Kritik der reinen Vernunft

„Lasst uns doch vernünftig sein, dann wird alles gut.“

„Jeder vernünftig denkende Mensch müsste zu folgendem Ergebnis kommen.“

Ist das so? Nein. Warum? Weil jeder noch so rational denkende Mensch irrationale Ursprünge hat, weil jede rationale Argumentation auf einer irrationalen (oder besser arationalen) Grundannahme (Dogma) beruht, ja beruhen muss (vgl. Münchhausens Trilemma).

Wie begründe ich meine ethischen Schlussfolgerungen, etwa ob Verbote legitim sind? Mit einem nicht-rationalem Anfangspunkt, mein moralischer Kompass. Kurz zusammengefasst: Ich behaupte, jeder Mensch darf tun und lassen was immer er gerade will, so lange er damit niemandem schadet. Das ist mein Grundpfeiler, auf dessen Grundlage ich argumentieren und begründen kann. Aber ich kann dieses Fundament selbst nicht begründen, jedenfalls nicht abschließend. Irgendwo müsste ich den Schlusspunkt setzen. Und ich setze ihn dort. Das ist nicht rational. Aber anders ist es nun mal nicht möglich. Der Ursprungspunkt einer jeden vernünftigen Begründungskette ist etwas Nicht-Vernünftiges.

Jede Diskussion über Ethik und Moral, bei der beide Diskutanten einen unterschiedlichen Grundpfeiler haben, kann nicht zu einem Konsens führen – vollkommen gleichgültig wie vernünftig die Diskussion geführt wird. Der moralische Kompass ist der Vernunft nicht zugänglich, er ist emotional. Eine verhältnismäßig gute Diskussion würde zu dem Schluss kommen, dass man sich aufgrund unterschiedlicher Grundannahmen nicht einigen kann. Mehr ist nicht drin. Die emotionalen Grundannahmen des Gegenübers eignen sich nicht für Diskussionen. Diese sind ähnlich sinnvoll, wie der Streit ob Oliven gut schmecken oder nicht.

Fazit: Ich plädiere dafür, Vernunft als Werkzeug zu verwenden. Nicht mehr und nicht weniger. Vernunft zu überhöhen macht keinen Sinn. Wäre man nur vernünftig, wäre man Nihilist und würde schlicht auf den Tod warten. Emotionen sind unser Lebenselixir. Emotionen machen moralische Entscheidungen erst notwendig und auch erst möglich. Vernunft und Emotion sind ein gutes Team und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Mit emotionalen Grüßen von der Vernunft

Euer Alien

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20 Kommentare zu “Kritik der reinen Vernunft

  1. Alien sagt:

    Was mich interessieren würde: Was sind die ethisch-moralischen Grundannahmen meiner Leser? Ich würde mich über Kommentare freuen.

  2. Hat dies auf Politische Theorie rebloggt und kommentierte:
    Vernunft als Werkzeug

  3. Welch kleine Rolle die Vernunft in Wahrheit spielt, sieht man ja allwöchentlich bei Pegida & Co.

    • Alien sagt:

      Tja, welchen moralischen Kompass die wohl haben (if any)?

      • Ich fürchte, gar keinen… Meiner Meinung nach geht es bei Pegida & Co. in Wahrheit auch gar nicht um eine angebliche Islamisierung Deutschlands, sondern um eine tiefe Unzufriedenheit mit der vorherrschenden politischen Situation. Doch anstelle sich mit jenen anzulegen, die dafür verantwortlich sind, rottet man sich voller Hass und Aggressivität gegen die Menschen zusammen, die am wehr- und hilflosesten sind. Und ganz genau so wie um 1933 nutzt das braune Gesocks diese Strömung der Massen aus, und polt sie langsam aber sicher in ihre Richtung! Und die „Christlich Sozialen“ bzw. „Christlich Demokratischen“ Parteien sind so dumm, so arrogant, so sehr auf Stimmenfang aus, dass sie diesen Rädelsführern auch noch in die Hände spielt, siehe die verbale Entgleisung des CSU-Vorstandes vor ungefähr zwei Wochen: Migranten sollten dazu angehalten werden, auch im Privatleben Deutsch zu sprechen… Hirnverbrannter geht’s nimmer.

