Der Anarcho-Kapitalismus und die Logik des Eigentumsrechts

Ich habe auf diesem Blog schon mal die Seite freiwillig frei vorgestellt, die von anarchistischen Kapitalisten betrieben wird. Selbst nennen sie sich meist Voluntaristen. Sie lehnen jede Form von Regierung, egal ob diktatorisch oder demokratisch, als illegitim ab. Jeder Mensch muss komplett selbst entscheiden dürfen, was er tut. Selbstbestimmung lautet das Motto. In folgendem Video wird versucht die voluntaristischen Moralvorstellungen mit Logik herzuleiten:

Der wichtigste Kritikpunkt meinerseits ist die vermeintlich logische Herleitung des Rechts auf Eigentum.

Im Video wird das Recht auf Eigentum wie folgt begründet: Eine moralische Handlungsanweisung, die die Selbstbestimmung ablehnt ist widersprüchlich. Jede Moraltheorie muss also Fremdbestimmung ablehnen. Soweit bin ich einverstanden (zumindest wenn wir uns die Sache erst Mal einfach machen, und nur über mündige Erwachsene reden). Aus dieser universellen Bevorzugbarkeit von Selbstbestimmung wird das Nicht-Aggressions-Prinzip hergeleitet: Handlungen gegen die Selbstbestimmung anderer ist moralisch nicht vertretbar. Immer noch einverstanden. Recht wird definiert als „Ein allgemeingültiger Anspruch, dessen Zurückweisung nur selbstwidersprüchlich begründet werden kann.“ Jetzt kommt jedoch der Clou, dazu zitiere ich aus dem Video:

Das in der Philosophie viel diskutierte Eigentumsrecht sagt nichts weiter aus, als das Recht auf selbstbestimmtes Handeln, welches ich ja bereits bewiesen habe.

Hier ist ein logischer Sprung drin. Es gibt keinen logischen Bezug zwischen selbstbestimmten Handeln und Eigentum. Wenn Menschen selbst entscheiden dürfen, was sie tun oder lassen wollen, ist das eine Sache. Die Selbstbestimmung anderer einzuschränken ist tabu. Durch Eigentum kann ich die Selbstbestimmung anderer aber enorm einschränken.

Das Hauptproblem bei Eigentum ist der Ersterwerb von Dingen.

Was ist mit unentdeckten Inseln, oder gar mit Grundstücken auf dem Mond, oder auf einem fernen Planeten? Wie erwirbt jemand Recht auf Eigentum an Objekten, die niemandem gehören? Sagt er einfach: Das ist jetzt meines? Und zu wem sagt er das? Muss er ein Grundstück einzäunen, damit es ihm gehört? Wenn er das tut, gehört ihm dann nur die Oberfläche, oder auch die Erde darunter? Wie viel von der Erde darunter gehört ihm? Bis zum Erdmittelpunkt? Oder gar darüber hinaus?

Der Ersterwerb von Eigentum, das bislang niemandes Eigentum war, stellt unter Umständen sogar einen Verstoß gegen das Nicht-Aggressions-Prinzip dar. Wenn jemand allein auf einer Insel ist, kann er sie ruhig sein Eigentum nennen ohne moralisch falsch zu handeln. Aber was ist, wenn zwei Leute dort sind? Nehmen wir an, die zwei Passagiere eines Schiffes – nennen wir sie Ali und Baba – sind die einzigen Überlebenden einer Katastrophe und stranden auf einer menschenleeren Insel. Ali sagt als erstes: „Die gesamte Insel ist ab jetzt mein Eigentum.“ Müsste Baba das nun akzeptieren, wenn er moralisch richtig handeln wollte? Durch diesen Akt des Eigentumserwerbs ist aber von einer Sekunde auf die andere die Selbstbestimmung Babas erheblich eingeschränkt. Ali könnte nämlich Baba von seinem Eigentum vertreiben, was den sicheren Tod Babas bedeuten würde. Oder er wäre netter und ließe ihn zur „Miete“ auf der Insel leben. Die Miete kann Baba zum Beispiel durch Dienstleistungen für Ali aufbringen. Da Baba ebensowenig wie Ali von der Insel runter kann, hat sich Ali durch diesen einen Satz „Die gesamte Insel ist ab jetzt mein Eigentum.“ einen lebenslangen Sklaven geschaffen.

