Asylgedanken

Ein Kommentar zu einem Artikel über den Hunger- und Durststreik einiger Flüchtlinge in München beschwert sich:

Was für eine menschenverachtende Aktion! Niemand hat das Recht mit dem Tod zu spielen!
Mitmenschen mit dem eigenen Tod erpressen zu wollen, um damit eine eigenen Ziele zu erzwingen, ist unmoralisch ohne jede Entschuldigung!

Niemand von diesen Asylanten kann allen Ernstes behaupten, dass es hier trotz warten, fehlender Arbeitserlaubnis usw. nicht zehnmal besser geht wie dort wovon sie geflüchtet sind! Und die Unterstützer machen sich zu Handlangern des Unmenschen!

In diesem Kommentar findet sich so ziemlich jede gequirlte Scheiße wieder, die Menschenfeinde so von sich geben:

1. Flüchtlinge erzählen doch immer, wie schlecht es ihnen in der Heimat gegangen ist, also können wir gar nicht so verachtenswerte Schikanen erfinden, dass es ihnen bei uns nicht besser geht.

Fehlende Empathie ist schon praktisch. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, wie es jemanden geht, wenn es ihm im Verhältnis zu vorher besser geht. Er wird nicht mehr durch den Tod bedroht? Na dann kann er ja eingesperrt und in „Massentierhaltung“ „verpflegt“ werden, und er wird uns sicher dankbar sein.

Eine Frage hätte ich dann doch noch an diese verfluchten Egoisten: Stellt euch vor, ihr müsstet aus Deutschland fliehen, weil es nicht mehr genug zu Essen gibt. Ihr hört, dass in Indien Milch und Honig fließt und macht euch auf den gefährlichen Weg. Ihr habt nichts zu verlieren, außer euer Leben. Ihr habt aber die Hoffnung zu überleben. In Indien angekommen wollt ihr euch ein neues Leben aufbauen: Eine Arbeit aufnehmen, eine Wohnung mieten, Freunde finden, euch selbst versorgen können. Ihr beantragt also Asyl, um bleiben zu dürfen. Nun werdet ihr mit drei Afghanen, zwei Nigerianern und zwei Chinesen in ein Sechsbettzimmer gesteckt, in dem noch ein Behelfsstockbett aufgebaut wurde. Ihr könnt euch zwar nicht mit euren Zimmergenossen verständigen, aber immerhin habt ihr ein Dach über den Kopf und bekommt etwas zu essen. Die Curry-Speisen schlagen euch zwar auf den Magen, aber hey, ihr habt überlebt. Ihr könnt euch ja im Supermarkt um die Ecke etwas kaufen, wenn ihr Geld habt. Das bekommt ihr, da ihr nicht arbeiten dürft, so lange nicht über euren Asylantrag entschieden wurde, am besten durch illegalen Drogenhandel oder wenn ihr weiblich seid, durch illegale Prostitution. Wollt ihr das nicht, bleibt nur Abwarten. Ihr wartet einen Tag und noch einen. Eine quälend lange Woche geht zu Ende. Da ihr 24 Stunden am Tag nichts zu tun habt, lungert ihr auf dem Gelände herum. Ihr wartet und wartet. Die nächste Woche endet. Die nächste. Bald ist der erste Monat vergangen. Eure Hoffnungen schwinden langsam, jemals ein normales Leben führen zu können. Nach weiteren fünf quälenden Monaten werdet ihr in ein anderes Lager gebracht. Dort ist das Leben der pure Luxus. Ihr habt nur noch fünf Zimmergenossen aus fünf verschiedenen Ländern mit fünf verschiedenen Sprachen und ihr müsst euch die Duschen nur noch mit 20 Fremden teilen. Nach weiteren 18 Monaten wird euer Asylantrag abgelehnt. Ihr erinnert euch gar nicht mehr, wie es ist, in einer Wohnung zu leben, eine Arbeit zu haben, mit Freunden wegzugehen. Ihr sollt das Land verlassen, in das ihr all eure Hoffnungen gesetzt habt. Einige Einheimische haben euch schon als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Ihr wurdet ja gar nicht verfolgt, ihr hattet ja nur Hunger. Was für ein schäbiger Fluchtgrund. Sozialschmarotzer, Scheinasylanten und weitere schöne Wörter wurden euch an den Kopf geworfen. Ist das wirklich das Land, von dem euch alle erzählt haben, dass es hier allen gut geht? Eine hochentwickelte IT-Technik. Raumfahrt. Reichtum. Ihr beginnt zu zweifeln. Ihr wisst aber nicht wohin. Ihr legt Rechtsmittel gegen die Asyl-Ablehnung ein. Ihr wartet wieder. Und wartet. Ihr wartet. Wartet. Wartet. Nach weiteren 18 Monaten sind alle Rechtsmittel ausgeschöpft. Ihr müsst ausreisen. Da in Deutschland aber gerade ein Bürgerkrieg tobt, duldet Indien eure weitere Anwesenheit. Natürlich dürft ihr weiter nicht arbeiten, alleine wohnen, oder entscheiden was ihr gerne essen würdet.

