Ich bin ein Rassist!

Ich bin ein Rassist und außerdem natürlich Sexist und Antisemit. Sexist bin ich wegen meinen Bedenken gegen die Frauenquote, Antisemit, weil ich Körperverletzung an Säuglingen verboten sehen möchte und Rassist, weil ich nicht verstehe warum 25 schwarz angemalte „Jim Knopf“-Darsteller rassistisch sind.

Was ist passiert? Anscheinend gab es wieder mal so eine Wetten Dass…-Sendung, bei der die Saalwette lautete, es sollten 25 Paare „Lukas und Jim Knopf“ auf die Bühne kommen, und die Jim Knopf-Darsteller sollten schwarz geschminkt sein. Bei Twitter ging dann wohl ein Shitstorm los: Das ZDF unterstütze Blackfacing. Blackfacing war, wie ich erfahren durfte, eine tatsächlich rassistische Praxis des 19. Jahrhunderts, wo hellhäutige Schauspieler sich schwarz angemalt haben um Dunkelhäutige zu veräppeln und als dumm darzustellen.

Mir leuchtet es nicht im geringsten ein, warum das ZDF so etwas angeblich unterstützen soll. Die hier schwarz angemalten Jim-Knopf-Darsteller haben sich eben nicht schwarz angemalt um Stereotype über Dunkelhäutige zu verbreiten, sondern um eben wie Jim Knopf auszusehen. Demnach handelt es sich logischerweise auch nicht um Blackfacing im obigen Sinne.

Nur weil es Gemeinsamkeiten zwischen „schwarz anmalen“ und Blackfacing gibt, ist es nicht das Selbe.

Wer mich vom Gegenteil überzeugen kann, bitte, die Kommentarspalte ist lang!

Euer Alien

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22 Kommentare zu “Ich bin ein Rassist!

  1. klausbaum sagt:

    in den 70ern gab es eine aufführung von shakespeares othello im hamburger schauspielhaus. regie: peter zadek. desdemona: eva mattes. othello: ulrich wildgruber. wildgruber war dunkelbraun angemalt. als es zum kampf zwischen othello und desdemona kam, ging bei othello ein teil der farbe ab.

    die sich anläßlich solcher theaterinszenierungen moralisch entrüsten, sind leute, die sonst keine moral haben.

    • Alien sagt:

      „die sich anläßlich solcher theaterinszenierungen moralisch entrüsten, sind leute, die sonst keine moral haben.“

      Das trifft hoffentlich nicht auf alle zu, aber zumindest haben sie keine sonderlich reflektierte Moral, wie mir scheint.

  2. Hanz sagt:

    „Antisemit, weil ich Körperverletzung an Säuglingen verboten sehen möchte“
    Das bin ich zusätzlich noch, weil ich die Politik eines kleinen Staates an der Südostküste des Mittelmeeres kritisiere.

  3. So schnell kann’s gehen – du bist jetzt Rassist und ich ausländerfeindlich…
    Man kann alles übertreiben, finde ich. Nur schaden diejenigen, die dramatisch überspitzen, dem wahrhaftigen, guten und ehrenwerten Einsatz gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Sexismus weitaus mehr, als sie auch nur einen Funken Nutzen haben…

    • Alien sagt:

      Da kann ich dir nur zustimmen. Den Schaden sehe ich, den Nutzen nicht. Die Nationalisten und echten Rassisten reiben sich schon die Hände, können sie sich doch jetzt bei den zu Unrecht Beschuldigten als Beschützer gegen eine überbordende politische Korrektheit gerieren. Politically Incorrect dürfte sich freuen.

  4. Hessenhenker sagt:

    Mir ist sogar schon vorgeworfen worden Rassist zu sein, weil ich eine sehr dunkelhäutige Verlobte habe.
    Daß die mich nicht mal in Deutschland besuchen kommen darf (kein Besuchsvisum), soll ich nicht erwähnen, das sei Hetze gegen diejenigen Ausländer die hier sind.

