Süddeutsche Kriegspropaganda

Nach diesem Artikel bereue ich nicht, mein SZ-Abo gekündigt zu haben.

Der Vorwurf „einseitiger Journalismus“ wäre hier noch stark untertrieben. Das ist Kriegspropaganda vom Feinsten:

Grausam war das Vorgehen der Islamisten im Norden Malis. Menschen seien die Hände abgehackt worden, wenn sie des Diebstahls nur verdächtigt wurden. Wer Musik hörte oder beim Rauchen erwischt wurde, musste mit Prügel rechnen. So beschreibt der Student Amadou Alassane Mega das Leben in der Wüstenstadt Timbuktu, das lange Zeit den Alltag unter dem Regime der Islamisten prägte.

Nun jedoch gibt es Hoffnung unter den Einwohnern, von denen viele mittlerweile aus der Stadt geflohen sind. Die Nachricht von vorrückenden französischen Truppen, einen Tag nach der Eroberung der Islamistenhochburg Gao, erreicht die Menschen in Mali. „Wir haben das Gefühl, dass wir bald befreit werden“, sagte der 67-jährige Sidi Touré.

Es wird nicht mal der Versuch gemacht, seriös über alle beteiligten Seiten des Konflikts zu berichten. Stattdessen wird über die teuflischen vom Islamismus-Virus infizierten Zombies berichtet, die von den tapferen französischen Soldaten niedergestreckt werden, um die Bevölkerung vor den gehirnfressenden Monstern zu retten. Was für ein Hollywood-Streifen!

In den Kommentaren zum Artikel wird schön weiter die Kriegstrommel gerührt:

Eine Schande ist es, wenn die Antiimperialisten, Antikapitalisten und Antifanten hier und in anderen Foren die Franzosen verdächtigen, es ausschließlich auf die Uranvorkommen abgesehen zu haben. Was für eine ideologische Verblendung! Die Menschen, die unter den Steinzeitislamisten zu leiden hatten, sind denen wohl völlig wurscht.

Diesem Kommentator wollte ich folgendes antworten, was komischerweise nicht freigeschaltet wurde:

Und ihnen sind wohl all die Menschen „wurscht“, die von den französischen Bomben zerfetzt werden.

Im Grunde sind die Militaristen argumentativ im Vorteil. Sie haben die einfacheren, leicht eingängigeren Argumente, die jeder Depp versteht. Antimilitaristen müssen viel weiter ausholen, um klar zu machen, wie falsch es ist, Bomben und Raketen vom Himmel zu werfen.

Die Medien und Frankreich behaupten doch, sie würden mit ihrem Bombardement Menschen und Menschenrechte schützen. Nur vergessen oder ignorieren diese Propagandisten, dass das mit diesen militärischen Mitteln überhaupt nicht möglich ist:

Ein Rechtsstaat, der diesen Namen verdient, stellt Menschen vor Gericht, wenn sie eines Verbrechens beschuldigt werden. Ein Rechtsstaat wirft keine Bomben auf dutzende oder hunderte von Menschen, weil sie vermutlich auf irgend eine Art und Weise „böse“ sind – also zum „Feind“ gehören. Das verstößt gegen grundlegendste Menschenrechte. Dieses Vorgehen ist demnach moralisch nicht höherwertiger, als das bösartig, verachtenswerte, bestialische Handabhacken, Steinigen und ähnliche Abartigkeiten mancher dortiger Islamisten.

Kann denn der französische Präsident von jedem einzelnen seiner Todesopfer mit 100 prozentiger gerichtsfester Sicherheit sagen, dass sie ALLE nach malischem Recht die Todesstrafe verdient hätten? Kann er nicht (ganz davon abgesehen, dass Todesstrafe immer illegitim ist).

Selbst wenn: Die Zivilisten, die bei dem Bombardement gestorben sind haben den Tod noch nicht mal nach Kriegs-„Recht“ verdient. Dennoch wird deren Tod als notwendiger „Kollateralschaden“ in Kauf genommen:

Bei den Kämpfen waren allein am Samstag mindestens elf Zivilisten getötet worden. Darunter seien auch drei Kinder gewesen, die sich bei einem Luftangriff in einen Fluss stürzten und ertranken, sagte der Bürgermeister der umkämpften Stadt Konna im Zentrum des Landes.

