Bomben als einzige „Alternative“

Genau so ist es. Leider.

Emran Feroz's Blog

Die Intervention des Westens in Syrien ist fast schon beschlossene Sache. Wieder einmal sind viele der Meinung, dass es „keine Alternative“ gäbe. Dies ist beunruhigend, denn wer „militärisch nicht intervenieren“ mit „nichts tun“ gleichsetzt, hat weder aus der Vergangenheit gelernt, noch etwas verstanden. Anstatt dieser falschen Einstellung entgegenzutreten, wird sie jedoch gefördert. Vor allem die hiesigen Medien sehnen den Angriff auf Syrien regelrecht herbei.

Ursprünglichen Post anzeigen 660 weitere Wörter

Advertisements

Mein moralischer Kompass

Ich behaupte des öfteren ein Gesetz sei unmoralisch, ebenso manche Handlungen öffentlicher Persönlichkeiten. Andere entgegnen auf solche Aussagen, Moral sei subjektiv, jeder sehe etwas anderes als moralisch richtig oder moralisch falsch an.

Ich glaube nicht, dass es so viele verschiedene moralische Kompasse gibt. Ich denke, der wichtigste moralische Kompass ist folgende Aussage:

Jeder darf tun und lassen, was er will, so lange er damit niemand anderem schadet.

Gibt es wirklich so viele Menschen, die diesen Satz NICHT unterschreiben würden?

Betrachtet man Gesetze unter diesem Leitmotiv, sind viele Regelungen absolut unmoralisch. Ich könnte so viele Beispiele von Regelungen bringen, die die Freiheit einschränken, ohne, dass es dafür einen moralisch gerechtfertigten Grund gibt – und ich denke, ihr auch.

Aus diesen Überlegungen folgt: Ich muss nicht begründen, warum ein Verbot sinnlos ist, die Verbotsbefürworter sind in der Pflicht zu begründen, warum ein Verbot notwendig ist. Ein Verbot kann nur dann eventuell moralisch gerechtfertigt sein, wenn damit Schaden von anderen abgewendet wird. Von diesem Grundsatz ist in vielen Diskussionen nichts zu spüren. Viele „Argumente“ ignorieren dieses Grundprinzip einfach.

Mich würde jetzt wirklich mal brennend interessieren, ob ihr das anders seht und ob ihr vielleicht auch einen anderen moralischen Kompass habt.

Euer Alien

Bradley Manning

Was mir zum lächerlichen Schauprozess von Bradley Manning nur noch einfällt:

Angeklagter: [Ich habe] im Wesentlichen gedacht an die vielen Morde, im Inland und im Ausland…

Richter: MORDE?!? Sie sind ja ein schäbiger Lump!…

Wer Morde anprangert wird verurteilt. Wer Morde begeht, wird befördert.

Millitärlogik ist Bullshit. Militärrecht ist Unrecht.

Zwei Geiselnahmen

In Ingolstadt hat ein Stalker mehrere Menschen im alten Rathaus als Geisel genommen. Nach neun Stunden waren alle wieder frei. Der verletzte Geiselnehmer muss nun mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen.

In London wurde der unschuldige Lebensgefährte von Glenn Greenwald neun Stunden lang gegen seinen Willen festgehalten. Sein Handy, sein Laptop und mitgeführte Speichermedien wurden von den Entführern gestohlen. Die Geiselnehmer berufen sich auf Terror-Gesetze. Ihnen droht… Gar nichts.

Schluss mit dem Staatsterror, weg mit den Geheimdiensten.

Indische Kinder jubeln!

Gute Nachrichten für die hungernden Kinder in Indien:

Indien hat endlich einen eigenen Flugzeugträger zu Wasser gelassen. Endlich sind 3,8 Milliarden Euro richtig investiert für den größten Schwanzvergleich mit China, die nämlich noch keinen eigenen Flugzeugträger gebaut haben.

Was die hungernden Kinder davon haben? Nun sie können sich jetzt beim Militär bewerben – die haben jetzt ja genug Platz – und müssen dann nicht mehr verhungern oder an den Folgen des Hungers sterben. Es gibt auf so einem Flugzeugträger sicher auch genug Aufgaben für 3- bis 5-jährige, zum Beispiel schwer zugängliche Stellen putzen oder ähnliches.

So rettet man nicht nur 1,7 Millionen Kinder jährlich vor dem Hungertod, sondern hat nebenbei noch das größte Militär weltweit – mit so viel Kanonenfutter, dass die „westlichen“ Kanonen sicher nie mehr Hunger leiden müssen.

Wie man sieht, wird die deutsche Entwicklungshilfe für Indien sehr gut verwendet.

So viel geballte menschliche Dummheit kann man nur mit schlechten Witzen ertragen:

Warum wirft ein Deutscher Steine in den Hamburger Hafen? Da steht ein Schild: ‚Deutsche Werft‘!