Aber ihr seid dankbar, oder? Ihr seid dankbar, dass es euch besser geht als in Deutschland. Nie kämt ihr auf die Idee, für selbstverständliche Menschenrechte zu demonstrieren, nämlich dass euch niemand verbieten kann zu arbeiten, Geld zu verdienen, selbstständig darüber zu entscheiden, was ihr gerne essen wollt. Niemals. Oder?

2. Hungerstreik ist Erpressung. Es ist eine menschenverachtende Methode gegen die rechtsstaatliche Demokratie vorzugehen.

Interessant. Noch nie habe ich eine Kritik am Hungerstreik der Guantanamo-Insassen gelesen. Was hier statt findet ist eine Täter-Opfer-Umkehr. Der Hilflose, der sich nicht mehr anders zu helfen weiß, in einem Staat, in dem ihm elementare Menschenrechte vorenthalten werden, wird zum Erpresser deklariert. Zum Verbrecher quasi, der die (in Wahrheit nicht vorhandene) Gastfreundschaft „ausnutzt“.

Nicht der Staat, dem alle Mittel Recht sind, um Flüchtlinge rauszuekeln ist der Erpresser. Nein, die Flüchtlinge, die wie Menschen behandelt werden wollen, sind es.

Was die Rechtsstaatlichkeit angeht: Die Nürnberger Judengesetze wurden von einer demokratisch gewählten Regierung im formal korrekten Gesetzgebungsprozess beschlossen. Gesetze können leider auch heute noch menschenverachtend sein. Es muss möglich sein, sich gegen falsche Gesetze zu wehren.

3. Ein „Argument“, das in dem Kommentar fehlt, aber auch immer wieder gebracht wird, ist der Geldmangel:

Dieses „Argument“ ist entweder durch Unkenntnis oder übelsten Zynismus begründet. Jemanden das Arbeiten zu verbieten und dann vorzuwerfen, dass dieser jemand der Allgemeinheit auf der Tasche liegt, ist an Bösartigkeit kaum zu überbieten. Ganz davon abgesehen, dass die unzähligen Flüchtlingsabwehrmechanismen jede Menge Geld verschlucken.

A propos Asyl: Edward Snowden sollte von Deutschland Asyl angeboten bekommen. Das wird zwar nie passieren, weil unsere vasallentreue Obama-Arschkriecherin Merkel ja sonst die US-Verbrecher-Regierung verärgern könnte, aber richtig wäre es.

Euer Alien

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2 Kommentare zu “Asylgedanken

  1. Das „Like“ ist dafür, daß du die Gedanken, die auch mich bewegten, als ich diesen Kommentar las, sehr gut in Worte gefasst hast…

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