  4. Menschenskind sagt:

    Lieber Alien,
    einige Punkte dieses kurzen Textes erscheinen äußerst zweifelhaft. Darauf möchte ich kurz eingehen, vielleicht interessiert es ja.
    Problematisch ist schon das scheinbar glücklich gewählte Axiom: ‚Man darf all das tun, was niemandem schadet.‘ Zwei Fragen sollten bei diesem Satz ins Auge stechen:
    Was bedeutet das – jemandem schaden? Wenn ich jemandem eine Schaufel auf den Kopf haue, schade ich ihm damit. Das mag in unserer westliche Wertegemeinschaft noch non-kontrovers sein. Was ist aber damit: Ein 14-Jähriger sieht einen Film, der für Personen ab 16 Jahren freigegeben ist. Der Gesetzestext sagt hier klar, dass das schadet bzw. eben nicht gut ist. Was sagt dazu das Gefühl? Dass es vielleicht gar nicht so tragisch ist? Hier könnte man viele weitere Beispiele, die noch schwieriger und diskutabler sind, zu Felde führen. Was das bedeutet – jemandem schaden – ist also überhaupt nicht klar. Wenn nun jeder nach Gusto entscheidet, was anderen schadet und was nicht, geraten wir in eine Willkür-Ethik, die alles andere als moralisch sein dürfte.
    Die zweite Frage: Wie kann ich mein Handeln so ausrichten, dass ich stets weiß, welche Folgen sie für andere nach sich ziehen? Dies nämlich setzt das hier vorgeschlagene Ethik-Konzept dringend voraus. Wenn bei einem Begräbnis in die Luft geschossen wird, woher weiß man, dass nicht jemand durch die herabfallende Kugel getötet wird?
    Es gibt aber noch weitere Schwierigkeiten mit diesem ‚Grundsatz‘: Manchmal erscheint es auch legitim, sich für etwas zu entscheiden, was anderen schadet. Hat man beispielsweise die Möglichkeit, sich gegen Mitbewerber um einen Posten durchzusetzen und die Stelle einzunehmen – ist es dann verwerflich, dies zu tun? Müsste man dann nicht die Stelle dem Mitbewerber, der finanziell vielleicht schlechter gestellt ist, überlassen? Schadet man ihm nicht mit der Entscheidung, die Stelle zu nehmen? Ich halte die Entscheidung für sehr leicht, allerdings wäre sie nach dem hier vorgestellten Ethik-Konzept die schlechte.
    Soviel zu dem Axiom. Etwas verwundert bin ich über die Überschrift: ‚Kritik der reinen Vernunft‘, die im Kontext der darauffolgenden Zeilen schließen lassen, dass der Autor den Kantischen Text nicht gelesen oder bewusst ignoriert hat. Das aber nur als Randnotiz.
    Sätze wie „Der Ursprungspunkt einer jeden vernünftigen Begründungskette ist etwas Nicht-Vernünftiges.“ oder „Aber anders ist es nun mal nicht möglich.“ sind ziemlich normativ und geradezu frech. Der gesamte Text behauptet nur, begründet nicht und reflektiert diese Haltung sogar noch als besonders wünschenswert. Zu welchen Problemen dies führen kann, habe ich oben erläutert. Es ist eben doch „anders möglich“, nur scheint der Autor dazu keine Lust zu haben, was schade ist.
    „Wäre man nur vernünftig, wäre man Nihilist und würde schlicht auf den Tod warten.“ – Dieser Kausalzusammenhang geht mir nicht auf. Wenn im Folgesatz behauptet wird, Emotionen seien das „Lebenselixier“, ist dieser Satz doch verunmöglicht. Schließlich könnte man dann als „vernünftiger Nihilist“ nicht leben. Aus Vernunft muss mit gewiss nicht notwendig ein Nihilismus folgen.
    Nun aber nicht falsch verstehen und mich dann damit angreifen wollen: Ich bin alles andere als ein reiner Vernünftler, sondern rechne den „Emotionen“ bzw. der Sinnlichkeit einen hohen Wert an.
    Über eine Antwort auf meine Einwände wäre ich sehr erfreut. Es wäre jammerschade, wenn ein Autor, der ein Ethik-Konzept entwirft, nicht den Fragen und Hinweisen des Publikums stellt.

