Interview mit der Krone der Schöpfung

Herzlich Willkommen hier im Studio. Sie bezeichnen sich selbst als Krone der Schöpfung (KdS), finden Sie das nicht etwas anmaßend?

KdS: Nein. Schließlich waren wir das erste Lebewesen auf diesem Planeten, und wir werden noch da sein, wenn der Planet in Trümmern durch das kalte, dunkle, sterbende Universum fliegt. Wir sind sozusagen der Anfang und das Ende. Also Gottes Ebenbild. Wir stehen schon mit Gott in Kontakt, seit er uns vor Jahrmilliarden erschaffen hat, lange bevor der Mensch auch nur geplant war. Er segnete uns und sagte: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, was auf Erden kriecht und läuft!“ Das haben wir getan. Wir sind mehr als alle anderen Lebewesen. Unsere Zahl ist so groß, dass die Menschen nicht mal schätzen können, wie viele wir sind. Wir sind in und an jedem Lebewesen. Wir sind in den tiefsten Regionen der Erde und in den höchsten Atmosphärenschichten zu finden. Wir sind einfach überall.

Ok, aber seit dem ersten Lebewesen hat sich doch viel getan. Es gibt doch wesentlich höher entwickelte Lebewesen als Sie, finden sie nicht?

KdS: Uns fällt keines ein, welches denn?

Der Mensch?

KdS: Ha, haha, hahaha! Jetzt mal im Ernst. Der Mensch wäre ohne uns (wie jedes andere Lebewesen, dass nach uns kam) gar nicht am Leben. Wir sorgen dafür, dass er verdauen und damit leben kann. Wir sorgen für Sexualpartner. Wir entsorgen sämtlichen Müll auf Erden, um wieder neues Leben – und damit Essen für Menschen – zu ermöglichen. Wir können Leben ebenso einfach nehmen. Wir sind seit Milliarden von Jahren hier. Wir werden auch noch hier sein, wenn der Mensch schon lange nicht mehr existiert. Wir überleben höchste und tiefste Temperaturen, massivste Strahlungen und Drücke.
Kurz: Wir geben Leben, wir nehmen Leben – Gottes Ebenbild eben.

Sie sind also Gottes Ebenbild. Genau das Gleiche behauptet ja der Mensch auch von sich.

KdS: Größenwahn, kann ich da nur sagen. Ist Gott denn dann weiblich oder männlich oder intersexuell? Das macht keinen Sinn. Auch die Idee Gott könnte aus mehreren Zellen bestehen, ist unlogisch. Gott ist eine Einheit, so wie wir. Was könnte dieses nur so vor Fehlern strotzende Wesen mit Gott gemein haben?

Vernunft?

KdS: Gott hat nichts mit Vernunft zu tun. Es geht um Vielfalt, Leben und Veränderung. Das sind wir.
Und wo hat der Mensch was mit Vernunft zu tun. Ist es vernünftig, den Planeten so zu verändern, dass er selbst nicht mehr darauf leben kann? Uns ist das ja egal, wir können unter allen klimatischen Bedingungen überleben. Aber mit Vernunft kann das wenig zu tun haben.

Verstehe. Jetzt mal zu Ihnen. Haben Sie vor sich noch mal zu vermehren?

KdS: Ja bald, so ca. in 1000 Jahren.

Das ist aber eine lange Zeit.

KdS: Schon lustig, auf was für Ideen ihr Mehrzeller kommt. Nach eurem Tod seit ihr unser Futter. Wir sind die, die ewig leben.

Wieso sprechen Sie eigentlich immer von „wir“?

KdS: Wenn sich ein Wassertropfen in zwei zerteilt, sind dann beide der gleiche? Wenn wir uns teilen sind wir zwei aber immer noch eins.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Kritik der reinen Vernunft

„Lasst uns doch vernünftig sein, dann wird alles gut.“

„Jeder vernünftig denkende Mensch müsste zu folgendem Ergebnis kommen.“

Ist das so? Nein. Warum? Weil jeder noch so rational denkende Mensch irrationale Ursprünge hat, weil jede rationale Argumentation auf einer irrationalen (oder besser arationalen) Grundannahme (Dogma) beruht, ja beruhen muss (vgl. Münchhausens Trilemma).