    • Alien sagt:

      Was zum Henker (unabsichtliches Wortspiel ;-))! Wie kann man Rassist sein, WEIL man eine dunkelhäutige Verlobte hat? Das passt ja noch nicht mal zu der teils sehr verqueren „Logik“ diverser angeblicher Antirassisten, die meinen, Schwarze könnten keine Rassisten sein und Weiße seien es von Geburt an.

      Wieso das Hetze gegen hier lebenden Ausländer sein soll, zu kritisieren (oder nur zu erwähnen), dass deine Verlobte nicht herkommen darf, verstehe ich auch nicht. Leute gibts!

      Was habt ihr vor? Wollt ihr heiraten, oder musst du sie immer in ihrem Land besuchen?

      • Hessenhenker sagt:

        Solange, bis ich die Verluste durch den Brandanschlag wieder habe, geht es nur so, daß ich sie dort besuche.
        Da ich aber nicht nochmal 5 Jahre fast nur Fernbeziehung führen will, werde ich jetzt beginnen, das Land in Schutt und Asche zu legen.
        Indem ich anfange, bei Ausländern Unterschriften für meine Petition zu sammeln (des Inhalts, daß mein Schatz und ich visamäßig endlich genauso gut behandelt werden wollen wie die Piraten und Haßprediger).
        Bestimmt wird irgendjemand das „falsch“ verstehen und schon gibt es Krawall.

        • Hessenhenker sagt:

          Wie meine Antwort zeigt, bin ich jetzt frustriert.

          • Alien sagt:

            Ist ja auch verständlich. Wem galt eigentlich der Brandanschlag und wer hat ihn verübt?

            • Hessenhenker sagt:

              Da ich der Geschädigte war bzw. bin, galt er wohl mir.
              Täter gibt es nicht, die Ermittlungen wurden eingestellt.
              Immerhin wurde Monate später eine FALSCHE Spur gelegt, was ja bedeutet, daß von möglichen echten Spuren abgelenkt werden sollte.

        • Alien sagt:

          Hängt vermutlich von der genauen Formulierung ab. Sicher werden es manche absichtlich falsch verstehen, aber ich finde es mehr als legitim, Verbrecher die nicht abgeschoben werden, als Anlass zu nehmen um zu fragen, warum friedliebende sich liebende Menschen qua Staatsgewalt getrennt werden, während manch kriminelle Zeitgenossen den Aufenthalt genießen dürfen.

          • Hessenhenker sagt:

            Bevor mir 1997 das Haus angezündet wurde war ich immer friedliebend, und die 17 Jahre seitdem auch.
            Langsam finde ich aber die Friedensliebe genauso LANGWEILIG, wie die SPD den Brandanschlag auf mich findet, langweilig nämlich.
            Ein SPD-Abgeordneter hat mir ja vorgeschlagen, eine Petition zu machen (um mich abzuwimmeln).
            Dann kann man mir demnächst nicht vorwerfen, daß genau diese Petition (dafür braucht es 50.000 Unterstützer, und selbst dann können sie es ignorieren) zu Beleidigtenkrawallen führt.

            • Alien sagt:

              Läuft diese Petition noch, wenn ja wo?

              • Hessenhenker sagt:

                Beginnt erst.
                Es gibt ähnliche Petitionen, die man online beim Bundestag zeichnen kann, das macht aber so gut wie kein Schwein. Eine dümpelt seit 2 Jahren bei 180 Unterstützern vor sich hin, erst ab 50.000 muß sich der Petitionsausschuß mal kurz damit beschäftigen.
                Ist auch völlig sinnlos, weil die ehrenwerten Abgeordneten nichts ändern müssen. Da wird dann halt gesagt, ist irrelevant, und sonst könnte ja jeder kommen.

