Mein moralischer Kompass

Ich behaupte des öfteren ein Gesetz sei unmoralisch, ebenso manche Handlungen öffentlicher Persönlichkeiten. Andere entgegnen auf solche Aussagen, Moral sei subjektiv, jeder sehe etwas anderes als moralisch richtig oder moralisch falsch an.

Ich glaube nicht, dass es so viele verschiedene moralische Kompasse gibt. Ich denke, der wichtigste moralische Kompass ist folgende Aussage:

Jeder darf tun und lassen, was er will, so lange er damit niemand anderem schadet.

Gibt es wirklich so viele Menschen, die diesen Satz NICHT unterschreiben würden?

Betrachtet man Gesetze unter diesem Leitmotiv, sind viele Regelungen absolut unmoralisch. Ich könnte so viele Beispiele von Regelungen bringen, die die Freiheit einschränken, ohne, dass es dafür einen moralisch gerechtfertigten Grund gibt – und ich denke, ihr auch.

Aus diesen Überlegungen folgt: Ich muss nicht begründen, warum ein Verbot sinnlos ist, die Verbotsbefürworter sind in der Pflicht zu begründen, warum ein Verbot notwendig ist. Ein Verbot kann nur dann eventuell moralisch gerechtfertigt sein, wenn damit Schaden von anderen abgewendet wird. Von diesem Grundsatz ist in vielen Diskussionen nichts zu spüren. Viele „Argumente“ ignorieren dieses Grundprinzip einfach.

Mich würde jetzt wirklich mal brennend interessieren, ob ihr das anders seht und ob ihr vielleicht auch einen anderen moralischen Kompass habt.

Euer Alien

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18 Kommentare zu “Mein moralischer Kompass

  1. Kein Widerspruch, denn ich denke, wir beide haben den gleichen moralischen Kompass…

  2. pH!L sagt:

    So …. da melde ich mich auch mal wieder aus der Versenkung.

    „Jeder darf tun und lassen, was er will, so lange er damit niemand anderem schadet.“

    Ich glaube, du hast recht, dass es keinen Menschen auf der Welt gibt, der dies nicht unterschreiben würde … ABER und das ist wirklich ein grooooooooooooßes ABER!!!

    Diese Regel ist nun einmal völlig unnütz!!! Was sind denn die Definitionen von „Jeder“, von „niemand“ und von „anderem“? Und leider gibt es nun einmal nichts auf der Welt, was „Jemand“ tun kann und dabei nichts und niemand anderen schadet! Das ist der Punkt! Bei jeder Regelung, bei jedem Gesetz auf dieser Welt geht es nur darum einen Kompromiss im „Schaden“ der Beteiligten zu finden und sei es nur im Einschränken ihrer Freiheit … Und in diesem Punkt wird das mit der Moral immer erst schwierig. Weil dann Punkte in die Diskussion kommen, die von verschiedenen Parteien unterschiedlich gewichtet werden. Und nun hat jeder Mensch auch ein Recht auf seine Meinung, auf seine Gewichtung von Argumenten, die niemand ihm absprechen kann und demzufolge wird er über die Regeln auch anders denken als andere und die Regeln werden aus seiner subjektiven Sicht auch anders erscheinen als aus der subjektiven Sicht von anderen.

    Wie schon geschrieben: Es geht immer in dieser Welt darum einen Kompromiss zu schaffen bei dem jeder Beteiligter auf etwas verzichten muss, wo der Kompromiss zumindest einen Beteiligten „schaden“ wird…

    Die Welt ist nun einmal nicht so einfach …

    • Alien sagt:

      „Bei jeder Regelung, bei jedem Gesetz auf dieser Welt geht es nur darum einen Kompromiss im “Schaden” der Beteiligten zu finden und sei es nur im Einschränken ihrer Freiheit“

      Schön wäre es. Es gibt so viele Regelungen, die man ersatzlos streichen könnte. In vielen Ländern sind zahlreiche sexuelle Handlungen zwischen zwei erwachsenen Menschen strafbar. In Deutschland ist es weder erlaubt ganz nackt noch ganz vermummt in die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn ich den Bratwurstverkäufer bitte, die Bratwurst ganz durch zu braten bis sie teilweise schwarz ist, antwortet er, dass er seine Lizenz verliert, wenn er mir eine schwarze Bratwurst verkauft, obwohl wir uns beide völlig einig sind, und ich um die Gefahren verbrannten Fleisches weiß. Ich habe das Recht mir selbst Schaden zuzufügen. Zum Beispiel darf ich rauchen. Ich darf aber nicht ohne Gurt Auto fahren, obwohl ich damit nur mich selbst gefährde, und sonst niemanden – oder eine schwarze Bratwurst kaufen. An Karfreitag darf ich als Diskobesitzer am Arsch der Welt in meiner schallisolierten Disko keinen Besuch empfangen, auch wenn die nächste Kirche meilenweit weg ist. In kirchlichen Einrichtungen, die zu 92 % vom Staat finanziert werden, darf ich trotz idealer Qualifikation nicht arbeiten, wenn ich nicht die richtige Religionszugehörigkeit habe. Etc. Etc. Etc.