    Vielen Dank und Beste Grüße
    ein Mensch

    • Alien sagt:

      vielleicht interessiert es ja.
      (…)
      Es wäre jammerschade, wenn ein Autor, der ein Ethik-Konzept entwirft, nicht den Fragen und Hinweisen des Publikums stellt.

      Wenn ich irgendwo den Eindruck erweckt haben sollte, dass ich keine Kommentare wünschen würde, tut es mir leid. Ich bin hoch erfreut gerade auch über sachlich argumentierende kritische Kommentare wie diesen hier. Danke dafür.

      Ein 14-Jähriger sieht einen Film, der für Personen ab 16 Jahren freigegeben ist. Der Gesetzestext sagt hier klar, dass das schadet bzw. eben nicht gut ist.

      Dass es nicht immer einfach ist, in der Praxis zu entscheiden, was richtig ist, ist klar. Oft mangelt es zum Beispiel an Wissen. Wissenschaftler versuchen diese Lücken zu füllen, um damit bessere Entscheidungen treffen zu können. Auch wenn beide Parteien den gleichen Wissensstand haben und den gleichen Grundsatz des Nichtschadens teilen können sie (denke ich) dennoch zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, inwieweit ein Verbot sinnvoll wäre. Vermutlich aufgrund unterschiedlicher emotionaler Bewertungen der einzelnen Teilsachverhalte.

      Wenn bei einem Begräbnis in die Luft geschossen wird, woher weiß man, dass nicht jemand durch die herabfallende Kugel getötet wird?

      Hier sehe ich nicht das Problem, warum ein ethischer Grundsatz seine Gültigkeit verliert, nur weil man Fehler machen kann. Der Grundsatz „Du sollst nicht töten“ wird doch nicht dadurch falsch, dass man jemanden im Rahmen eines Unfalles fahrlässig tötet.

      Hat man beispielsweise die Möglichkeit, sich gegen Mitbewerber um einen Posten durchzusetzen und die Stelle einzunehmen – ist es dann verwerflich, dies zu tun? Müsste man dann nicht die Stelle dem Mitbewerber, der finanziell vielleicht schlechter gestellt ist, überlassen? Schadet man ihm nicht mit der Entscheidung, die Stelle zu nehmen?

      Das ist ein sehr, sehr guter Einwand. Ich muss gestehen, ich kann die Frage (noch) nicht beantworten. Ich muss darüber nachdenken. Danke dafür.
      Mein erster Gedanke war, „Das ist doch was anderes“, aber das ist natürlich nicht gerade fundiert. Vielleicht denkt ja ein anderer Leser schneller als ich und kann dazu was schreiben.

      Sätze wie “Der Ursprungspunkt einer jeden vernünftigen Begründungskette ist etwas Nicht-Vernünftiges.” oder “Aber anders ist es nun mal nicht möglich.” sind ziemlich normativ und geradezu frech.

      Hm, so war das nicht gedacht. Es gibt eigentlich nur das Münchhausen-Trilemma (siehe Link im Artikel) wieder: Eine rationale Begründung ist entweder unendlich lang, dreht sich im Kreis, oder endet mit einem Dogma. Was gibt es denn daran auszusetzen oder als frech anzusehen?

      Aus Vernunft muss mit gewiss nicht notwendig ein Nihilismus folgen.

      Mag sein. Vielleicht mangelt es mir hier an Phantasie. Was wäre denn ein vernünftiger Grund zu Leben? Was könnte man einem Suizidenten, der vernünftigen Gründen aufgeschlossen gegenübersteht sagen, warum es vernünftig ist zu Leben? Mir fällt nichts ein.

      Viele Grüße und nochmals danke für den Kommentar.