Selbst wenn wir das Beispiel entschärfen und sagen, Ali findet als Erster die einzige Trinkwasserquelle, umzäunt sie und lässt Baba nur gegen Dienstleistungen von der Quelle trinken, obwohl diese locker genug Wasser für beide bietet. Er handelt damit gegen die Selbstbestimmung Babas auch von der Quelle trinken zu wollen.

Zurück zur Theorie: Wenn ich tun darf, was ich will (Selbstbestimmung), aber nichts, was einem anderen schadet (Nicht-Aggressions-Prinzip), dann ist das Recht auf Eigentum in sich widersprüchlich – und demnach als Teil einer moralischen Theorie abzulehnen. Denn durch die Möglichkeit, Eigentum an etwas zu erwerben, was andere Leute zum Leben benötigen, schade ich anderen. Das Eigentumsrecht bietet die Möglichkeit, vermeintlich moralisch korrekt andere Menschen umzubringen, durch Vorenthalten notwendiger (im natürlichen Zustand frei verfügbarer) Güter.

Als Ausblick stellt sich die Frage, ob man moralisch korrekt Eigentum an Luft erhalten könnte? Wenn einem Menschen oder einer Firma die ganze Atemluft der Erde gehören würde, könnte diese Firma durch Entzug der Nutzungserlaubnis beliebig Menschen töten (bzw. nach obiger Logik: sterben lassen).

Wie viel Freiheit bleibt durch das Konzept des Eigentums denn noch übrig?

Mein Fazit: Eigentum kann als pragmatische Regelung funktionieren, wer über welche Güter verfügen darf. Eigentum als Teil einer moralischen Theorie ist widersprüchlich und daher sinnlos. Oder wie seht ihr das?

Ich freue mich auf eine sachliche Diskussion.

Euer Alien

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22 Kommentare zu “Der Anarcho-Kapitalismus und die Logik des Eigentumsrechts

  1. Violet Teki sagt:

    Ein großes Problem beim Eigentum liegt im Eigentum von Grund und Boden. Hier gibt es Vorschläge, dies eher auf einer Basis eines langfristigen Nutzungsrechtes zu vergeben.
    Am Ende der Laufzeit entscheidet die Gemeinde über die weitere Nutzung.
    Bei der derzeitigen Situation ist, wie man ja oft sieht, besteht leider das Problem einer Ghettoisierung. Immer mehr Wohngebäude werden errichtet, obwohl an der Stelle etwa ein Park, eine Grünfläche für alle besser wäre. Das geht aber nicht, weil die Gemeinde wohl kaum das Geld aufbringt, das Grundstück zu den Marktpreisen, die nur auf Rendite ausgerichtet sind, zurückzukaufen.
    Ich rede damit sicher keiner kommunistischen Enteigung das Wort, aber leider funktioniert manchmal die Allokation über den Preis nicht.
    Den Ansatz Grund und Boden als eine eine Bau- und Nutzungsrecht zu vergeben, finde ich nicht schlecht. Wo und wie hier aber Grenzen zu ziehen und das alles im Detail zu regeln ist, wäre aber sicher eine gewaltige Aufgabe.

    • Alien sagt:

      Es stimmt, Eigentum auf Grund und Boden ist eines der größten praktischen Probleme des Eigentumsrechts. Wenn in manch afrikanischen Ländern 70 % und mehr des Bodens in den Händen internationaler Konzerne sind, und der Wohlstand, der durch diese Felder erzeugt wird, von diesen Konzernen fast nur außer Landes gebracht wird, ist es kein Wunder, dass die Armut nicht abnimmt. Die absolute Armut, nicht „nur“ die relative.

      Gerade aktuell ist aber auch das Eigentum auf Wasser. Das wird sicher noch spannende Verhandlungen und Gerichtsverfahren geben.