Scheinheilige „Helfer“

Das Verhalten der EU ist auch im größeren Rahmen unfassbar menschenverachtend. „Wir Europäer“ „helfen“ den Menschen in Mali. Wie helfen „wir“? Indem „wir“ Bomben werfen. Die Flüchtlinge wollen „wir“ aber nicht haben. Die töten „wir“ an der EU-Grenze auf zahlreiche bestialische Arten. „Wir“ lassen sie ertrinken, „wir“ machen die Grenzen so dicht, dass sie noch nicht mal ihr Recht auf Asyl prüfen lassen können, wozu sie EIGENTLICH das Recht haben und schicken sie so entweder zurück in den Tod oder in halsbrecherische Fluchtversuche. Die EU bricht ihr eigenes Recht und „spielt“ Krieg. Der perfekte Kandidat für einen Friedensnobelpreis eben.

Wenn wir wirklich helfen wollten, und nicht nur unsere neuesten Waffen testen würden, bräuchte die EU nur den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für alle öffnen bei gleichzeitiger Einführung eines Mindestlohns, um Lohn-Dumping verhindern. Dann würden Flüchtlinge nicht zurück in den Tod geschickt, sondern könnten sich ein Leben aufbauen, Geld verdienen, sich bilden etc. Dies würde der Heimat, aus der sie kommen bestens helfen. Einerseits wird nämlich sehr viel Geld von Migranten in die Heimat transferiert. Andererseits gehen einige auch eines Tages zurück. Da hilft dann unter anderem die gute Ausbildung, die dortigen Verhältnisse zu verbessern und/oder zu stabilisieren.

Diese Methode würde außerdem fanatische radikale religiöse Terroristen den Nährboden entziehen, was diese langfristig schwächt – 100 mal mehr als Drohnen-Mord-Aktionen.

Rechtsstaatlichkeit ist kein Luxus-Gut, dass wir nur in guten Zeiten pflegen sollten. Gerade in schwierigen Zeiten ist es DAS Mittel um ein Abgleiten in ein sehr finsteres Mittelalter zu verhindern.

Pazifistische Grüße

Euer Alien

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7 Kommentare zu “Süddeutsche Kriegspropaganda

  1. erikschueler sagt:

    Das habe ich auch schon woanders festgestellt. Die Bösen werden meistens als „böse“ bezeichnet und weggebombt. Kein Prozess mit rechtsstaatlicher Kraft. Beispiel Osama Bin Laden. Der Mann war ein Superterrorist, aber trotzdem hätte man ihn vor ein Gericht stellen müssen, denn auch seine Schuld hätte zweifelsfrei bewiesen werden müssen. Aber mit der Rechtslage haben es die Amerikaner nicht so, genauso wie die Franzosen mit den Deutschen zusammen (Frontex). Aber damit bekleckert sich kein Staat. Wer will schon Frieden oder freidliche Lösungen. Die Wirtschaft muss boomen und vor allem die Rüstungskonzerne müssen wachsen, denn nur mehr Waffen bringen mehr Sicherheit. Keine Waffen bedeutet ja auch keine Sicherheit.

    • Alien sagt:

      Zum Mordkommando Bin Laden hat ja sogar unsere Super-Merkel applaudiert. Ein deutlicheres Signal, wie es um Rechtsstaatlichkeit auch in Deutschland bestellt ist, konnte es kaum geben.

  2. Kommt noch dazu, dass die angeblich den Frieden bringenden Nato-Soldaten und Angehörige der UN-Truppen in Flüchtlingslagern hilflose Frauen, Mädchen und sogar Kinder schänden. Seltsamerweise hat es bislang nur einen einzigen kritischen Fernsehbericht darüber gegeben. Ansonsten wird dieses Thema tot geschwiegen…

  3. Rowen sagt:

    Ich kann die SZ einfach nicht leiden … hier in der Uni lagen mal mehrere Pakete damit aus, und mir ist auch sofort beim Durchlesen aufgefallen, dass die Artikel immer eine vorgefertigte Meinung präsentieren anstatt wenigstens die Chance zu geben, beide Seiten kennenzulernen. (Und vor allem, was sollen wir in Niedersachsen mit einer süddeutschen Zeitung? den Lokalteil lesen???)
    Während ich letztens am Hauptbahnhof meiner Universitätsstadt wartete, habe ich dort auf einem Nachrichtendisplay Bilder von den französischen Panzern gesehen – und alle schienen das in Ordnung zu finden. Man sah auf der einen Seite ganz deutlich die riesigen Panzer, und auf der anderen Seite die arme Bevölkerung, die dem Militäraufmarsch hinterhergestarrt haben. Für mich waren das sehr traurige Bilder und ich werde nie verstehen, wieso Europa sich in die Angelegenheiten weit entfernter Länder einmischen muss. 😦 Als ob die uns dankbar für unsere „Hilfe“ wären.

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