      • Menschenskind sagt:

        Nein, nein, ich habe nicht den Eindruck erhalten, dass Kommentare unerwünscht sind, aber im Internet ist das schon geradezu Usus, daher bin ich da stets vorsichtig.
        Zum Begräbnis-Beispiel: Ich wollte damit nicht sagen, dass dadurch das Tötungsverbot seine Gültigkeit verliert, keineswegs, auch nicht deinem Axiom zufolge. Ich wollte damit aufzeigen, dass es zwar leicht ist, sich vorzunehmen, niemandem zu schaden, aber es hier nicht klar ist, wie weit die Verantwortlichkeit für die eigene Handlung geht, weil wir als handelndes Subjekt nie die gesamte Folgenkette einsehen können. Das ist eine Unklarheit in deinem Axiom, weil es nichts darüber aussagt, welche für welche „schädlichen“ Handlungsfolgen wir noch verantwortlich sind und für welche nicht mehr.
        Zum Münchhausen-Trilemma: Die Frage ist nun schon selbst beantwortet: Wenn es doch ein Trilemma sein soll, wie kann dann diese eine Antwort als abgeschlossen gültig hingestellt werden? Das widerspricht ja dem, was ein Di-/Trilemma überhaupt ausmacht: die Unmöglichkeit, die Frage endgültig wahr zu beantworten.
        Zum „Nihilismus“: Der Nihilist ist ja nicht ständig vom Selbstmord bedroht. Er kann mit seiner Position auch zufrieden sein. In einigen Bereichen würde ich mich selbst als Nihilist bezeichnen, etwa was die eifrige Suche nach dem Sinn des Lebens betrifft. Das macht mich noch lange nicht unglücklich. Zur Frage, was man sich unter einem Vernunftgrund zum Leben vorstellen könnte. Nun ja, dazu müsste ich erst einmal wissen, was mit Vernunft bzw. vernünftig gemeint ist. Vernunft, wie sie in Kants KrV erläutert ist oder doch in der Alltagsverwendungsweise? Ich bin großer Freund des wirtschaftswissenschaftlichen bzw. utilitaristischen ‚rational‘. Der Mensch handelt rational, wenn er mit der Handlung Nutzen maximiert. In diesem Sinne wäre es zutiefst irrational, Selbstmord zu begehen, da dies die Verunmöglichung, auf Erden den Nutzen zu maximieren, bedeutet. Außerdem würde man den Nutzen geliebter Angehöriger dadurch nicht gerade maximieren. Dies gilt auch für religiöse Menschen, da der Selbstmord wenigstens im Christentum (bei anderen Religionen weiß ich es nicht) geächtet ist. Außerdem: Mit nicht-rationalen/emotionalen Argumenten würde ich einem Selbstmordgefährdeten nicht begegnen wollen, da die selbstmörderische Absicht ja nicht selten einer emotionalen Problematik entspringt. Aber ich bin auch kein Psychologe und möchte über dieses heikle Thema keine normativen Vorschläge machen. Es ging jetzt aber auch weniger um den Selbstmord als solchen, sondern um die rationale Argumentation für das Leben.

        Mit freundlichen Grüßen und Dank für die Diskussion
        ein Menschenskind

        • Alien sagt:

          Das ist eine Unklarheit in deinem Axiom, weil es nichts darüber aussagt, welche für welche “schädlichen” Handlungsfolgen wir noch verantwortlich sind und für welche nicht mehr.

          Ja gut, dass ein Grundsatz der Konkretisierung bedarf ist schon richtig. Ich denke allerdings, dass die Konkretisierung nur im Einzelfall erfolgen kann, also bei einem speziellen Thema.

          Zum Münchhausen-Trilemma: Ich glaube hier reden wir noch aneinander vorbei.
          Das Trilemma bietet folgende Möglichkeiten:
          – Meine Begründungskette muss unendlich lang sein. Das ist in der Realität doch aber offensichtlich nicht möglich, so können wir diesen Fall für die Praxis schon mal weglassen.
          – Meine Begründung dreht sich im Kreis. Ein Zirkelschluss ist aber keine Möglichkeit, sondern ein Fehler. Wenn ich eine Aussage letzlich mit sich selbst begründe, begründe ich faktisch gar nicht. Diese Option gibt es also in der Realität auch nicht.
          – Bleibt eben nur die eine unbefriedigende Option: Ich muss die Begründung irgendwo abbrechen. Also ein Dogma festsetzen, dass ich subjektiv für sinnvoll halte.
          Sprich von den theoretischen drei Möglichkeiten des Trilemmas kann es in der Realität nur eine geben. Das Dogma/Axiom.
          Bei mir wäre das Axiom, anderen nicht zu schaden. Bei dir Nutzen zu vermehren. Man kann auch mehrere Axiome gleichzeitig benutzen — diese dürfen sich nur nicht widersprechen.

