Bundesverfassungsgericht: „Mobbingopfer zu bestrafen ist in Ordnung“

Das an sich begrüßenswerte Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Tragen eines Kopftuchs dürfe nicht pauschal verboten werden, wird durch das kleine Wörtchen pauschal vielleicht ziemlich wertlos:

(3) Darüber hinaus steht auch der staatliche Erziehungsauftrag (Art. 7 Abs. 1 GG), der unter Wahrung der Pflicht zu weltanschaulich-religiöser Neutralität zu erfüllen ist, der Ausübung der positiven Glaubensfreiheit der Pädagoginnen durch das Tragen eines islamischen Kopftuchs nicht generell entgegen. Er vermag ein Verbot solchen äußeren Verhaltens, das auf ein nachvollziehbar als imperativ verstandenes Glaubensgebot zurückgeht, erst dann zu rechtfertigen, wenn eine hinreichend konkrete Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität feststellbar ist.

Wenn also intolerante Vollpfosten einen Riesen-Aufstand veranstalten wegen eines Stücks Stoff, kann das Tragen dieses Stücks Stoffs verboten werden, da der Schulfrieden gefährdet wäre. Wird also die Lehrerin massiv gemobbt, werden nicht etwa die Täter bestraft, sondern das Opfer. Die Freiheit soll demnach verteidigt werden, bis es ein bisschen unangenehm werden könnte. Dann hacken wir den Opfern noch das zweite Auge aus, um den Mob zu besänftigen.

Warum erinnert mich das so sehr an brennende Häuser von Ausländern, die zur Folge hatten, dass Ausländer strengere Gesetze zu erdulden hatten, nicht etwa der widerliche braune Mob? Oder an die Idee Schwulen die Adoption zu verbieten, mit der Begründung, dass die Kinder dann gehänselt werden könnten? Ist es nicht interessant, dass es (zu Recht) immer Riesen-Aufschreie gibt, wenn jemand Vergewaltigungsopfern eine kleine Mitschuld gibt, aber Opfern anderer Verbrechen wie selbstverständlich vorgehalten wird, mindestens eine Teilschuld zu haben („Warum hast du dir schon wieder dein Fahrrad klauen lassen?“)?

Wer die Freiheit so leicht aufgibt, hat es wohl nicht verdient, in ihr zu leben. Schade nur, dass so viele andere mit darunter leiden müssen.