  5. Jan sagt:

    Ich habe viel darüber nachgedacht ob sich schwarz anmalen im Rahmen von „Wetten Das“ um Jim Knopf darzustellen rassistisch ist oder nicht und bin im Moment der Meinung: Es ist rassistisch.
    Zur Erklärung: Jim Knopf ist eine antirassistische Figur, die bewusst anders angelegt ist als übliche rassistische Klischees, insbesondere was die Handlungen angeht (nämlich als gewitzter intelligenter Held).
    Ich habe im Karneval mir mal angeschaut wie andere Helden dargetellt werden. Und festgestellt das es viele Arten gibt einen Helden darzustellen, seien es Kostüme, sei es eine Augenklappe oder sogar Schminke.
    Ich habe jedoch kein einziges Foto gefunden in dem ein Mensch sich weiß angemalt hat um einen weißen Helden darzustellen. Bei weißen Helden scheint die Hautfarbe keine Rolle zu spielen.
    Wieso wird also Jim Knopf so stark durch seine Hautfarbe identifiziert? Ich finde nur eine Antwort: Weil man seine Hautfarbe als ungewöhnlich wahrnimmt sogar als wesentliches Merkmal seiner Person.
    Schon die Wahrnehmung beweißt mir das ich rassistisch beeinflust bin. Statt Mütze, Latzhose oder seine kleine Lok, ist die Hautfarbe das was ihn ausmacht. (interessanterweise, hat sich niemand daran gestört das auch Mädchen als Jim Knopf auftreten, warum musste man dann ein schwarzes Gesicht haben? Warum mussste man keine schwarze Haare haben, auch die hatte Jim Knopf)
    Natürlich ist Jim Knopf ein Held, aber dies macht das ganze ja nicht weniger rassistisch. Auch positiver Rassismus ist Rassismus, denn er schreibt Menschen Eigenschaften aufgrund von Äußerlichkeiten zu, die sie vielleicht gar nicht haben. Das kann wie ich erfahren habe auch sehr unangenehm sein.
    Zu guter letzt bin ich der Meinung das man zuerst Menschen zuhören sollte die direkt betroffen sind. Ich habe mir von solchen erklären lassen (einen dank dafür) warum dies rassistisch ist und sie haben mich überzeugt. Gefährlich halte ich dann solche Aussagen das nur weil Betroffene vielleicht nicht gleich die besten Argumentationen liefern, ihnen vorzuwerfen sie würden Menschen bei PI in die Arme spielen. Das ist gefährlich und für mich eine verletzung der Menschenwürde von Benachteiligten.
    Ich bin auch nicht immer einer Meinung und zum Beispiel gegen die frühkindliche Beschneidung. Trotzdem werfe ich Menschen die dies für ihre religösie Pflicht halten nicht vor das sie Antisemitismus schüren. Den gibt es wie Rassismus auch ohne das die Opfer etwas dafür tun.

    • Alien sagt:

      Danke für deine ausführliche Antwort. Überzeugt hast du mich zwar nicht, aber du hast interessante Aspekte angesprochen.

      Ich habe jedoch kein einziges Foto gefunden in dem ein Mensch sich weiß angemalt hat um einen weißen Helden darzustellen. Bei weißen Helden scheint die Hautfarbe keine Rolle zu spielen.
      Wieso wird also Jim Knopf so stark durch seine Hautfarbe identifiziert? Ich finde nur eine Antwort: Weil man seine Hautfarbe als ungewöhnlich wahrnimmt sogar als wesentliches Merkmal seiner Person.

      Ich kann mangels Erfahrung nicht für andere Länder sprechen, aber in Deutschland ist eine dunkle Hautfarbe ungewöhnlich. Laut Wikipedia (kann das jemand bestätigen?) liegt die Anzahl dunkelhäutiger Menschen in Deutschland bei ca. 300.000 bis 800.000. Das sind also maximal 1 % der Gesamtbevölkerung. Dass eine sehr dunkle Hautfarbe in einem Land in dem 99 % der Menschen eine eher helle Hautfarbe haben auffällt, ist nicht ungewöhnlich sondern entspricht schlichtweg unserem menschlichen Wahrnehmungsapparat. (In einem Land mit 99 % dunkelhäutigen Menschen, würden uns dafür Hellhäutige sofort ins Auge stechen).
      Wenn nun 99 % der in Deutschland wohnenden Menschen hellhäutig sind, stellt sich die Frage von „Whitefacing“ (ein schwarzer Schauspieler malt sich weiß an) praktisch nicht. Wie gesagt, in anderen Ländern mag das anders sein, dazu kann ich nichts sagen.
      Ob das auffälligste Merkmal (schwarze Hautfarbe in Deutschland) deshalb gleich als wesentliches Merkmal wahrgenommen wird, ist eine andere Frage. Hier ein passendes Comic dazu.

