Unerträgliche menschliche Arroganz

Vor kurzem las ich einen Leserbrief und bin fast vom Stuhl gefallen. Ich zitiere aus der Erinnerung:

Menschen und Tiere sollten sprachlich auseinander gehalten werden. Ein Mensch stirbt, ein Tier verendet. Ein Mensch isst, ein Tier frisst. Ein Mensch hat einen Mund, ein Tier ein Maul…

Warum sollte ich das tun? Warum kann ein Tier nicht schwanger sein (statt trächtig), gebären (statt werfen) und irgendwann sterben (statt verenden)? Wieso bleibt kein Leichnam sondern ein Kadaver zurück? Wo zur Hölle ist das Problem?

Im umgekehrten Fall sehe ich eher ein Problem. Ich bin nämlich genau der entgegen gesetzten Meinung des Leserbriefschreibers. Die Sonderwörter für Tiere sind ein Symptom dessen, dass Tiere in unserer Gesellschaft nicht als Mitgeschöpfe mit eigener Würde und eigenen Rechten gesehen werden, sondern fast nur als Gegenstände. Diese unfassbare Rohheit gegenüber nichtmenschlichen Tieren färbt langfristig auf den Umgang mit Menschen ab (wie bereits geschehen und auch heute wieder zu beobachten).

Es gibt so viele Beispiele, die mich erschaudern lassen. Vor kurzem musste ich in der Zeitung lesen, dass Tierrettungsdienste kein Blaulicht haben dürfen, und keine Sonderrechte wie Rettungswagen für Menschen eingeräumt bekommen. So sterben am Unfall beteiligte Hunde teilweise nur weil die Hilfe zu spät kommt. Warum hat die zuständige Behörde oder die zuständigen Politiker das nicht längst geändert?

Natürlich gibt es noch die „üblichen“ Grausamkeiten, die sogar im Tier-„schutz“-gesetz enthalten sind.

  • Ferkel dürfen noch bis 2019 ohne Betäubung kastriert werden, in den tierquälerischen Fleischfabriken (das Wort Stall wäre hier nicht angemessen).
  • Pferde bekommen glühende Eisen in die Schenkel gedrückt. Der „vernünftige“ Grund ist hier die Kennzeichnung (als würden ein paar Fotos nicht genügen!?!). Wer mal ausprobieren will, wie harmlos das ist, nehme bitte mal einen glühenden Schürhaken und drücke ihn auf seinen Oberschenkel. Ich bitte um Berichte, wie gering der Schmerz war.
  • Jäger erschießen Hunde und Katzen, weil diese angeblich wildern, lassen aber ihren Jagdhund selbst Wild tot beißen (weidgerecht nennt sich das dann). Das Jagd für die Erhaltung eines Gleichgewichts notwendig ist, wurde in mehreren Studien widerlegt. Dennoch kursiert noch das Gerücht vom „Natur- und Tierfreund“ Jäger. In Wirklichkeit schleppen sich viele angeschossene Tiere schwer verletzt durch den Wald, bis sie unter unvorstellbaren Schmerzen elendig verrecken. Oder sie werden von einer ausgelegten Falle schwer verstümmelt und müssen schmerzerfüllt warten bis der Jäger wieder vorbeischaut.
  • Obwohl die Tierheime und Tierschutzvereine überquellen vor nicht vermittelten und teilweise nicht vermittelbaren Tieren (manche haben tatsächlich „Schönheitsfehler“, oh nein!) werden Hunde, Katzen, Zwergkaninchen und mehr gezüchtet und verkauft. Teilweise in Baumärkten, die in keinster Weise prüfen, ob die zukünftigen Besitzer das Tier artgerecht halten können und/oder wollen. Sind die kleinen Tierchen dann groß geworden und nicht mehr so süß, oder machen sie mehr Arbeit als gedacht, landen diese wieder in einem der überfüllten Tierheime, oder werden an Autobahnraststätten ausgesetzt, oder gleich in den Müll geworfen.

Gäbe es nicht so viele herzliche Leute, die sich wie selbstverständlich auch um diese armen Geschöpfe kümmern, ich würde es hassen zu dieser grausamen Spezies namens Mensch zu gehören.

Euer Alien

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6 Kommentare zu “Unerträgliche menschliche Arroganz

  1. Viele sogenannte Tiere haben mehr Nächstenliebe, Toleranz, Charakter, Rückgrat, Einfühlungsvermögen und Verständnis wie die sogenannten Menschen. Ein Hohn, unsere Spezies als „die Krone der Schöpfung“ zu bezeichnen, ich würde fast sagen, dass wir Menschlein am Anus der Schöpfung sitzen, dort gehören ehrlich gesagt auch so etliche von uns mit Fug und Recht hin.

  2. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Menschliche Arroganz

  3. […] auf die Quellenangabe ist es genau der Artikel, den ich vor drei Tagen geschrieben habe. Zunächst habe ich im Kommentar angefragt, ob sie nicht […]

  4. M.E. sagt:

    Echt guter Artikel, die Art von Fragen habe ich mir seit Jahren gestellt. Ich benutze die diffamierende Sprache einfach nicht mehr (oder doch, aber nur wenn ich etwas gröber sein möchte und meist auf Menschen bezogen;-)). Auch wenn ich dabei immer riskiere, korrigiert zu werden.
    Wie kann man jemandes Kinder „Wurf“ nennen, als ob sie Müll wären oder im besten Fall ein Ball oder so etwas? Die Katzen und Schweine und all die anderen haben ihre Kinder nicht „geworfen“, sondern mühsam geboren. Und wer wirklich besser ist, der denkt und verhält sich besser als andere und versucht nicht, einfach Legenden zu erfinden, die erklären sollen, warum er besser ist.
    Schade, dass ausgerechnet dieser Artikel so fies geklaut wurde. Aber ich vermute, er wurde auch deshalb geklaut, weil er gut war und die Person einfach Klicks sammeln will (zu welchem Zweck auch immer).

    • Alien sagt:

      Danke.

      Ich kenne manche beim Tierschutzverein, die diese Wörter auch verwenden. Dort stört es mich aber auch nicht sonderlich. So wie es mich auf einer menschenfreundlichen Seite nicht stört, wenn das Wort Asylant benutzt wird. Sie benutzen diese Wörter ja lediglich beschreibend und nicht wertend. Ganz im Gegenteil zu dem unsympathischen Leserbriefschreiber, der sich durch seine Wortwahl von Tieren abgrenzen will.

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