  2. Einen anarchistischen Kapitalismus haben wir doch ohnehin schon…

  3. EuroTanic sagt:

    Wo haben wir denn heute Kapitalismus (was Freiheit beinhalten würde). Wir haben heute einen als „markroientiert und demokratisch angemalten Realkommunismus“.

    • Alien sagt:

      Realkommunismus? Schöne Wortneuschöpfung, die aber so gar nichts mit der Realität zu tun hat.

      Das Kapitalismus Freiheit beinhaltet zweifle ich ja eben an. Es besteht schon eine gewisse Handlungsfreiheit, die aber durch das Eigentumsrecht ad absurdum geführt wird.

  4. G.Ertl sagt:

    In einer kranken Kultur mit größtenteils zwangsläufig kranken Menschen ist Eigentum ein Byprodukt.Ohne die Simulation von Eigentum (letztendlich kann eines Jeden Eigentum beispielsweise durch staatliche Anordnung mit entsprechenden Gesetzesänderungen oder durch Krieg enteignet werden) wäre im seit Jahrtausenden herrschenden Selbst&Andere-Ausbeutungssystem kaum Bereitschaft zur Teilnahme zu finden.So aber hat die Mehrheit die Hoffnung,durch Hamsterradlauf Eigentum zu schaffen bzw. zu erhalten/vermehren und findet Eigentum sinnvoll.

    Ein in einer gesunden Kultur lebender Mensch hat Respekt vor seinen Mitmenschen und wird ebenso respektiert.Das eigene Wohl ist so wichtig wie das Wohl des Mitmenschen-das sehr idealistisch klingende Motto als Basis von Miteinander statt Gegeneinander/Aneinandervorbei sollte das Ziel sein.Zugegeben,wir sind weit davon entfernt,auch wenn in Vielen eine mehr oder weniger verdrängte Sehnsucht nach einem Dasein unter solchen Umständen zu finden ist und guter Wille vorhanden ist.

    • Alien sagt:

      „die Simulation von Eigentum“

      Schön ausgedrückt, was ich meine: Es gibt keine logische Herleitung des Rechts auf Eigentum über die Selbstbestimmung eines Menschen.

      „auch wenn in Vielen eine mehr oder weniger verdrängte Sehnsucht nach einem Dasein unter solchen Umständen zu finden ist und guter Wille vorhanden ist“

      Das ist es, was Mut macht.

  5. erikschueler sagt:

    Das Thema ist hochphilosophisch, aber nicht nicht zu verstehen.

    Zu Moral und Ethik. Moral ist der Konsens der von einer Gesellschaft akzeptierten Werte und Normen. Werte sind: Pünktlichkeit, Freundlichkeit etc. Normen sind Verhaltensweisen: du sollst nicht stehlen, töten etc. Moral ist das Zusammenspiel von Werten und Normen. Eine Gesellschaft ist ein größtenteils freiwilliger Zusammenschluss von Menschen durch die gemeinsame Moral und Kultur. Kultur ist eine gesellschaftliche Leistung, das heißt die Schnittmenge der Menschen mit ihrer Moral bringt IMMER Kultur hervor. Kurze Anmerkung: Es gibt eigentlich keinen kulturellen Verfall, denn Kultur verändert sich durch die Gesellschaft und ihren Wandel von Moral. Es sei denn man löscht eine andere Gesellschaft komplett aus. Versch. Kulturen bedeuten versch. Menschen mit versch. Moral. Je krasser der Unterschied zwischen Moralvorstellungen der Menschen, desto unwahrscheinlicher ist eine kulturelle und empathische Annäherung. Durch das Herausarbeiten von einer Schnittmenge kann jedoch eine kulturelle Verschmelzung gelingen und die Gesellschaft wächst. An einem Punkt X ist aber die Gesellschaft so groß, dass Anonymität eintrifft, das heißt Vertrauen in Dritte sinkt, weil man sie nicht kennt bzw. gar nicht kennen kann und nicht alle kennenlernen kann. Je größer die Gesellschaft, desto schwieriger der Zusammenhalt. Die Stärke von Kultur und Moral bildet immer eine Instanz aus, das was wir heute als „Staat“ kennen oder Gemeinde, Dorf etc. Der Staat ist also demzufolge IMMER eine sozial- kulturelle sowie moralische Ausformung der Gesellschaft.