      Ich habe mir von solchen erklären lassen (einen dank dafür) warum dies rassistisch ist und sie haben mich überzeugt.

      Ich fände es zielführender hier zu unterscheiden: Kann eine Handlung bei anderen rassistisch ankommen und diese emotional verletzen? Ist eine Handlung rassistisch gemeint? Das sind zwei völlig verschiedene Ebenen. Es spricht nichts dagegen, zu reflektieren, wen ich mit meinen Handlungen vielleicht verletzen könnte (hier hat das ZDF deutlich Nachholbedarf). Eine Handlung kann aber doch objektiv nur dann rassistisch sein, wenn sie von der Intention her so gemeint war. Zum Beispiel ist ein Raubmord an einem Schwarzen nicht rassistisch, wenn der Räuber nur das Geld wollte, und genauso einen Weißen überfallen hätte. Ermordet er ihn aber AUFGRUND seiner Hautfarbe ist der Mord rassistisch motiviert. Das ist doch ein elementarer Unterschied (natürlich nicht im Ergebnis, aber in der Bewertung, ob es eine rassistische Tat war).

      „Gefährlich halte ich dann solche Aussagen das nur weil Betroffene vielleicht nicht gleich die besten Argumentationen liefern, ihnen vorzuwerfen sie würden Menschen bei PI in die Arme spielen.“

      Hm, vielleicht habe ich mit der Aussage übertrieben, ein Antirassist wird wohl eher nicht PI-Ansichten übernehmen. Ich finde es aber immer noch kontraproduktiv, Menschen als Rassisten zu bezeichnen, die sich für die Gleichberechtigung aller Menschen einsetzen. Eine starke antirassistische Bewegung schwächt sich, wenn sie ihre eigenen Anhänger beleidigt. Und für Antirassisten ist „Rassist“ nun mal eine Beleidigung.

      Schon die Wahrnehmung beweißt mir das ich rassistisch beeinflust bin.

      Ich glaube, dieser Satz ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Konflikts. Nein, deine Wahrnehmung beweist dir überhaupt keine rassistische Beeinflussung. Nimm ein Kleinkind, dass eine Menge mit 20 weißen und einer schwarzen Person sieht. Ihm wird die schwarze Person auffallen. Natürlich sticht die schwarze Person in unserer Wahrnehmung heraus, sowie Grünhutträger unter lauter Rothutträgern herausstechen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun.
      Oder sieh dir folgendes Muster an:

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      Natürlich fällt dir hier der Bindestrich auf. So funktioniert unsere Wahrnehmung. Wäre das rassistisch wären zwangsläufig alle Menschen und wahrnehmungsfähige Tiere Rassisten.

      Dass einem auffällige Merkmale auffallen, ist nicht schlimm. Schlimm wird es erst, wenn daraus Benachteiligungen für die „Auffälligen“ entstehen.

      • Jan sagt:

        Ich versuche mal in Hinblick auf eine Diskussion nicht zu viel Herumzuschreiben und bitte diese Unhöflichkeit zu entschuldigen. Ich nehme dich als Diskussionspartner ernst.