          • Menschenskind sagt:

            Wieso dürfen sie sich nicht widersprechen? Selbst in der Physik gibt es Widersprüche. Die Welt ist vielleicht gar kein widerspruchsfreies Sein, weshalb müssen es dann die Axiome sein? Gerade da wäre doch durch Diskussion die Option geboten, Widersprüche auszuverhandeln.

            • Alien sagt:

              Entschuldige die späte Antwort, war beruflich sehr stressig.

              „Widersprüche auszuverhandeln“

              Vielleicht habe ich mich zu ungenau ausgedrückt: Ein Axiomensystem, dass EIN Mensch vertritt sollte widerspruchsfrei sein. Verschiedene Menschen können natürlich verschiedenen Axiomen anhängen, die sich durchaus auch widersprechen können.
              Wenn aber ein einzelner Mensch zum Beispiel das Prinzip „du sollst nicht töten“ und „du sollst töten“ gleichzeitig als unumstößliches Prinzip vertritt, macht das keinen Sinn – finde ich.

  5. Christina sagt:

    Was mich interessieren würde: Was sind die ethisch-moralischen Grundannahmen meiner Leser? Ich würde mich über Kommentare freuen.

    Wie wäre es denn damit (Wirft vielleicht ein bißchen anderes Licht auf das, was richtig oder falsch ist):

    • Alien sagt:

      Verstehe ich dich richtig, du bist der Meinung, Gott gibt vor, was falsch und richtig ist?

      Wenn ja, kannst du mir dann das Euthyphron-Dilemma auflösen?

      http://de.wikipedia.org/wiki/Euthyphron-Dilemma

      Wird das moralisch Gute deswegen von Gott befohlen, weil es das moralisch Gute ist, oder ist es deswegen moralisch gut, weil es von Gott befohlen wird?

      • Christina sagt:

        Die Annahme von Michael Schmidt-Salomon in dem Wikipedia-Artikel ist falsch, dass der Mensch über eigene moralische Standards verfügen könnte (jedenfalls nach christlichem Gottes- und Menschenbild). Als von Gott geschaffenes und abhängiges Wesen (der Mensch ist ja nicht autonom), sind auch die moralischen Standards, die der Mensch hat, von Gott in ihn hineingelegt worden. Er hat sie sich nicht selbst entwickelt. Es sind Gottes Standards sozusagen. Da mag zwar durch den Sündenfall einiges zerstört und durcheinandergeraten sein. Aber ein gewisses Maß an moralischem Gewissen ist auch nach dem Sündenfall noch geblieben, das hat Gott dem Menschen gelassen. Bei dem einen mag das stärker, bei dem anderen schwächer ausgeprägt sein. Nicht mehr perfekt, aber noch vorhanden.

        Insofern erübrigt sich glaube ich deine Frage. Du hast überhaupt erst ein ethisches Empfinden, weil Gott es in dich hineingelegt hat. Er ist der Ursprung dessen. Es gibt keine Ethik außerhalb von Gott.

        • Alien sagt:

          Wieso erübrigt? Wenn ich dich richtig verstehe, hast du die Frage beantwortet: Deiner Meinung nach ist der zweite Teil richtig: Etwas ist moralisch gut, weil Gott das sagt.

          • Christina sagt:

            Hmmmm….. also nach meinem Empfinden ist es eigentlich so, dass beide Aussagen richtig sind, die erste ebenso wie die zweite. Sie sind nicht voneinander zu trennen. Weil Moral ja nicht etwas ist, was einfach so existiert. Losgelöst von einem Gesetzgeber gibt es keine Moral.

