Lichtblicke

Ist denn heut schon Weihnachten? Nachdem die letzten Wochen wieder wie üblich sehr frustrierend waren, wenn man Zeitung gelesen hat, gibt es jetzt immerhin mal ein paar gute Nachrichten. Ich meine jetzt nicht die wichtigste Nachricht, dass Sebastian Vettel heiratet, sondern dass die neue bayerische Sozialministerin Emilia Müller anscheinend die Bezeichnung Sozialministerin verdient – bisher. Die Essenspakete für Asylsuchende (im Amtsdeutsch Asyl“bewerber“ genannt), werden abgeschafft. Stattdessen erhalten die Asylsuchenden Geld, um sich selbst Essen besorgen zu können. Dadurch spart der Freistaat Geld und die Asylsuchenden müssen nicht mehr mit teils vergammelten Nahrungsmitteln (Lebensmittel wäre zu viel der Ehre) vorlieb nehmen. Es wird nach einem Platz für eine dritte und evtl. vierte Erstaufnahmeeinrichtung gesucht, da die bisherigen zwei wie so oft aus allen Nähten platzen.

Zwar bleibt noch viel zu tun, aber wenigstens ist mal ein Funken von der Menschlichkeit, die ich im Privaten überall antreffe, in Regierungspositionen wiederzufinden. Das war bisher selten zu sehen, wenn man bedenkt, dass…

  • … Angela Merkel sich erst dann über die Überwachung durch die NSA beschwert, als sie persönlich betroffen war.
  • … man in Italien bestraft wird, wenn man Ertrinkende rettet – zumindest, wenn diese aus dem falschen Land kommen.
  • … der Hamburger Innensenator erklärt, man mache sich der Beihilfe zum illegalen Aufenthalt schuldig, wenn man die Flüchtlinge, die sich in der Kirche verschanzen, unterstützt.
  • … Roma in Scharen aus Frankreich vertrieben werden, und sich erst Demonstrationen dagegen entwickeln, als ein gut integriertes Mädchen von einem Schulausflug aus in ein für sie völlig fremdes Land, dessen Sprache sie nicht spricht, deportiert wurde. Der angeblich linke Präsident (der sich gerne mal als Kriegsherr geriert) erlaubt dann diesem Mädchen OHNE FAMILIE zurückzukehren (sie ist 15!), obwohl die Abschiebung angeblich rechtlich in Ordnung war. Manche „Linke“ beschweren sich  nur über die Art und Weise der Abschiebung und nicht, dass sie passierte.
  • … auch in Deutschland Roma von unserem Innenminister Sozialtourismus vorgeworfen wird und er sie möglichst schnell deportieren lassen will (in Geschichte nicht aufgepasst? Sowas hatten wir doch schon mal!).

Aber wie gesagt: Es gibt immer mal wieder kleine Lichtblicke, die hoffen lassen, dass die Arbeit nicht umsonst ist, die Vertreter der Menschenrechte leisten. Vielen Dank an diese Menschen, die sich nicht von Zynikern, Nationalisten, Rassisten und ähnlichen unangenehmen Zeitgenossen von ihren Zielen abbringen lassen.

Euer Alien

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3 Kommentare zu “Lichtblicke

  1. Unter so etlichen Arbeitskollegen/innen gab es gestern in der Pause wütende Proteste, weil Frau Müller statt Essenspakete Bargeld an die Asylsuchenden auszahlen will. Da gab es solche Kommentare wie „Dieses Drecksgesindel treibt uns alle noch in den Ruin!“, „Die sollen gefälligst wieder dahin zurück gehen, wo sie hergekommen sind!“, „Wir Deutschen sind doch die reinsten Deppen, niemand in der EU füttert so viel Sozialschmarotzer durch wie wir!“ usw. … Aber ich habe kräftig Kontra gegeben, auch wenn ich mir dadurch keine Freunde gemacht habe – aber mit solchen Menschen möchte ich ohnehin nicht befreundet sein… Kannst du mir vielleicht eine Website bzw. Informationsquelle nennen, auf der klar ersichtlich ist, welche Leistungen einem Asylsuchenden zustehen, damit ich mir das ausdrucken und dem Drecksgesindel von Kollegitäten beim nächsten Mal unter die Nasen halten kann?