Euer Alien

PS: Und wisst ihr, warum der Flugzeugträger bald zusammenbrechen wird? Der Klügere gibt nach!

Buchtipp

Vor kurzem habe ich „Das Geständnis“ von John Grisham gelesen. Es zeigt äußerst spannend die Abläufe hinter den Kulissen der Mordmaschinerie namens Texas. Es endet leider recht realistisch, aber das ist scheinbar typisch für Grisham (ich habe erst zwei Bücher von ihm gelesen, daher könnte meine Einschätzung falsch sein).

Hat man einmal angefangen, kann man das Buch kaum noch weg legen. Zu Beginn beichtet ein mehrfach verurteilter Sexualstraftäter einem örtlichen Pfarrer einen Mord, für den ein anderer in vier Tagen hingerichtet werden soll. Ein spannender Wettlauf gegen die gut geölte Hinrichtungsmaschine Texas beginnt. Hoffnungen werden geweckt und zerstört und geweckt und zerstört und geweckt und zerstört, so dass man am Ende schweißgebadet das Buch weglegt und sich denkt:

Welch barbarische Rituale es in einer vermeintlich zivilisierten Gesellschaft gibt! Erschreckend.

Dieses Buch erzählt zwar eine fiktive Geschichte. Leider passiert so etwas auch in der Realität. Dass Unschuldige hingerichtet werden, ist eine zwingend logische Konsequenz aus der Existenz der Todesstrafe. Wikipedia nennt zwei, die posthum begnadigt wurden. Amnesty International ergänzt:

Seit 1973 wurden in den USA 142 zum Tod verurteilte Gefangene aus der Todeszelle entlassen, nachdem ihre Unschuld anerkannt worden ist. Die meisten von ihnen verbrachten viele Jahre im Todestrakt, einige standen nur wenige Stunden vor ihrer drohenden Hinrichtung. Andere Gefangene wurden hingerichtet, obwohl starke Zweifel an ihrer Schuld bestanden.

Aktuell bestehen zum Beispiel beim Fall Lancelot Armstrong starke Zweifel an den Vorwürfen, dennoch sitzt er seit über 20 Jahren in der Todeszelle.

Wer sich gegen Hinrichtungen engagieren will, kann sich beispielsweise an den Urgent Actions von Amnesty International beteiligen. Viele dieser Aktionen sind erfolgreich.

Machts gut!

Euer Alien

Das vierte Reich

Oft, wenn ein Vergleich mit dem Dritten Reich gezogen wird, heißt es: Ach Quatsch, damals war alles viel schlimmer, der millionenfache technische Judenmord, die Endlösung etc. etc. etc.

Dem ist sicher in den meisten Fällen so. Nur warum sind Vergleiche mit dem dunkelsten Zeitalter unserer Geschichte deshalb falsch? Ich finde sie sogar enorm wichtig, schon bei „Kleinigkeiten“ daran zu denken, ob sie Ähnlichkeiten mit dem Dritten Reich beinhalten, die als kleiner erster Schritt in das vierte Reich fungieren könnten.

Wenn wir alle Vergleiche mit dem Dritten Reich als übertrieben ablehnen, verkennen wir die Dynamik, die dazu geführt hat. Es gab nicht plötzlich 1933 den Nationalsozialismus und den Judenhass. Das alles hat sich über lange Zeiträume aufgeschaukelt, bis es zum totalen Zusammenbruch geführt hat.

Wichtig ist also, uns genau zu überlegen, was die moralischen Verwerfungen waren, die über lange Zeit zu einem Desaster ungeahnten Ausmaßes führten. Es wäre zu kurz gegriffen, die damaligen Auslöser (Wirtschaftskrise, Arbeitsplatzversprechen etc.) als Ursachen anzuführen. Diese liegen viel tiefer in der menschlichen Psyche und in grundlegenden falschen Moralvorstellungen.

Die grundsätzlich falschen Moralvorstellungen, die das Dritte Reich ermöglicht hatten, und die in diesem vorherrschten waren:

  • Die Relativierung des Lebens. Das Leben galt nicht als absolut geschütztes Gut, das weder eine Einzelperson noch ein Staat jemals nehmen darf.
  • Die Selektion von Menschen aufgrund der Herkunft.
  • Die verkündete und tatsächliche Verneinung des Rechts auf individuelle freie Entfaltung.
  • Die Militarisierung der Gesellschaft.

Alle staatlichen Handlungen, die diese Fehler wiederholen, müssen angeprangert werden, da sie wieder in Richtung moralischen (und auch materiellen) Untergang führen können. Leider gibt es davon sehr viele.