            Gott ist sozusagen der Erfinder der Moral. Ohne Gott gäbe es keine Moral/Ethik. Der Mensch als zum „Ebenbild“ Gottes geschaffene Kreatur, spiegelt etwas von dieser Ethik/Moral wieder. Sie ist in ihn hineingelegt worden. So in etwa.

            Deshalb wird das moralisch Gute von Gott befohlen, weil es das moralisch Gute ist und es ist deswegen moralisch gut, weil es von Gott befohlen wird. Ich sehe darin keinen Widerspruch. Für mich stellt sich die Frage des „entweder“ – „oder“ nicht.

          • Christina sagt:

            In den letzten Tagen bin ich eher zufällig über einen Artikel gestolpert, der zum Thema hier passt wie die Faust aufs Auge. Mal ein kleiner Auszug:

            „……. wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine objektiven Standards für Richtig und Falsch. Allem was wir konfrontiert sind ist, mit den Worten von Jean-Paul Sartre, der bloße, wertlose Fakt der Existenz. Moralische Werte sind entweder nur Ausdrücke persönlichem Geschmacks oder die Nebenprodukte sozio-biologischer Evolution und Aufbereitung. Wer bestimmt, in einer Welt ohne Gott, welche Werte richtig und welche falsch sind? Wer urteilt, dass die Werte von Adolf Hitler geringwertiger als die eines Heiligen sind? Das Konzept von Moral verliert jede Bedeutung in einem Universum ohne Gott. Wie es ein zeitgenössischer, atheistischer Ethiker aufzeigt: „Zu sagen, dass etwas falsch ist, weil […] es von Gott verboten ist, ist völlig verständlich für jeden, der an einen gesetzgebenden Gott glaubt. Aber zu sagen, das etwas falsch ist […] obwohl es keinen Gott gibt, der es verbietet, ist nicht verständlich.“ „Das Konzept von moralischer Verbindlichkeit [ist] unverständlich außerhalb der Idee von Gott. Die Worte bleiben bestehen aber ihre Bedeutung ist verloren.“2[Tay85] In einer Welt ohne Gott kann es kein objektives Richtig oder Falsch geben, nur unsere kulturellen und persönlich relativen, subjektiven Urteile. Das bedeutet, dass es unmöglich ist Krieg, Unterdrückung oder Kriminalität als Böse zu verdammen. Noch kann Brüderschaft, Gleichheit und Liebe als Gut angepriesen werden. Denn in einem Universum ohne Gott existieren Gut und Böse nicht -es gibt nur den bloßen, wertlosen Fakt der Existenz und es gibt niemanden der bestimmt, dass du im Recht bist und ich im Unrecht…..“

            Weiterlesen bzw. Alles lesen hier: http://www.reasonablefaith.org/german/die-absurditaet-des-lebens-ohne-gott

            • Alien sagt:

              Aber wenn Atheismus in dieser Beziehung scheitert, wie ist es dann mit dem biblischen christlichen Glauben? Laut der christlichen Weltsicht existiert Gott und das Leben der Menschen endet nicht im Grab. Im Körper der Wiederauferstehung kann der Mensch ewiges Leben und Verbundenheit zu Gott genießen. Biblischer Glauben bietet daher die beiden notwendigen Bedingungen für ein sinnvolles, wertvolles und zweckmäßiges Leben des Menschen an: Gott und Unsterblichkeit. Daher können wir konsistent und glücklich leben. Deswegen ist der biblische christliche Glaube genau da erfolgreich, wo Atheismus versagt.

              Ich kann ja nachvollziehen, dass Sterblichkeit Sinnlosigkeit impliziert, da es am Ende vollkommen egal ist, ob und wenn ja wie oder wie lange man gelebt hat. Nur der Gegenschluss, mit Unsterblichkeit ist es toll, weil wir dann ewig bei Gott frohlocken können, kann ich nicht verstehen. Welchen SINN soll das haben?

              Man könnte erwidern: Es macht keinen Sinn, aber Spaß. Dann kann man genauso gut als Sterblicher sagen: Das Leben macht zwar keinen Sinn aber Spaß.

