Einfach vegan

Seit einigen Monaten fühle ich mich gut. Ich unterstütze endlich nicht mehr mit meinem Geld (außer zwangsweise durch Steuern) das grauenhafte System der alltäglichen Tierquälerei. Alles, was Tiere oder Tierprodukte enthält, werde ich, wenn irgendwie möglich, nicht mehr kaufen. Jetzt nach diesen Monaten frage ich mich: Warum erst jetzt? Die beschämende Antwort: Bequemlichkeit. Sympathisant war ich schon lange.

Warum vegan?

Diese Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: Ich will nicht, dass empfindungsfähige Lebewesen für mich leiden und/oder sterben müssen. Wenn sie nicht sterben sollen, ist also Fleisch tabu – das sehen auch die zahlreichen Vegetarier so. Allerdings übersehen Menschen, die aus ethischen Gründen Vegetarier sind, dass auch für die Ei- und Milch-Produktion Tiere sterben MÜSSEN. Es geht nicht anders. Außerdem müssen sie auch leiden – zwangsläufig. Selbst in der besten vorstellbaren Tierhaltung (die es praktisch nirgends gibt) wäre das so.

Milch

Es gibt keine Milch von glücklichen Kühen, nur von traurigen. Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie zunächst ein Kind (vulgo Kalb) gebären. Nicht mal der Spaß der Befruchtung wird ihr vorher gegönnt. Sie wird einfach „künstlich besamt“ (klingt für mich immer irgendwie nach Vergewaltigung, sorry). Dann ist sie Monate lang schwanger (vulgo trächtig) und gebiert schließlich ihr Kind. Obwohl es nicht auf natürlichem Weg gezeugt wurde, empfindet sie tiefste Mutterliebe für ihr Kind. Das spielt in der Milchkuhhaltung aber keine Rolle. Kurz nach der Geburt wird ihr ihr Kind weggenommen. Mutter und Kind schreien oft Tage lang vor Trauer. Ist das Kalb männlich, wird es ein paar Monate gemästet und dann geschlachtet. Ist es weiblich ereilt es das gleiche Schicksal wie die Mutter. Dieser Kreislauf aus besamen, gebären, Kind entrissen bekommen, wiederholt sich ca. 4 oder 5 mal. Dann ist die Mutterkuh am Ende. Völlig erschöpft gibt sie weniger Milch, wird für den Bauern unproduktiv und kommt deshalb zum Schlachter. Mit 4-5 Jahren, also 10 bis 20 Jahre vor ihrem natürlichen Lebensende. Die älteste Kuh wurde sogar 48.

Übrigens kommen regelmäßig auch schwangere Kühe zum Schlachter. Dies bedeutet, dass das Kalb qualvoll im Mutterleib erstickt.

Und noch ein Übrigens: Milchkühe sind Qualzuchten, die auf eine so hohe Milchleistung gezüchtet wurden, dass sie gesundheitlich darunter leiden. Normale Kühe gaben etwa 8 Kilogramm Milch pro Tag, um ihr Kalb zu versorgen, heutige „Hochleistungskühe“ geben bis zu 50 kg. Qualzuchten sind nach dem Tierschutzgesetz zwar verboten, es wurde für Milchkühe jedoch nicht definiert, was eine Qualzucht ist.

(„Fun“-Fact: Es gibt Grenzwerte für die zulässige Menge an Blut und Eiter in Milch – wohl bekomm’s! 😉 )

Eier

Auch Eier kommen von Qualzuchten. Die heutigen „Hochleistungshühner“ legen bis zu 300 Eier im Jahr, statt nur wenige im Jahr, wie ihre Vorfahren. Dies laugt den Organismus aus – genauso wie bei den Milchkühen. Die ganzen Nährstoffe wandern in die Eierproduktion. Das sorgt für Krankheiten und Gebrechen. Deshalb ist so eine „Legehenne“ auch nach einem Jahr „fix und fertig“. Das bedeutet: Schlachter. Suppenhuhn. Und nicht bis zu 8 Jahre wohlverdienten Ruhestand. Nicht zu vergessen: Männliche Küken der „Legerasse“ werden direkt nach dem Schlüpfen in den Schredder geschmissen oder vergast.