    Fazit: Es wird immer so etwas wie einen Staat geben und Moral ist nicht abzuschaffen, denn dann müssten wir aufhören Gesellschaftswesen zu sein.

    Bei der Sache mit Eigentum gebe ich dir Recht.

    • Alien sagt:

      Dass es immer so etwas wie einen Staat geben wird, ist wahrscheinlich. Ich bin sogar der Meinung, so etwas ähnliches wie einen Staat sollte es geben, damit Schwächere NICHT auf Almosen und die Güte Stärkerer angewiesen sind, sondern auch ein Recht auf ein so weit möglich SELBSTBESTIMMTES Leben bekommen.
      Solch ein Staat müsste vermutlich eine konstitutionelle Demokratie sein (also das, was Deutschland in der Theorie ist), deren grundlegende liberale Verfassungsprinzipien nicht zur Disposition gestellt werden dürften – auch nicht durch demokratische Abstimmungen.
      Es kann nicht sein, dass eine Mehrheit über ausschließliche Belange einer Minderheit bestimmt.
      Ein idealer Staat müsste sich also so weit wie möglich aus dem Leben seiner Bürger heraushalten und nur wo nötig Unterstützung anbieten.
      Ob es so eine eierlegende Wollmilchsau jemals geben wird? Maybe.

      • erikschueler sagt:

        Zum Wirtschaftsliberalismus: Zitat von Wikipedia über Diderot: „…der ökonomische Liberalismus untrennbar mit der Idee des politischen Liberalismus verbunden. Für Abbé Galiani und Denis Diderot hingegen gingen diese Überlegungen an der Realität vorbei, so würde sich solch eine einstellende „natürliche Ordnung im Wirtschaftssystem“ zu einem Staat von Besitzenden entwickeln, in welcher sich die singulären Interessen Einzelner oder Gruppen gegenüber dem Anliegen der Allgemeinheit und der Bevölkerung durchsetzten müsste.“ Der Neoliberalismus wird eine wirtschaftliche Diktatur herbeibringen, die so tut als sei sie demokratisch, aber die Vertreter des Volkes sind geschmiert von der Wirtschaft um nichts zu machen was ihren Gewinn schmälern könnte. Siehe DE

        • Alien sagt:

          Deinen letzten Satz benutzen die Anarchisten als Argument gegen eine Regierung, nicht gegen den Liberalismus.
          Wenn man natürlich der Meinung ist, es bedarf eines Staates (oder ähnliches) ist es schwer einen radikalen Liberalismus zu unterstützen, weil man ja sieht, wohin es führt.

  6. Das Recht auf Eigentum wird uns alle vernichten.

    Eigentum ist nicht beliebig vermehrbar.

    Fast die ganze Welt gehört aber inzwischen ein paar Bankerclans.

    Das haben sie mit ihrem Geldmonopol erreicht und der Tatsache, dass wir dieses Recht akzeptieren.

    Gehört Eigentum nicht allen sondern nur wenigen und nur dieses Eigentum dient darüberhinaus auch noch als Sicherheit für die Geldentstehung, ist der Weg in die totale Slaverei vorgezeichnet.

    Statt für Eigentum sollte Geld für menschliche Leistung erzeugt werden, dann hätte jeder eine Chance.

    Die die Welt beherrschenden Familienclans wären nur im ersten Moment mittellos, allerdings entmachtet – aus diesem Grund werden wir so ein System nie haben, weil diese Leute kriminelle Psychopathen sind, die Macht brauchen wie die Luft zum Atmen.

    In einem System, in dem Geld für nur noch für menschliche Leistung ENTSTEHT, könnte ein Leben wie im Paradies herrschen.