      Ich stimme dir natürlich voll und ganz zu, dass selbst unter Berücksichtigung dieses Grundsatzes es noch viele Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sowie Kompromisse geben würde. Aber ein großer Teil an Vorschriften wäre obsolet.

      Mir ging es mit dem Artikel darum, die Grundlage für Diskussionen über andere Themen zu legen, bei denen dieser Grundsatz nämlich häufig ignoriert wird. So argumentieren teilweise Tanzverbotsbefürworter, man könne ja an alle anderen Tagen im Jahr tanzen und müsse an den paar Tagen nicht auch noch tanzen. Diese Argumentation widerspricht völlig dem im Artikel genannten Grundsatz und wird dennoch auch bei vielen anderen Themen verwendet.

      • pH!L sagt:

        „In vielen Ländern sind zahlreiche sexuelle Handlungen zwischen zwei erwachsenen Menschen strafbar.“

        Ich kann mir nur vorstellen, dass es viele fanatisch religiöse Menschen gibt, die das heutzutage immer noch als Schutzregelung für die Betroffenen sehen, um nicht in der Hölle oder vergleichbares zu landen …

        „In Deutschland ist es weder erlaubt ganz nackt noch ganz vermummt in die Öffentlichkeit zu gehen.“

        Man findet bestimmt ein paar zartbeseitete Menschen, die glauben sie würden durch nackte Haut schaden nehmen … geistigen natürlich. Was das vermummen angeht … es unterstützt nun einmal die Aufklärung von Verbrechen, was der Prävention von anderen Verbrechen dient, also Schaden vermeidet. Außerdem, nach den ganzen Terrorakten, ist Angst unter anderen Menschen, hervorgerufen von solchen Vermummungen auch nicht so einfach wegzudiskutieren.

        „Wenn ich den Bratwurstverkäufer bitte, die Bratwurst ganz durch zu braten bis sie teilweise schwarz ist, antwortet er, dass er seine Lizenz verliert, wenn er mir eine schwarze Bratwurst verkauft, obwohl wir uns beide völlig einig sind, und ich um die Gefahren verbrannten Fleisches weiß.“

        Verkohltes Fleisch steht nun einmal im Verdacht potentiell krebserregend zu sein … der Staat will dich somit wahrscheinlich nur schützen. Außerdem … nachdem du die Bratwurst gegessen hast, könntest du den Bratwurstverkäufer ja anklagen, dass er die potentiell krebserregende Substanzen verkauft hätte. Dient also wieder nur der Prävention von seinem Schaden. Gerichtsverfahren und Streitigkeiten sind teuer.

        „Ich habe das Recht mir selbst Schaden zuzufügen. Zum Beispiel darf ich rauchen.“

        Viel Schlimmer: du darfst Alkohol trinken!!! Alkohol ist so ziemlich die gefährlichste Droge die es gibt. Sie macht soviel kaputt und ist gesellschaftlich auch noch akzeptiert!!! Trotzdem ist Bier ein Grundnahrungsmittel! Weil man ja irgendjemanden auf die Füße treten würde, wenn man die Tradition/die Kultur abschaffen würde. Rauchen ist auch ein Genußmittel … ob es dir nun schadet oder nicht sei dahingestellt … Rauchen muss nicht Schaden. So eine Zigarette im Jahrzehnt hat noch keinen gekillt. Sollen wir nun wieder Rationierungen einführen? Prohibition? Da würden wir aber viele Menschen in ihrer Freiheit einschränken.

        „Ich darf aber nicht ohne Gurt Auto fahren, obwohl ich damit nur mich selbst gefährde, und sonst niemanden“ … du darfst ja ohne Gurt Autofahren … nur nicht in Deutschland. Außerdem: wenn dein Körper durch die Windschutzscheibe fliegt und gegen eine Hauswand klatscht … wer bezahlt die Reinigung? Oder die Kosten der Krankenkasse, die steigen, wenn du unerwartet durch die Windschutzscheibe geflogen doch nicht krepierst? Sollen alle gesetzlich versicherten oder deutschen Steuerzahler dir eine Behindertenrente zahlen, nur weil du zu bescheuert warst dich anzuschnallen? (Ich meine natürlich nicht dich … sondern den der ohne Anschnallgurt fährt! Also nicht persönlich nehmen.) Man denke auch an die Halbwaisenrente für deine Kinder … die auch der deutsche Steuerzahler löhnen darf …