All die genannten Dinge sind für mich schon grausam genug und treffen für jede Haltungsform zu. Ob bio oder nicht ist hier völlig egal. Zusätzlich zu den systemimmanente Grausamkeiten kommen dann noch die widerwärtigen Haltungsbedingungen. Die schlechteste Bio-Haltung ist zwar etwas besser als die schlechteste konventionelle Haltung, aber bei weitem nicht mal annähernd art- und tiergerecht. Wusstet ihr zum Beispiel, dass selbst bei der „Edel-Bio“-Marke Demeter bis zu 3000 Legehennen im Stall gehalten werden dürfen und sich dabei 6 Hühner einen Quadratmeter teilen? Bei Masthühnern sind es sogar 10 pro Quadratmeter. Ein 300-kg-Mastrind hat sage und schreibe 4 Quadratmeter Stall zur freien Verfügung und ein 100-kg-Schwein 1,3 Quadratmeter. Tut mir leid, aber Tierwohl sieht anders aus.

Und wer glaubt, die Schlachtung laufe „human“ ab, sollte sich die Fakten ansehen:

Über 76 Millionen Tiere werden jedes Jahr nicht richtig betäubt und erleben ihre Todesqualen (Ausbluten, in kochendes Wasser geworfen) bei vollem Bewusstsein. Weiterhin müssen sie oft weite Wege zum Schlachthof zurücklegen, erleben den Tod ihrer Artgenossen mit und leiden bei der immer noch gängigen CO2-Betäubung Erstickungsqualen. All diese Fakten sind ebenfalls unabhängig von der Qualität der Haltung.

Das sogenannte Tierwohllabel von unserem Tierquäl-Minister Schmidt ist nichts anderes als eine riesige Verbraucher-Verarsche. Ich zeige euch ein Tierwohllabel, das wirklich für Tierwohl steht:

V-Label vegan

Wenn ihr Tierleid vermeiden wollt, achtet auf dieses oder ähnliche Zeichen.

Wie vegan werden?

Vor einigen Jahren hatte ich beschlossen Vegetarier zu werden (ich glaubte noch an das Märchen von den glücklichen Biohühnern – der Link beweist, dass bio für die Tierhaltung gar nichts heißen muss). Ich habe also Fleisch, Wurst und Fisch weggelassen. Und das war das Problem. Hätte ich dann noch den Käse vom Brot verdammt, keine Eier gegessen und die Frühstücksmilch weggelassen, wäre wohl nur noch trockenes Brot und trockene Cornflakes übriggeblieben. Daher meine wichtigste Regel für den erfolgreichen Umstieg auf eine vegane Lebensweise: Kein Verzicht sondern Kennenlernen und Ausprobieren der reichhaltigen veganen Küche. Der psychologische Effekt ist enorm: Man empfindet es nicht als Verzicht sondern freut sich über die unglaublich vielen leckeren neuen Möglichkeiten bei gleichzeitigem guten Gewissen gegenüber den Tieren.

Rezepte gibt es im Internet und in Büchern ja nun wirklich unendlich viele. Es ist also kein Problem sich lecker, abwechslungsreich und gesund zu ernähren.

Angst um eure Gesundheit müsst ihr übrigens nicht haben. Die größte Ernährungswissenschaftler-Vereinigung AND aus Amerika und viele Schwesterorganisationen aus anderen Ländern bestätigen, dass eine gut geplante vegane Ernährung die gesündeste Ernährungsform ist, und zwar in jedem Alter – so lange man darauf achtet Vitamin B12 zu sich zu nehmen. Tipps, wie man sich gesund vegan ernährt, findet man ohne Ende. Hier ist eine gute Seite von einem Mediziner.

Es gibt viele Seiten, die euch helfen, wenn ihr euch entschließt, Tierleid nicht weiter finanziell zu fördern. PETA bietet zum Beispiel das Vegan-Start-Programm mit vielen interessanten Informationen, die Albert-Schweizer-Stiftung klärt auf ihrer Seite über vegane Ernährung auf und versendet eine Woche lang E-Mails mit Rezepten.

Also, kommt aus eurer Komfortzone, und baut euch eine neue schönere – ohne Tierleid*.

 

*Ganz ohne Tierleid ist in unserer Tierprodukt-fetischistischen Gesellschaft leider nicht zu 100 % möglich. LCD-Bildschirme enthalten Cholesterin, Kupfer in elektronischen Bauteilen wird mit Knochenleim gereinigt, angeblich sind sogar Autoreifen mit Tierprodukten kontaminiert, etc., etc., etc. Wenn man beruflich auf eine oder mehrere dieser Dinge angewiesen ist, hat man Pech. Ebenso sind viele Medikamente nicht vegetarisch, geschweige denn vegan. Das heißt natürlich nicht, dass man es gleich sein lassen kann ;-).

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