus.

B: Musst du immer gleich so extrem sein? Ich sehe ja ein, dass wir ein bisschen sparsamer sein müssen. Wie wärs, wenn wir nur noch 5900 Euro pro Monat ausgeben?

A: Äh, das reicht aber nicht?!?

B: Na gut, dann eben 5800 Euro.

A: Hast du mir eigentlich zugehört? Wir haben nur 5000 Euro und haben mittlerweile einige Schulden angehäuft!

B: Jaja, 5700 Euro, mein letztes Wort. Sei doch mal vernünftig.

A: VERNUNFT!?!? DU findest es also vernünftig MEHR auszugeben, als wir HABEN???

B: Also anschreien lass ich mir von dir nicht. Ich geh jetzt shoppen!

 

Komischer Dialog findet ihr? Ja schon, leider im großen Maßstab tägliche Realität. Es gibt in ein paar armen Ländern, Menschen, die nicht über die Verhältnisse der Erde leben. Die reichen aber nicht. NIEMAND dürfte über die Verhältnisse der Erde leben. Es gibt keinen Plan B. Früher oder später kommt die Erde und fordert ihren Tribut. Insolvenzverfahren gibt es nicht. Die einzige Währung, die die Erde akzeptiert ist unser Leben – und das unserer Freunde und Familien.

Es ist bekannt, was zu tun wäre. Aber das ist unpopulär, daher wird es nicht getan. Nur eine radikale Rationierung unserer Ressourcen kann eine Katastrophe noch abwenden. Aber es gibt niemanden, der dazu in der Lage wäre, das durchzusetzen. Also marschieren wir weiter und immer schneller Richtung Abgrund. Alles andere wäre ja unvernünftig.

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Kritik der reinen Vernunft

„Lasst uns doch vernünftig sein, dann wird alles gut.“

„Jeder vernünftig denkende Mensch müsste zu folgendem Ergebnis kommen.“

Ist das so? Nein. Warum? Weil jeder noch so rational denkende Mensch irrationale Ursprünge hat, weil jede rationale Argumentation auf einer irrationalen (oder besser arationalen) Grundannahme (Dogma) beruht, ja beruhen muss (vgl. Münchhausens Trilemma).

Wie begründe ich meine ethischen Schlussfolgerungen, etwa ob Verbote legitim sind? Mit einem nicht-rationalem Anfangspunkt, mein moralischer Kompass. Kurz zusammengefasst: Ich behaupte, jeder Mensch darf tun und lassen was immer er gerade will, so lange er damit niemandem schadet. Das ist mein Grundpfeiler, auf dessen Grundlage ich argumentieren und begründen kann. Aber ich kann dieses Fundament selbst nicht begründen, jedenfalls nicht abschließend. Irgendwo müsste ich den Schlusspunkt setzen. Und ich setze ihn dort. Das ist nicht rational. Aber anders ist es nun mal nicht möglich. Der Ursprungspunkt einer jeden vernünftigen Begründungskette ist etwas Nicht-Vernünftiges.

Jede Diskussion über Ethik und Moral, bei der beide Diskutanten einen unterschiedlichen Grundpfeiler haben, kann nicht zu einem Konsens führen – vollkommen gleichgültig wie vernünftig die Diskussion geführt wird. Der moralische Kompass ist der Vernunft nicht zugänglich, er ist emotional. Eine verhältnismäßig gute Diskussion würde zu dem Schluss kommen, dass man sich aufgrund unterschiedlicher Grundannahmen nicht einigen kann. Mehr ist nicht drin. Die emotionalen Grundannahmen des Gegenübers eignen sich nicht für Diskussionen. Diese sind ähnlich sinnvoll, wie der Streit ob Oliven gut schmecken oder nicht.

Fazit: Ich plädiere dafür, Vernunft als Werkzeug zu verwenden. Nicht mehr und nicht weniger. Vernunft zu überhöhen macht keinen Sinn. Wäre man nur vernünftig, wäre man Nihilist und würde schlicht auf den Tod warten. Emotionen sind unser Lebenselixir. Emotionen machen moralische Entscheidungen erst notwendig und auch erst möglich. Vernunft und Emotion sind ein gutes Team und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Mit emotionalen Grüßen von der Vernunft

Euer Alien