              Also was ist durch die zweite Sichtweise (Unsterblichkeit und Gott) an Sinn gewonnen?

              • Christina sagt:

                Dann kann man genauso gut als Sterblicher sagen: Das Leben macht zwar keinen Sinn aber Spaß.

                Durch die Artikel, die du auf deinem Blog veröffentlichst, habe ich von dir eigentlich nicht den Eindruck gewonnen, als würdest du dieses Leben und diese Welt als reinen „Spaß“ ansehen. Und damit hast du ja Recht, auch wenn ich nicht alle deine Ansichten teile.

                Ich denke mal, die meisten Menschen haben mal hier und da ein „Erlebnis“, von dem sie sagen könnten, dass es ihnen Spaß gemacht hat, keine Frage, aber sicher gibt es in ihrem Leben genauso viel „Erlebnisse“, von denen sie sagen müßten, dass sie ihnen keinen „Spaß“ machen. Ist es nicht so?

                Nur der Gegenschluss, mit Unsterblichkeit ist es toll, weil wir dann ewig bei Gott frohlocken können, kann ich nicht verstehen. Welchen SINN soll das haben?

                Ich vermute mal, dieser, dein Gedanke kommt u. a. daher, dass du eine verkehrte Vorstellung vom Himmel hast. Das kommt nicht nur bei Atheisten, sondern auch bei Christen vor. 😉

                Mehr dazu hier:

                [audio src="http://ecg-berlin.de/downloads/hellersdorf/Gemeindeseminar/audio/2014/2014-09-14%20Die%20Zukuenftige%20WIederherstellung%20aller%20DInge%20%28Matthias%20Froehlich%29.mp3" /]

                Zur Sinnfrage: Was ist beispielsweise der SINN einer (sagen wir mal) Waschmaschine? Natürlich dass sie Wäsche richtig sauber macht und trocken schleudert. Ärgerlich für den Konstrukteur, wenn sie kaputt ist (zerstört wurde) und nicht richtig funktioniert. Ärgerlich auch für die Waschmaschine, so ein sinnloses Dasein zu führen, wenn sie denn eine Persönlichkeit hätte und das alles verstehen könnte.

                Zum Vergleich: Zum Ebenbild des Schöpfers geschaffen, ist es ZWECK und BESTIMMUNG des Menschen gewesen (=SINN), dieses Ebenbild Gottes innerhalb der Schöpfung wiederzuspiegeln. In verantwortlicher Art und Weise sollte der Mensch diese Schöpfung verwalten.

                Es würde Gottes unwandelbarem Charakter widersprechen, wenn er aufgrund der großen Tragödie des Sündenfalls (die er kommen sah) seine Pläne mit dem Menschen ändern würde. Gott schmeißt seine Pläne nicht über Bord.

                Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen:

                Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Off. 21, 1

                Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch sie zu Herzen nehmen; Jes. 65, 17

                Wir aber warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. 2. Petr. 3, 13

                Und es wird nicht hineingehen irgend ein Gemeines und das da Greuel tut und Lüge, sondern die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes. Off. 21, 27

                Du kannst davon ausgehen, dass das Leben auf dieser neuen Erde in etwa dem Leben VOR dem Sündenfall entsprechen wird – nur ohne die Gegenwart der Sünde, ohne Krankheit, Tod und allem, was uns das Leben hier so sehr verleidet. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war “SEHR GUT”. Das kann man ja heute von der Schöpfung nicht mehr behaupten.

                Dass mit dem “Ebenbild Gottes” wiederspiegeln, betrifft zuallererst Gott, kommt aber ebenso absolut dem Menschen zugute.

                Wäre das für dich SINN genug?

                • Alien sagt:

                  Wäre das für dich SINN genug?

                  Nicht wirklich, aber ich denke, hier ist vernunftmäßig nichts zu erreichen, das ist eine Gefühlssache. Wenn ich fühle, dass es gut ist, die Ewigkeit mit Gott zu verbringen, ist das sicher was Tolles. Aber wie es mit Gefühlen so ist, sie lassen sich nicht erzwingen.

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