Wie begründe ich meine ethischen Schlussfolgerungen, etwa ob Verbote legitim sind? Mit einem nicht-rationalem Anfangspunkt, mein moralischer Kompass. Kurz zusammengefasst: Ich behaupte, jeder Mensch darf tun und lassen was immer er gerade will, so lange er damit niemandem schadet. Das ist mein Grundpfeiler, auf dessen Grundlage ich argumentieren und begründen kann. Aber ich kann dieses Fundament selbst nicht begründen, jedenfalls nicht abschließend. Irgendwo müsste ich den Schlusspunkt setzen. Und ich setze ihn dort. Das ist nicht rational. Aber anders ist es nun mal nicht möglich. Der Ursprungspunkt einer jeden vernünftigen Begründungskette ist etwas Nicht-Vernünftiges.

Jede Diskussion über Ethik und Moral, bei der beide Diskutanten einen unterschiedlichen Grundpfeiler haben, kann nicht zu einem Konsens führen – vollkommen gleichgültig wie vernünftig die Diskussion geführt wird. Der moralische Kompass ist der Vernunft nicht zugänglich, er ist emotional. Eine verhältnismäßig gute Diskussion würde zu dem Schluss kommen, dass man sich aufgrund unterschiedlicher Grundannahmen nicht einigen kann. Mehr ist nicht drin. Die emotionalen Grundannahmen des Gegenübers eignen sich nicht für Diskussionen. Diese sind ähnlich sinnvoll, wie der Streit ob Oliven gut schmecken oder nicht.

Fazit: Ich plädiere dafür, Vernunft als Werkzeug zu verwenden. Nicht mehr und nicht weniger. Vernunft zu überhöhen macht keinen Sinn. Wäre man nur vernünftig, wäre man Nihilist und würde schlicht auf den Tod warten. Emotionen sind unser Lebenselixir. Emotionen machen moralische Entscheidungen erst notwendig und auch erst möglich. Vernunft und Emotion sind ein gutes Team und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Mit emotionalen Grüßen von der Vernunft

Euer Alien

Eigentum macht frei!

Eigentum

 

Da ja kein Verfechter des Eigentumsrechts sich auf meinen letzten Beitrag zu diesem Thema geäußert hat, veranschauliche ich noch mal bildlich, was ich vom Anarcho-Kapitalismus mit uneingeschränktem Eigentumsrecht halte.

Euer Alien

Mein moralischer Kompass

Ich behaupte des öfteren ein Gesetz sei unmoralisch, ebenso manche Handlungen öffentlicher Persönlichkeiten. Andere entgegnen auf solche Aussagen, Moral sei subjektiv, jeder sehe etwas anderes als moralisch richtig oder moralisch falsch an.

Ich glaube nicht, dass es so viele verschiedene moralische Kompasse gibt. Ich denke, der wichtigste moralische Kompass ist folgende Aussage:

Jeder darf tun und lassen, was er will, so lange er damit niemand anderem schadet.

Gibt es wirklich so viele Menschen, die diesen Satz NICHT unterschreiben würden?

Betrachtet man Gesetze unter diesem Leitmotiv, sind viele Regelungen absolut unmoralisch. Ich könnte so viele Beispiele von Regelungen bringen, die die Freiheit einschränken, ohne, dass es dafür einen moralisch gerechtfertigten Grund gibt – und ich denke, ihr auch.

Aus diesen Überlegungen folgt: Ich muss nicht begründen, warum ein Verbot sinnlos ist, die Verbotsbefürworter sind in der Pflicht zu begründen, warum ein Verbot notwendig ist. Ein Verbot kann nur dann eventuell moralisch gerechtfertigt sein, wenn damit Schaden von anderen abgewendet wird. Von diesem Grundsatz ist in vielen Diskussionen nichts zu spüren. Viele „Argumente“ ignorieren dieses Grundprinzip einfach.

Mich würde jetzt wirklich mal brennend interessieren, ob ihr das anders seht und ob ihr vielleicht auch einen anderen moralischen Kompass habt.