Die absolute Achtung des Lebens ist in keinem mir bekannten Staat vorhanden (wenn ihr einen kennt, die Kommentarspalte ist lang). Viele Unrechtsregime verhängen die Todesstrafe und ermorden somit ungezählte Menschen. Auch Unrechtsstaaten, die sich Rechtsstaaten nennen, verhängen und vollstrecken die Todesstrafe (z. B. USA) und ermorden damit nicht nur Mörder, sondern auch „Verräter“ (Manning drohte anfangs noch die Todesstrafe), und nicht zuletzt völlig Unschuldige – wie den seit über 20 Jahren in der Todeszelle sitzenden Lancelot Armstrong.

Selbst die Staaten, die auf die Todesstrafe verzichten, tun das nur im zivilen Bereich. Deutschland zum Beispiel (in Hessen steht die Todesstrafe sogar noch in der Landesverfassung) schickt unter Führung der NATO Soldaten in ein fremdes Land, welches weder Deutschland noch irgend einen anderen NATO-Staat angegriffen hat. Dort werden jeden Tag Menschen ermordet. Von Taliban und NATO-Soldaten. Das Kundus-Massaker hat nicht mal die Beförderung des niemals angeklagten Kriegsverbrechers Klein verhindert. Unsere Justiz findet den Mord an Menschen also nur unter bestimmten Bedingungen verfolgungswürdig.

Diese Missachtung des Rechts auf Leben setzt sich auch beim nächsten Punkt, der Selektion nach Herkunft, fort. In Österreich wurden so eben acht pakistanische Flüchtlinge in ihre Heimat deportiert. Ich verwende absichtlich dieses Wort, da es auch für die Deportationen der Juden in die Vernichtungslager benutzt wurde. Auf der Seite des Außenministeriums gibt es eine eindringliche Warnung davor, nach Pakistan zu reisen, da die Sicherheitslage dort katastrophal sei. Sprich, man muss damit rechnen, ermordet zu werden. Dennoch bringt Österreich mit Gewalt Menschen dort hin. Die Parallele zu einer Deportation in ein Vernichtungslager ist damit offenkundig.

Außerdem ist es in jedem mir bekannten Staat dieser Erde völlig legal, Menschen nach ihrer Herkunft zu diskriminieren. Selbst in Deutschland, wo es den Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz gibt, der da lautet:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

werden dennoch Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden, völlig anders behandelt. Sie haben nicht die gleichen Rechte. Sie unterliegen teilweise der Residenzpflicht, dürfen nicht essen, was sie wollen, und können jederzeit gewaltsam in ein Land deportiert werden, in dass sie nicht wollen, bzw. wo sie sogar bedroht, verfolgt oder schlimmsten Falls ermordet werden. Anstatt jedem Menschen, der hier leben will, die gleichen Rechte und Pflichten zu geben, bilden sich die meisten Leute in Deutschland ein, sie hätten das Recht, über das Leben dieser Menschen zu bestimmen. Das haben sie nicht. Die Herkunft und Heimat einer Person rechtfertigt keine Gewaltanwendung. Lediglich ein Verbrechen kann verhältnismäßige Gewalt legitimieren, aber nicht die unveränderbaren Eigenheiten einer Person. Niemand konnte sich aussuchen, wo er geboren wurde, also darf auch niemand deshalb benachteiligt werden.

Die freie Entfaltung des Individuums hat Vorrang vor den „Interessen“ der Volksgemeinschaft bzw. des Staates. Wenn ein Staat merkt, dass in einem bestimmten Bereich Leute fehlen (Polizisten, Lehrer, was weiß ich), macht er dafür Werbung und bezahlt sie anständig, dann kommen auch genug. Es bedarf keines Zwangs wie bei Wehrpflicht oder ähnlichen Zwangsdiensten. Ein Staat, der auf totalen Krieg aus ist, benötigt natürlich die totale Kontrolle über seine Bürger. Daher ist die Ausweitung der Kontrolle ein Warnsignal, dass jetzt gerade wieder dunkelrot leuchtet.

Zum Militär: Je salonfähiger das Militär in der Gesellschaft wird, desto eher wird daran gedacht es auch mal einzusetzen (siehe Jugoslawien, Afghanistan, etc.). Angeblich immer als letztes Mittel, aber das war es noch nie. Es gab seit 1945 keinen einzigen Krieg, der nicht hätte vermieden werden können. Und auch vor 1945 hat das Militär mehr Schaden gebracht (auch das Militär der Alliierten – man bedenke die Flächenbombardements auf tausende unschuldige Zivilisten), als es „genutzt“ hätte. Erst wenn das Militär nicht mehr als Mittel der Politik angesehen wird, und wir strukturell unfähig zur Kriegsführung sind, wird ernsthaft über friedliche Lösungen nachgedacht. Die wichtigen nächsten Schritte lauten also Abrüstung und Waffenexport- und -produktionsverbot. Da genau das Gegenteil passiert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Welt das nächste mal in Flammen steht.

„Wehret den Anfängen“ ist keine hohle Phrase, sondern eine Warnung, nicht erst Vergleiche mit der Geschichte zu ziehen, wenn es wieder genauso weit ist, sondern so früh wie möglich.

Euer Alien