Kritik

Wer hier öfter mit liest, dem ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich häufig Kritik an den Methoden der US-Regierung, der israelischen Regierung und natürlich der deutschen/österreichischen/schweizerischen Regierung übe, während ich selten Regierungen wie Saudi-Arabien, Sudan, Russland, Nord-Korea oder Iran kritisiere.

Jetzt könnte man zu dem Schluss kommen, ich fände die erst genannten Staaten viel schlimmer, als die letztgenannten. Dies ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil. Was ich in der Regel sehr gut an den von mir hauptsächlich kritisierten Staaten finde, sind die Verfassungen dieser Länder. Sie räumen den meisten Menschen große Freiheiten ein, und sorgen für rechtsstaatliche Verfahren, die zur Sicherheit und zum Wohlstand beitragen. Und an diesen hehren Grundsätzen messe ich diese Staaten. Mir ist es wichtig, sie an ihre positiven Leitlinien zu erinnern, um die Umsetzung derselben zu fördern.

Hingegen sehe ich bei Saudi-Arabien zum Beispiel keinerlei Sinn, ständig Kritik zu üben. Jeder weiß, dass dort Menschenfeindlichkeit in erschreckendem Ausmaß zu finden ist. Die Herrscher dort finden das aber gut und berufen sich nicht auf unterstützenswerte Ideale, sondern auf eine verachtenswerte Ideologie. Was nutzt es, einem durch und durch überzeugtem Menschenfeind vorzuhalten, dass er böse ist? Er fühlt sich nur bestätigt und macht weiter. Menschenfeinden kann man nur noch mit Ablehnung begegnen (natürlich immer mit der Möglichkeit der Rückkehr in die Menschenfreundlichkeit), auch mit politischem Druck oder sinnvollen wirtschaftlichen Maßnahmen, die den Machthabern aber nicht dem Volk schaden. Also genau das Gegenteil von dem, was unsere Bundesregierung mit ihren Waffenexporten tut.

Wenn aber jemand behauptet, er sei für Frieden, für Freiheit, für Rechtsstaatlichkeit etc., dann muss man ihn kritisieren, wenn er sich daran nicht hält. Die Kritik bietet ihm dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder er ändert seine Einstellung und bekennt sich zum Menschenhass, oder er ändert sein Verhalten und hält sich wieder an seine Prinzipien. Ersteres ist bei demokratischen Politikern eher unwahrscheinlich (wenn auch nicht ausgeschlossen). Zweiteres wäre ein Gewinn für uns alle.

Wer also mit mir die gleichen Grundsätze teilt, wird mehr kritisiert, als jemand, der moralisch in meinen Augen so weit von mir entfernt ist, dass sich jede LÄNGERE Diskussion erübrigt (ab und zu schreibe ich dennoch was dazu).

Eine fleißige Kommentatorin hat das mal sehr gut formuliert:

Gerade weil [in erstgenannten Ländern] nicht alles Mist ist, machen wir uns die Mühe. Ein[es der letztgenannten Länder] wäre es für mich nicht wert, meine kostbare Lebenszeit dafür zu verschwenden.

Was meint ihr? Wie soll man auswählen, was man kritisiert? Ist die Auswahl überhaupt wichtig, so lange die Kritik richtig ist?

Euer Alien

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3 Kommentare zu “Kritik

  1. drbruddler sagt:

    Ich denke der Ansatz ist so richtig. Wenn die Grundsätze nicht gelebt werden, so muß man sie kritisieren und wenn die Kritik nicht mehr gehört wird, so muß man sie ablehnen und verurteilen. Insofern stimmt hier die Reihenfolge. Es ist jedoch nicht gerade ernutigend, angesichts der Anzahl von Staaten, die sich noch an diese demokratischen und ethischen Grundsätzen halten.

    • Alien sagt:

      Es ist jedoch nicht gerade ernutigend, angesichts der Anzahl von Staaten, die sich noch an diese demokratischen und ethischen Grundsätzen halten.

      Ja, die kann man leider an einer Hand abzählen.

  2. Ich gebe dir sehr recht.

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