    Das wird allerdings mit aller Macht zugunsten der Allmachtgelüste von ein paar verhindert.

    Mit dem Eigentum steht und fällt die Menschheit, das Leben und die Freiheit sowieso.

    Die Voluntaristen liegen verkehrt, freiwillig frei sein kann man in einem eigentums- und zinsbasierten System nur, wenn der andere das auch so sieht. Und das ist genau der Knackpunkt.

    In einer eigentumslosen Gesellschaft mit GeldENSTEHUNG nur für menschliche Leistung, könnte man sich auf dem Niveau bewegen und sich einbringen, das man anstrebt.

    Wer seine Zeit nicht damit verbringen will, Gold zu fördern, lässt es und schließt sich anderen an.

    Wichtig ist, dass der gemeinsame Fortschritt im Vordergrund steht und nicht der Besitz, der dafür sorgt, dass jemand nichts tun muss und sogar andere unterdrücken kann und trotzdem fett wie eine Made werden kann.

    Das Ziel muss eine Gesellschaft weltweit sein, die GeldENSTEHUNG nur für menschliche Leistung als oberstes Gebot der Menschheit festschreibt.

    Es wäre noch nicht einmal notwendig, das Hintertreiben dieses Gebots unter Strafe zu stellen, denn wer das Paradies versucht zu beseitigen, kann nur geisteskrank sein – so wie unsere jetzige Elite und ihre ganzen kranken Handlanger in Politik, Medien….

    • Alien sagt:

      „Das Ziel muss eine Gesellschaft weltweit sein, die GeldENSTEHUNG nur für menschliche Leistung als oberstes Gebot der Menschheit festschreibt.“

      Könntest du das genauer erläutern? Es klingt schon sehr interessant, ich verstehe nur überhaupt nicht, wie sowas ablaufen könnte, vor allem im Vergleich zu jetzt. Welche Institution würde sich wie verändern? Gäbe es dann noch Zentralbanken, die nach anderen Kriterien die Geldmenge erhöhen als bisher, oder wie genau kann ich mir so etwas vorstellen?

      • Zuallererst ist es erforderlich, dass in so einer Gesellschaft jeder versteht, dass physisches Eigentum begrenzt ist und deshalb als das Instrument der Herrschaft und Bedrohung schlechthin von zentraler Bedeutung ist für psychopatische Kriminelle sein können.

        Wenn man das verstanden hat, ist der Prozess, wie Geld genau ins System kommt, eigentlich sekundär. Ich persönlich könnte mir durchaus ein System wie Bitcoin, das ich allerdings im jetzigen System entschieden ablehne, vorstellen, um Geld zu verwalten und Transaktionen abzuwickeln. Für welche Leistung welche Instanz wieviel Geld ins System pumpt wäre eine Frage, die man im Detail klären müsste.

        Ich bin sogar der Meinung, dass Geld in dieser Gesellschaft komplett überflüssig sein könnte, aber das sehen andere – z. B. politikprofiler.blogspot.com, die Urheberin der Leistungs-Gedecktes-Geld-Theorie – durchaus ein wenig anders.

        Man muss sich klarmachen, dass in einer solchen Gesellschaft das Wohlergehen der Menschen und des Lebens an sich höchste Priorität hat.

        Warum sollte man in so einer idealen Gesellschaft noch zusätzlich Geld haben wollen? Das wäre so, als hätte ich den Tisch überfüllt mit den leckersten Früchten der Welt, müsste aber trotzdem noch mehr haben. Wofür? Ich habe alles, was will ich noch mehr? Das würde ich gerne verstehen.

        • Alien sagt:

          Eine Gesellschaft ohne Geld könnte spannend sein. Es hängt wahrscheinlich „nur“ von der Einstellung der Mehrheit ab, wie das funktionieren würde.

