Verbietet Küchenmesser!

Gegner von strengen Waffengesetzen bringen eine ganze Reihe an vermeintlichen Argumenten, die bei genauerem Hinsehen UND einer friedlichen Grundeinstellung alle verblassen.

Folgende sinngemäße Aussagen werden immer wieder gebracht:

  1. Wenn jeder eine Waffe trägt, muss jeder Räuber damit rechnen, dass er bei einem Überfall selbst erschossen wird. Daher wird es weniger Überfälle geben.
  2. Wenn keine Schusswaffen verfügbar sind, benutzen die Verbrecher eben ein Messer oder einen Briefbeschwerer oder ein Auto oder ein Nudelholz um den Mord oder den Amoklauf durchzuführen. Oder sie basteln sich Bomben aus Benzin, selbstgemachtem Sprengstoff und so weiter.
  3. Man muss sich gegen den bösen Staat verteidigen können. Nur Diktatoren entwaffnen die Bevölkerung.
  4. Strengere Waffengesetze nützen nichts, da sich Kriminelle nicht an Gesetze halten, und daher dennoch Waffen haben werden.

Zum ersten Punkt:

Dieses Argument greift nur in Spezialfällen, nämlich in denen der Verbrecher geplant und bewusst handelt. Spontane Überfälle sind durch eine erhöhte Waffenverfügbarkeit wesentlich wahrscheinlicher. Demnach gleicht sich das wieder aus. Aber auch bei den geplanten Überfällen ist es unwahrscheinlich, dass diese weniger werden. Die Räuber haben schließlich in ihren Augen einen guten Grund. Sie halten es für notwendig, und werden sich überlegen, wie sie am besten vorgehen. Bei geringer Waffenverfügbarkeit werden sie die Passanten mit Drohung in Schach halten, das Geld nehmen und fliehen. Müssen sie damit rechnen, dass einige Passanten Waffen mitführen, werden sie nervöser auf jede Bewegung reagieren und leichter jemanden erschießen.

Zum zweiten Punkt:

Nicht nur, weil es für tödliche Schusswaffen kein Anwendungsgebiet neben dem Töten gibt (Sportschützen können auch mit nicht-tödlichen Waffen ihren Sport ausüben), ist dieses „Argument“ Bullshit. Warum?

Wenn ein Küchenmesser oder ein Briefbeschwerer angeblich nicht gefährlicher ist, als eine Schusswaffe, wozu dann überhaupt Schusswaffen zur Verteidigung? Ich könnte mich ja dann auch mit einer Nagelfeile gegen den Schützen wehren. Da ich das nicht kann, steht fest, Schusswaffen sind gefährlicher als Küchenmesser. Es gibt auch noch gefährlichere: Maschinengewehre, Handgranaten, Panzerfäuste, Panzer, Bomben, Atombomben. All das sind Werkzeuge, die im Unterschied zum Küchenmesser zum Töten von vielen Menschen in kurzer Zeit gemacht sind. Die meisten davon sind selbst in den USA verboten. Nur bei Schusswaffen wird eine Ausnahme gemacht. Warum?

Zum dritten Punkt:

Würde man dieses Argument außerdem ernst nehmen, müsste man auch viel schwerer Bewaffnung von Bürgern zulassen als ein paar Gewehre: Wenn der Staat mit seinen Panzern und Fliegerbomben kommt, was nutzen mir da Schusswaffen?

Außerdem: Wenn in einer Demokratie die Mehrheit für strenge Waffengesetze sind, was hat das dann mit Zwangsentwaffnung durch Diktatoren zu tun? Auch wenn ein zweiter Hitler an die Macht kommen sollte, werde ich keine Waffe in die Hand nehmen. Es gibt mannigfaltige Methoden des Widerstands, der niemanden verletzt oder tötet. Die schärfste Waffe, die nötig ist, um Tyrannen zu bekämpfen, ist das Wort.

Zum vierten Punkt:

Erster Fall: Angenommen Waffen sind frei zugänglich erwerbbar. Ein Krimineller kauft sich also eine Waffe und begeht damit sein Verbrechen. Alle Kriminellen machen das so.

Zweiter Fall: Angenommen Waffen sind nicht frei zugänglich erwerbbar. x Prozent (x ist sicher kleiner als 100) obiger Krimineller hat Kontakte zu Personen, die sie illegal mit Waffen versorgen können. Diese Kriminellen machen das gleiche wie im ersten Fall. Die anderen 100-x Prozent begehen ihre Verbrechen gar nicht oder ohne Waffe und daher mit geringerer Gefahr für alle Beteiligten.

Es bringt also wohl was.

Euer Alien

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5 Kommentare zu “Verbietet Küchenmesser!

  1. Für Menschen mit einem gesunden, logischen Verstand sind deine Argumente überaus nachvollziehbar…

    • Alien sagt:

      Danke, das freut mich zu hören.

      Ein Gegengewicht zu der Standardphrase „Was machst du, wenn dich jemand mit einer Waffe bedroht?“ ist halt bitter nötig, da Waffenbefürworter die einfacheren Argumente (nicht besseren) auf ihrer Seite haben.

      Ich wünsche dir noch ein paar schöne letzte Stunden in diesem Jahr.

  2. Rowen sagt:

    Sind Küchenmesser nicht sogar verboten, wenn man sie einfach so nach draußen mitnimmt? Gab es da nicht eine Beschränkung je nach Klingenlänge? Ich verstehe Amerika nicht mehr, wie sollen Schusswaffen bitte helfen, kleine Kinder in der Schule zu beschützen? Also meine damalige Klassenlehrerin sah jedenfalls nicht aus wie John Rambo.
    Die Einschränkungen gegen MG’s, die geplant sind, finde ich jetzt auch nicht so der Hammer. Ein vernünftiges Bewusstsein zum Umgang mit Waffen muss aufgebaut werden – die Aufgabe einer Waffe ist doch immer in erster Linie, jemanden zu schaden. Und erst dann möglicherweise als zweites, zu beschützen.(Aber ob das funktioniert …) Vor Hiroshima fand man die Atombombe und radioaktive Strahlung auch toll. Heute wissen wir es besser. Ich wünschte, das wäre mit Schusswaffen auch so.

    • Alien sagt:

      „Sind Küchenmesser nicht sogar verboten, wenn man sie einfach so nach draußen mitnimmt?“

      Ich denke, das ist eine Einzelfallentscheidung. Es ist sicher illegal jemanden damit zu bedrohen.

      Das mit der Klingenlänge bezieht sich glaube ich nicht auf Küchenmesser sondern auf „Sportmesser“ Butterfly-Messer und ähnliches.

      Ansonsten: Volle Zustimmung.

      • Rowen sagt:

        Ein Blick ins WaffG verschafft Klarheit:
        㤠1 Gegenstand und Zweck des Gesetzes, Begriffsbestimmungen
        […]
        (2) Waffen sind

        1.
        Schusswaffen oder ihnen gleichgestellte Gegenstände und
        2.
        tragbare Gegenstände,

        a)
        die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen;
        b)
        die, ohne dazu bestimmt zu sein, insbesondere wegen ihrer Beschaffenheit, Handhabung oder Wirkungsweise geeignet sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, und die in diesem Gesetz genannt sind.“

        Der letzte Punkt, das ist’s. Sobald man das Küchenmesser benutzt um anzugreifen oder abzuwehren, zählt es eindeutig als Waffe. Hab‘ mir den Rest noch nicht durchgelesen, vielleicht steht da noch was speziell zu Klingen.

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