Euer Alien

Der Anarcho-Kapitalismus und die Logik des Eigentumsrechts

Ich habe auf diesem Blog schon mal die Seite freiwillig frei vorgestellt, die von anarchistischen Kapitalisten betrieben wird. Selbst nennen sie sich meist Voluntaristen. Sie lehnen jede Form von Regierung, egal ob diktatorisch oder demokratisch, als illegitim ab. Jeder Mensch muss komplett selbst entscheiden dürfen, was er tut. Selbstbestimmung lautet das Motto. In folgendem Video wird versucht die voluntaristischen Moralvorstellungen mit Logik herzuleiten:

Der wichtigste Kritikpunkt meinerseits ist die vermeintlich logische Herleitung des Rechts auf Eigentum.

Im Video wird das Recht auf Eigentum wie folgt begründet: Eine moralische Handlungsanweisung, die die Selbstbestimmung ablehnt ist widersprüchlich. Jede Moraltheorie muss also Fremdbestimmung ablehnen. Soweit bin ich einverstanden (zumindest wenn wir uns die Sache erst Mal einfach machen, und nur über mündige Erwachsene reden). Aus dieser universellen Bevorzugbarkeit von Selbstbestimmung wird das Nicht-Aggressions-Prinzip hergeleitet: Handlungen gegen die Selbstbestimmung anderer ist moralisch nicht vertretbar. Immer noch einverstanden. Recht wird definiert als „Ein allgemeingültiger Anspruch, dessen Zurückweisung nur selbstwidersprüchlich begründet werden kann.“ Jetzt kommt jedoch der Clou, dazu zitiere ich aus dem Video:

Das in der Philosophie viel diskutierte Eigentumsrecht sagt nichts weiter aus, als das Recht auf selbstbestimmtes Handeln, welches ich ja bereits bewiesen habe.

Hier ist ein logischer Sprung drin. Es gibt keinen logischen Bezug zwischen selbstbestimmten Handeln und Eigentum. Wenn Menschen selbst entscheiden dürfen, was sie tun oder lassen wollen, ist das eine Sache. Die Selbstbestimmung anderer einzuschränken ist tabu. Durch Eigentum kann ich die Selbstbestimmung anderer aber enorm einschränken.

Das Hauptproblem bei Eigentum ist der Ersterwerb von Dingen.

Was ist mit unentdeckten Inseln, oder gar mit Grundstücken auf dem Mond, oder auf einem fernen Planeten? Wie erwirbt jemand Recht auf Eigentum an Objekten, die niemandem gehören? Sagt er einfach: Das ist jetzt meines? Und zu wem sagt er das? Muss er ein Grundstück einzäunen, damit es ihm gehört? Wenn er das tut, gehört ihm dann nur die Oberfläche, oder auch die Erde darunter? Wie viel von der Erde darunter gehört ihm? Bis zum Erdmittelpunkt? Oder gar darüber hinaus?

Der Ersterwerb von Eigentum, das bislang niemandes Eigentum war, stellt unter Umständen sogar einen Verstoß gegen das Nicht-Aggressions-Prinzip dar. Wenn jemand allein auf einer Insel ist, kann er sie ruhig sein Eigentum nennen ohne moralisch falsch zu handeln. Aber was ist, wenn zwei Leute dort sind? Nehmen wir an, die zwei Passagiere eines Schiffes – nennen wir sie Ali und Baba – sind die einzigen Überlebenden einer Katastrophe und stranden auf einer menschenleeren Insel. Ali sagt als erstes: „Die gesamte Insel ist ab jetzt mein Eigentum.“ Müsste Baba das nun akzeptieren, wenn er moralisch richtig handeln wollte? Durch diesen Akt des Eigentumserwerbs ist aber von einer Sekunde auf die andere die Selbstbestimmung Babas erheblich eingeschränkt. Ali könnte nämlich Baba von seinem Eigentum vertreiben, was den sicheren Tod Babas bedeuten würde. Oder er wäre netter und ließe ihn zur „Miete“ auf der Insel leben. Die Miete kann Baba zum Beispiel durch Dienstleistungen für Ali aufbringen. Da Baba ebensowenig wie Ali von der Insel runter kann, hat sich Ali durch diesen einen Satz „Die gesamte Insel ist ab jetzt mein Eigentum.“ einen lebenslangen Sklaven geschaffen.