        Zu 1.: Ich habe schon ein Theaterstück in Kenia besucht in dem das allzeit populäre Romeo und Julia aufgeführt wurde. Von mehreren Schauspielern, die meisten davon mit dunklen Hautfarben. Niemand hatte sich weiß angemalt, weil es keine Rolle spielt ob Julia weiß ist oder nicht. Warum wird Jim Knopf dann nicht als weiß dargestellt. Natürlich kann man argumentieren das er ja im Buch explizit schwarz dargestellt wird um antirassistisch zu sein, aber ich denke das die meisten darüber gar nicht nachgedacht haben. Übrigens wäre dann ein Jim Knopf mit Kipppa auch eine interessante Variante gewesen. Oder mit Kopftuch.

        Zu 2.: Ein Handlung kann auch dann rassistisch sein, wenn sie nicht so intendiert ist. Man kann sich oft selbst gar nicht sicher sein warum man wirklich etwas getan hat. Es treten so viele unbewusste Faktoren auf die man unmöglich alle verstehen kann.
        Wenn ich jetzt mit den Kopf auf meiner Tastatur einschlafen würde und dabei so ungünstig auf Tasten komme das daraus ein rassistischer Text würde, wär ich sicher deswegen kein Rassist, aber es wäre korrekt mir mitzuteilen, dass das Ergebniss rassistisch ist.

        3. Ich bin nach mehreren Diskussionen zu den Ergebniss gekommen das ich leider wirklich zum Teil latent rassistisch bin. Ich befürchte das dies trotz gutem Wille meinerseits nicht vermeidbar ist. Wenn ich objektiv wäre, würde ich vermutlich nicht mal schwarz und weiß verwenden denn niemand ist schwarz oder weiß. Gerade deshalb freue ich mich darüber wenn ich darauf hingewiesen werde wenn ich mich rassistisch (auch positiv) verhalte. Gerade das hilft mir KEIN Rasist zu sein. Ich bin nur leider oft irritiert wie allergisch viele Menschen auf den Vorwurf reagieren. Gerade Betroffene verdienen meiner Meinung nach respekt wenn sie auf benachteiligungen hinweisen. Das ist schwerer als sich das Viele vorstellen. Ich finde es da verständlich und verzeihbar wenn man es auch mal falsch formuliert. Denn natürlich ist man nicht gleich ein Rassist wenn man mal was rassistisches schreibt. Einen Vorwurf ein solcher zu sein sollte man sich dann doch gefallen lassen.

        • Alien sagt:

          „Ein Handlung kann auch dann rassistisch sein, wenn sie nicht so intendiert ist.“

          Dann haben wir unterschiedliche Definitionen von Rassismus, was mich jetzt nicht wirklich wundert, wenn man die unzähligen Definitionen, die allein bei Wikipedia stehen, betrachtet.
          Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass dieses Wort je nach Empfänger als neutrale Beschreibung, Lob, oder übelstes Schimpfwort aufgefasst wird, ist klar, dass diese Diskussion die irrsten Blüten trägt.

          „Ich bin nur leider oft irritiert wie allergisch viele Menschen auf den Vorwurf reagieren.“

          Nun auf einen Vorwurf böse zu reagieren, ist mehr als menschlich. Man muss lernen, konstruktive Kritik annehmen zu können. Ebenso sollte man lernen konstruktiv zu kritisieren. Jemanden Vorwürfe machen zählt meiner Meinung nach nicht zu konstruktiver Kritik.

          Ich denke, was sich hier auftut, ist ein grundsätzlicher zwischenmenschlicher Konflikt, den es in Tausenden von Abwandlungen schon seit Menschengedenken gibt:

          Person A sagt etwas (nach ihrer Meinung) Neutrales zu Person B. Person B fasst das als Beleidigung auf. Person B beschwert sich darüber bei Person A.
          Dilemma: A will sich nicht entschuldigen, weil sie meint, nichts schlimmes gesagt zu haben. B will eine Entschuldigung von A. A erklärt schließlich, dass es ihr leid tue, dass B sich von ihrer Aussage verletzt fühlte, es sei aber nicht so gemeint gewesen. B akzeptiert diese Entschuldigung nicht, sondern will, dass sich A für die Beleidigung entschuldigt, die A gar nicht als Beleidigung anerkennt, und nicht nur dafür, dass B sich dadurch beleidigt „gefühlt“ hat. B sagt, es sei eine objektive Beleidigung und keine Einbildung.