    • Alien sagt:

      Auch wenn ich bezweifle, dass deine „reizenden“ Kollegen für Sachargumente oder gar für Empathie zugänglich sind, könntest du ihnen dennoch um die Ohren hauen, wie es wirklich ist:

      Nicht die Flüchtlinge treiben uns in den Ruin, sondern unsere Regierung. Aber nicht damit, dass sie selbstverständliche Hilfeleistungen an Notleidende verteilt, sondern durch Kriege, Waffenexporte und Hilfe für „notleidende“ Banken.
      Weiterhin werden die Flüchtlinge GEZWUNGEN, die Sozialleistungen zu beziehen, da sie nicht arbeiten dürfen. Erst nach einer Frist von neun (vor kurzem noch zwölf) Monaten dürfen sie arbeiten, finden aber schwer eine Stelle, da erst eine endlose Vorrangprüfung durchgeführt wird (gibt es Deutsche oder EU-Bürger, die für die Stelle geeignet sind). Zusätzlich sind Arbeitgeber von unsicheren Aufenthaltstiteln nicht gerade begeistert, was die Chancen auf einen anständig bezahlten und halbwegs sicheren Job nochmal schmälert.

      “Die sollen gefälligst wieder dahin zurück gehen, wo sie hergekommen sind!”

      Frag doch mal, ob sie (deine Kollegen) gerne in ein Bürgerkriegsland gehen möchten, in denen ihre Familie zerfetzt in einem Bombenkrater liegt, und in dem es kriegsbedingt weder ausreichend Essen noch sonstige Versorgung gibt.

      Die Leistungen für Asylsuchende sind im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt:

      http://www.gesetze-im-internet.de/asylblg/BJNR107410993.html

      Das Taschengeld beträgt mittlerweile 130 Euro. Die vom Verfassungsgericht festgelegten Sätze (die immer noch vorrangig in Sachleistungen ausgegeben werden) liegen knapp unterhalb des aktuellen Hartz-IV-Satzes. Das Gesetz wurde nur noch nicht geändert, weil unsere Bundesregierung wichtigeres zu tun hat, als die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts umzusetzen. Hier zu finden:

      http://www.sueddeutsche.de/politik/asylbewerber-urteil-halbe-menschen-ganze-menschen-1.1415432

      Interessant ist übrigens, dass für die Unterkunft in den Sammellagern (die ja Pflicht ist) Gebühren zu entrichten sind, wenn irgend welches Vermögen oder Einkommen existiert. Kommt ein Asylsuchender also mit ein wenig Geld von seiner Flucht an, wird erst mal alles einbehalten – als „Sicherheitsleistung“. Paragraph 7a:

      Von Leistungsberechtigten kann wegen der ihnen und ihren Familienangehörigen zu gewährenden Leistungen nach diesem Gesetz Sicherheit verlangt werden, soweit Vermögen im Sinne von § 7 Abs. 1 Satz 1 vorhanden ist. Die Anordnung der Sicherheitsleistung kann ohne vorherige Vollstreckungsandrohung im Wege des unmittelbaren Zwangs erfolgen.

      Reizend.

      „Aber ich habe kräftig Kontra gegeben, auch wenn ich mir dadurch keine Freunde gemacht habe – aber mit solchen Menschen möchte ich ohnehin nicht befreundet sein…“

      Auch für dich gilt der letzte Satz des Artikels. Danke. Ich bin froh, dass meine Kollegen nicht so sind. Ich stelle mir die Arbeit mit solchen Menschen schwierig vor.

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