        Ich hoffe du weißt, worauf ich hinaus will. Nur weil dir eine Regel unnütz erscheint … ist sie das noch lange nicht… und Kompromisse sind mitunter sehr schwierig zu finden …

        • Alien sagt:

          Ich kann mir nur vorstellen, dass es viele fanatisch religiöse Menschen gibt, die das heutzutage immer noch als Schutzregelung für die Betroffenen sehen, um nicht in der Hölle oder vergleichbares zu landen …

          Damit verbieten sie aber etwas, was niemand ANDEREM schadet, sondern in den Augen der Religiösen nur den beiden selbst, die das freiwillig tun. Genau deshalb sind diese Verbote moralisch falsch. Selbst wenn die zwei Personen sich wirklich schaden würden, hätten sie dazu alles Recht der Welt.

          „Ich hoffe du weißt, worauf ich hinaus will. Nur weil dir eine Regel unnütz erscheint … ist sie das noch lange nicht… und Kompromisse sind mitunter sehr schwierig zu finden …“

          Das sehe ich durchaus ein. Deswegen diskutiere ich ja gerne konkrete Beispiele um den Sinn oder Unsinn dahinter zu verstehen (dieser Artikel ist eine Ausnahme, sozusagen die Meta-Ebene). Im Gegenzug hoffe ich, dass du weißt worauf ich hinaus will. Viele Regelungen sind historisch bedingt, und nach dem Motto entstanden, mir als Mächtiger gefällt das nicht, also verbiete ich es. Solche Regelungen (die niemand ANDEREM schaden, s. o.) sollten bald abgeschafft werden – das wird aber sicher noch dauern.

          • pH!L sagt:

            Das konkrete Beispiel von oben ist eben nicht so einfach… In vielen christlichen und auch muslimischen Strömungen ist Missionierung sehr bedeutend. Außerdem gibt es viele gläubige Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass sie selber in die Hölle kommen, wenn sie nicht alles tun, um andere davor zu bewahren. Mit solchen Leuten Kompromisse zu schließen ist sehr, sehr schwierig und langwierig…

            Ich verstehe im Prinzip, worauf es dir ankommt… Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass du zu übereifrig an viele Dinge heran gehst. Und aus Übereifrigkeit sind zum Beispiel schon sehr viele doofe Gesetze entstanden … Respektive Pornofilter im Vereinigten Königreich…

            • Alien sagt:

              „Ich verstehe im Prinzip, worauf es dir ankommt… Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass du zu übereifrig an viele Dinge heran gehst. Und aus Übereifrigkeit sind zum Beispiel schon sehr viele doofe Gesetze entstanden … Respektive Pornofilter im Vereinigten Königreich…“

              Deshalb freue ich mich über deine ernsthaften Kontra-Kommentare. Es kommt leider nicht oft vor, dass jemand mit Argumenten diskutiert.

    • Alien sagt:

      PS: Willkommen zurück!

  3. Das Problem ist ja, dass Leute die abstrusesten Argumente finden warum etwas anderen schadet. Siehe Russland: Homosexualität & Kinderschutz.
    Am Ende müssen eben immer „die Kinder geschützt werden“ vor allerlei „verderblichen Einflüssen“. Wenn dir etwas nicht passt kannst du immer damit argumentieren, dass es ja einem Kind schaden könnte^^
    Ein Supermarkt verkauft ein Produkt das du doof findest? Die Kinder!!!
    Homosexuelle halten Händchen? Die Kinder!!
    Legalisierung von Cannabis? Denk doch mal einer an die Kinder!!^^

  4. […] wisst, auf welcher Grundlage ich etwas moralisch beurteile. Kurz: Wenn niemand geschädigt wird, ist eine Handlung als freie Entfaltung der Persönlichkeit […]

  5. […] Regelungslücke bliebe bestehen. Plötzlich dürften Menschen etwas tun, womit sie weder sich noch sonst jemanden schaden, OHNE dafür bestraft zu werden. Das kann man natürlich nicht […]

  6. […] Es würde nichts ändern. Weil die Verantwortlichen entweder keinen oder einen völlig verdrehten moralischen Kompass haben. Es ist wie die Diskussion mit fanatisch Religiösen: Man kommt nicht auf einen noch so […]

  7. […] Schlussfolgerungen, etwa ob Verbote legitim sind? Mit einem nicht-rationalem Anfangspunkt, mein moralischer Kompass. Kurz zusammengefasst: Ich behaupte, jeder Mensch darf tun und lassen was immer er gerade will, so […]

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