          Wie kann man aus so einer verfahrenen Situation ausbrechen? Eigentlich nur, indem eine Seite nachgibt. Ich finde, dass B nachgeben müsste nach der Entschuldigung von A. Du findest vermutlich, dass A sich für die Beleidigung entschuldigen müsste.

          PS: Wenn du mal testen willst, ob du unbewusste Abneigungen gegen Dunkelhäutige hast, hier ein interessanter Link:

          https://implicit.harvard.edu/implicit/germany/takeatest.html (Vorinformation)

          https://implicit.harvard.edu/implicit/germany/selectatest.jsp (eigentliche Tests)

          Man sollte nur etwas vorsichtig mit der Interpretation sein.

  6. Jan sagt:

    Danke für den Test habe ihn durchgeführt.

    Das Problem an deiner Intentions-Theorie empfinde ich das sie Benachteiligungen die nicht bewusst geschehen verneint.

    Dazu eine Annahme: Es gibt Rassismus. Alle wissenschaftlichen Studien weisen darauf hin.
    Jetzt passiert etwas das den von rassismus Betroffenen rassistisch vorkommt.

    Wenn man nun der Person die vom rassismus Betroffen ist sagt: Stimmt ja gar nicht, das war ja gar nicht Rassistisch, verneint man ein stück weit den Rassismus an sich. Denn jetzt steht die vom Rassismus betroffene Person als Agressor da, nicht als Opfer.

    Und ganz sicher kann man sich nie sein. Denn oft erfolgt rassismus unterbewusst.

    Dazu kommt das auch Menschen die es rassistisch meinen, meist sagen werden es ist nicht rassistisch, weil ich es nicht so gemeint habe. Das Ergebniss ist für das Opfer eine Wand aus Rassismus die absolut zu sein scheint. Oder die von rassismus betroffene Person glaubt ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr und leugnet auch offensichtlichen Rassismus.

    Meine Lösung: Wenn es nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist, aktzeptiere ich die definition von Betroffenen. Damit wird mir vielleicht mal unrecht getan, aber ich kann mir ja eh nicht sicher sein. Für den Betroffenen zeigt es aber das mir die rassistische Intention einleuchtend erscheint.

    Wenn ich das jetzt auf „Wetten das?“ anwende, muss ich einsehen: es gab (und gibt) das Blackfacing als rassistische Ausdrucksweise. Daher erkenne ich die Perspektive der Opfer an und sage: Unabhängig von der Intention ist es rassistisch. Und daher würde ich mich bei Betroffenen Entschuldigen.

    • Alien sagt:

      „Das Problem an deiner Intentions-Theorie empfinde ich das sie Benachteiligungen die nicht bewusst geschehen verneint.“

      Gutes Argument. Du hast Recht, wenn zum Beispiel ein Lehrer seinen dunkelhäutigen Schüler schlechter bewertet, weil er unbewusst Vorurteile gegen Dunkelhäutige hat, ist das eine rassistische Benachteiligung. Beim Wetten-Dass-Vorfall ist es zwar eher eine Art Beleidigung statt einer Benachteiligung, passt also nicht so ganz, finde ich. Aber ich verstehe, worauf du hinaus willst.

      Als Fazit finde ich, sollte sich die Kommunikation ändern. Weg von Vorwürfen, hin zu sachlichen Analysen und/oder Ich-Botschaften. „Ich fühle mich durch das Blackfacing gekränkt“ ist viel leichter anzunehmen als „Du bist ein Rassist“. So fällt auch eine ernst gemeinte Entschuldigung leichter.

      „Daher erkenne ich die Perspektive der Opfer an und sage: Unabhängig von der Intention ist es rassistisch. Und daher würde ich mich bei Betroffenen Entschuldigen.“

      Könnte ich jetzt nachvollziehen. Danke für den Kommentar.

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