Selbst wenn wir das Beispiel entschärfen und sagen, Ali findet als Erster die einzige Trinkwasserquelle, umzäunt sie und lässt Baba nur gegen Dienstleistungen von der Quelle trinken, obwohl diese locker genug Wasser für beide bietet. Er handelt damit gegen die Selbstbestimmung Babas auch von der Quelle trinken zu wollen.

Zurück zur Theorie: Wenn ich tun darf, was ich will (Selbstbestimmung), aber nichts, was einem anderen schadet (Nicht-Aggressions-Prinzip), dann ist das Recht auf Eigentum in sich widersprüchlich – und demnach als Teil einer moralischen Theorie abzulehnen. Denn durch die Möglichkeit, Eigentum an etwas zu erwerben, was andere Leute zum Leben benötigen, schade ich anderen. Das Eigentumsrecht bietet die Möglichkeit, vermeintlich moralisch korrekt andere Menschen umzubringen, durch Vorenthalten notwendiger (im natürlichen Zustand frei verfügbarer) Güter.

Als Ausblick stellt sich die Frage, ob man moralisch korrekt Eigentum an Luft erhalten könnte? Wenn einem Menschen oder einer Firma die ganze Atemluft der Erde gehören würde, könnte diese Firma durch Entzug der Nutzungserlaubnis beliebig Menschen töten (bzw. nach obiger Logik: sterben lassen).

Wie viel Freiheit bleibt durch das Konzept des Eigentums denn noch übrig?

Mein Fazit: Eigentum kann als pragmatische Regelung funktionieren, wer über welche Güter verfügen darf. Eigentum als Teil einer moralischen Theorie ist widersprüchlich und daher sinnlos. Oder wie seht ihr das?

Ich freue mich auf eine sachliche Diskussion.

Euer Alien

Das Ende der Meinungsfreiheit

Hier habe ich eine kurze Diskussion entdeckt, die zusammengefasst, die Frage behandelt:

Wo liegt das Ende der Meinungsfreiheit?

Interpretiert man Meinungsfreiheit im Wortsinne, gibt es kein Ende. Jeder kann meinen, was er will. Nach heutiger Rechtslage darf er aber nicht alles sagen, schriftlich veröffentlichen oder sonst wie publizieren. Verboten sind in vielen Ländern Beleidigung, Verleumdung, Volksverhetzung und Verächtlichmachung von Weltanschauungen.

Beleidigungen sind dumm und unnötig, ob sie aber unbedingt per Strafrecht verboten sein sollten ist eine andere Frage.

Verleumdung fügt anderen Schaden zu. Hier ist eine Strafbarkeit auf jeden Fall gerechtfertigt.

Was ist aber mit Volksverhetzung?

Allein, dass es diesen Paragrafen gibt, ist eigentlich ein Misstrauenszeugnis gegenüber dem Volk. Man geht davon aus, „das Volk“ ist dumm genug, sich verhetzen zu lassen.

Wenn ein Breivik sich von diversen Meinungsäußerungen hinreißen lässt, zig Menschen zu ermorden, ist dann Breivik alleine Schuld, oder auch die Hetzseiten-Verfasser?

Wenn ein Goebbels zum Krieg aufruft, und ein großer Teil des Volkes macht mit, ist dann dieser Teil des Volkes alleine Schuld, oder auch der Propaganda-Minister?

Die Antwort können wir nur geben, wenn wir ehrlich sind:

Verteidigen wir den Volksverhetzungsparagrafen, gestehen wir damit automatisch ein, dass wir einen großen Teil des Volkes für unmündig halten, die sich zum Hass aufstacheln lassen.

Würden wir die Mündigkeit bei den meisten Bürgern voraussetzen, könnten wir uns dieses Gesetz sparen.

Ein Beispiel: Provoziert jemand absichtlich einen Kampfhund dazu einen anderen Menschen totzubeißen, ist er ein Mörder. Provoziert jemand durch Hetzseiten andere erwachsene Menschen dazu, einen Massenmord zu begehen, was ist dann?

Meine Vermutung ist, dass ein zu großer Teil unmündig und aufhetzbar ist, und das Gesetz deshalb vielleicht notwendig ist, um viele Todesopfer zu vermeiden. Oder bin ich zu pessimistisch?

Was denkt ihr?

Euer Alien