Ein Hühnerleben

Ich zitiere aus der EU-Tierschutztransportverordnung Artikel 3g:

Die Tiere verfügen entsprechend ihrer Größe und der geplanten Beförderung über ausreichend Bodenfläche und Standhöhe.

Wie das in der Praxis aussieht, kann man wunderbar an dem kürzlich passierten Unfall erkennen (19 Bilder):

http://www.nordbayern.de/panorama/tiertransport-verungluckt-tausende-huhner-irren-uber-autobahn-1.6321648?offset=0&article=1.6321669&type=article#ancTitle

Besonders deutlich wird es auf Bild 16. Dort erkennt man, dass die Hühner höher sind als die Transportboxen. In Videos zu dem Unfall sieht man, dass der ganze Kopf über den Deckel der Box ragt. Außerdem werden dort offenbar mindestens 15 Hühner in so eine kleine Box gequetscht. Das versteht man also unter „ausreichend Bodenfläche und Standhöhe“.

Die „Überlebenden“ hatten übrigens nicht viel davon, ein paar Stunden später waren sie zu „Suppenhuhn“ verarbeitet, weil sie nicht mehr so viele Eier legen, wie das der Eierverkäufer gerne hätte. Ein Gutes hatte der Unfall: Ein Huhn konnte sich im Feuerwehrauto verstecken und erhält jetzt lebenslanges Asyl bei einem Menschen mit Herz.

Mal kurz zusammengefasst, was moderne Eierproduktion bedeutet: Elterntiere leben in winzigen Käfigen in riesigen Hallen mit Tausenden zusammen. Legehybride werden zu zigtausenden gezeugt, die Eier in riesigen Brütereien ausgebrütet. Direkt nach dem Schlupf wandern die als männlich erkannten Küken (Stichwort Sexen – betrifft jedes Jahr etwa 48 Millionen alleine in Deutschland) in den Schredder oder werden mit CO2 vergast (sehr qualvoll). Die weiblichen kriegen betäubungslos den Schnabel gekürzt. Dann müssen sie ca. ein Jahr in riesigen, stickigen Ställen fast jeden Tag ein Ei produzieren. Dies tun sie nur, weil sie dazu gezüchtet wurden (legale Qualzucht) und unter entsprechenden Lichtbedingungen gehalten werden. Diese ständige Eierproduktion braucht irrsinnig viele Nährstoffe, die dem Rest des Körpers fehlen, weshalb sie normalerweise nur 1 Jahr durchhalten. Gegenseitiges Wundpicken ist aufgrund der Enge an der Tagesordnung (daher das Schnäbelkürzen, um die Auswirkungen der Qualhaltung „abzumildern“). Legen sie dann nicht mehr so viele Eier, dürfen sie nicht etwa in Rente. Es wird auch noch das letzte aus ihnen herausgeholt. Ihr Leben. Nach dem qualvollen Transport enden sie schließlich beim Schlachter als Suppenhuhn. Dieses Schicksal erleiden jedes Jahr allein in Deutschland fast 40 Millionen Hühner – für ein Produkt, dass niemand braucht und außerdem krank macht.

Aber klar, Veganer sind extrem.

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