  7. M.E. sagt:

    Ich finde die Einstellung der rechtslibertären Denker (so heißen Anarchisten wie diese hier bzw.so werden deren Vordenker genannt) sehr problematisch. Auch wenn es bei linkslibertären auch Widersprüche gibt (wer soll die gerechte Verteilung von Ressoucen organisieren, wenn es keinen Staat und nichts Ähnliches geben soll?), sind die Widersprüche bei „kapitalistischen“ Anarchisten noch viel größer. Große Ungleichheit schafft Macht und Herrschaft. Jemand, der keine Mittel besitzt und darauf angewiesen ist, anderen zu gefallen, damit sie ihm was abgeben, ist nicht frei. Das ist dann im Endeffekt keine Anarchie mehr. Anarchie soll doch Herrschaft ablehnen, und Herrschaft des Geldes ist immer noch Herrschaft.
    Die Position der Voluntaristen ist etwa zugespitzt, aber überhaupt nicht neu.Schlimmer noch, ihre Vorstellungen und unsere Rechtssysteme haben z.T. dieselben Ideengeber. Ich hatte das Thema vor kurzem in der Uni und wurde auf diese Seite hingewiesen, da gibts einen guten Vortag über klassische Eigentumstheorien, der mich (inhaltlich) etwas schaudern ließ. Aber an sich ist die Seite doch sehr spannend, und man kann sich alles bequem anhören.
    http://audioarchiv.blogsport.de/2012/11/23/privateigentum-tief-im-wesen-des-menschen-begruendet/
    Anarchie? Vielleicht. Aber solche? Nö, danke.

    • Alien sagt:

      Sehr interessanter Vortrag.

      Die Absurdität der Eigentumsbegründung als natürliches Recht wird deutlich. Schütte ich Marmelade in den Ozean, gehört der Ozean dann mir, weil ich den Ozean durch meiner Hände Arbeit verändert habe?

      Locke war außerdem ziemlich gruselig, wenn er ernsthaft der Ansicht war, man dürfe Menschen töten, um sein Eigentum zu schützen – selbst wenn es sich nur um einen von 1.000.000 Äpfeln handelt.

  8. […] ja kein Verfechter des Eigentumsrechts sich auf meinen letzten Beitrag zu diesem Thema geäußert hat, veranschauliche ich noch mal bildlich, was ich vom […]

  9. Mahiat sagt:

    Im Angesicht der Forderung des Rechtes auf Eigentum stellen sich mir erstmal dieselben Fragen, die auch du in deinem Artikel aufgeworfen hast. Was ist Eigentum? Wie erlangt man es, wodurch wird es rechtskräftig?
    Der undifferenzierte und naive Ansatz, dass man durch die bloße Inanspruchnahme jegliche Sache oder sogar Lebewesen zum persönlichen Besitz erklären kann, führt zu den von dir beschriebenen Problemen. Es zeigt sich also, dass Eigentumsrechte durchaus komplizierten Regelungen unterliegen müssen, damit sie nicht den grundlegenden ethischen Prinzipien zuwiderlaufen. Nach deiner Beschreibung der Voluntaristen sehen diese sich aber nun der Schwierigkeit ausgesetzt, dass sie ja jede Form der Regierung ablehnen.

    Auf den Punkt: Eingriffe in die Selbstbestimmung dominanter Individuen sind aus vernünftiger Sicht notwendig, um unterlegene Individuen zu schützen; nicht nur hinsichtlich deren Wunsch nach Selbstbestimmung, sondern auch hinsichtlich ihrer anderen Bedürfnisse. Ansonsten werden sämtliche Interessenskonflikte zwischen zwei Parteien stets zugunsten der dominanten Partei entschieden. Allerdings muss ich diesem Kommentar anfügen, dass ich nur deinen Artikel gelesen habe und die Position der Voluntaristen darüber hinaus nicht kenne.

    Liebe Grüße
    Mahiat

    • Alien sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Interessant dürfte auch weiterhin sein, auf was man eigentlich Anspruch auf Eigentum erwerben kann. Gegenstände, die man tragen kann, Grundstücke, geistige Erfindungen, etc. Hier wird (soweit ich das überblicken kann) nicht differenziert, was wie ich finde, durchaus notwendig ist.

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