Tag der Todesstrafe

Die Tat glich einer Hinrichtung.

Das Opfer wurde regelrecht hingerichtet.

So sagt man.

Man will damit ausdrücken, dass der Mord besonders grausam und schrecklich war.

Interessant, nicht wahr?

Dennoch gibt es zahlreiche Befürworter der Todesstrafe. Auch unter angeblichen Christen.

Daher hier nochmal ein Plädoyer für die vollständige Ächtung der Todesstrafe und sonstiger Hinrichtungen, die nicht durch ein Gericht angeordnet wurden – euphemistisch gezielte Tötungen genannt.

Was spricht angeblich für die Todesstrafe?

  1. Sie sei die einzige gerechte Vergeltung für Mord.
  2. Nur so könne eine Wiederholungstat sicher verhindert werden.
  3. Die Todesstrafe wirke abschreckend und reduziere somit die Mordrate.
  4. Lebenslange Haft käme teurer.

Zum ersten Punkt:

Das Argument zieht nicht. Würde man dieses Argument nämlich konsequent anwenden, wären wir im rechtsstaatlichen Mittelalter. Folterer müssten gefoltert, Vergewaltiger vergewaltigt werden. Dies heißt, ein Henker / Folterknecht / Vergewaltiger müsste staatlich bezahlt werden. Gruselige Vorstellung.

Zum zweiten Punkt:

Eine Frage dazu: Ist es möglich aus dem Todestrakt (in dem Menschen teilweise Jahrzehnte einsitzen), auszubrechen?

  • Lautet die Antwort ja, so frage ich, wo ist dann der Sicherheitsgewinn?
  • Lautet die Antwort nein, ist das Argument hinfällig.

Zum dritten Punkt:

Empirische Forschung widerlegt das Argument. In Staaten, wo die Todesstrafe abgeschafft wurde, sank sogar die Mordrate.

Zum vierten Punkt:

Nicht in einem Rechtsstaat. In den USA (einem ehemaligen halbwegs-Rechtsstaat) ist lebenslange Haft deutlich billiger als Todesstrafe.

Weitere Argumente gegen die Todesstrafe

Justizirrtümer KÖNNEN unmöglich ausgeschlossen werden. Somit wird sich der Staat die Hände schmutzig machen, indem er unschuldige Menschen töten wird.
Befürworter der Todesstrafe möchten deshalb die Todesstrafe nur noch bei eindeutigen Fällen verhängen. Dies ist aber mit rechtsstaatlichen Grundsätzen unvereinbar. Hat ein Gericht Zweifel an der Schuld des Angeklagten, MUSS es ihn freisprechen. Hat es keine Zweifel, müsste dann die Todesstrafe verhängt werden. Ein Gericht kann nicht sagen: Wir glauben zwar, dass er schuldig ist, deshalb lebenslänglich, aber sicher sind wir uns nicht, deshalb keine Todesstrafe. So läuft das nicht. Jeder in einem angeblichen Rechtsstaat unschuldig Hingerichtete wurde vom Gericht als zweifelsfrei schuldig identifiziert. Fehlerhafter Weise. Auch gefälschte Beweise führen dazu, dass sich das Gericht hundert Prozent sicher ist, und es dennoch irrt.

Henker werden vom Staat beauftragt, Menschen zu töten. Das ist für viele (genau wie für Soldaten) extrem traumatisierend. Wie kann ein zivilisierter Staat dies Menschen antun?

Argumente gegen die Todesstrafe für fanatische „Christen“, die für die Todesstrafe sind und sich dennoch auf die Bibel beziehen

Ich zitiere:

Im Neuen Testament wird die Todesstrafe als Realität vorausgesetzt und weder direkt erlaubt noch verboten. Stellen wie Joh 19,10 f. und Röm 13,4 setzen ein durch Gottes Reich befristetes und begrenztes Recht der Staatsvertreter über Leben und Tod voraus. Jesus von Nazaret ordnete das Vergeltungsgebot (Gen 9,6) dem Bewahrungswillen Gottes (Gen 8,21 f. EU) unter und begründete damit sein Gebot der Feindesliebe (Mt 5,44 EU): Diese sei die Gottes geduldiger Gnade gemäße Form der Vergeltung. Demgemäß entkräftete er nach Joh 8,7 EU die in der Tora vorgesehene Todesstrafe für Ehebruch mit dem Hinweis: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Der indirekt gebotene Rechtsverzicht (da niemand ohne Sünde ist, führe niemand die Todesstrafe aus) delegitimiert die damaligen Autoritäten, zielt auf Selbsterkenntnis und Vergebung. Daran anknüpfend, fanden die Urchristen in Jesu Kreuzestod das stellvertretende Erleiden der dem Rechtsbrecher zustehenden Todesstrafe (u.a. Gal 3,13; Röm 8,3). Gott habe seinen Sohn „dahingegeben“ und damit allen Menschen ihre Schuld vergeben, um sie von der Sünde zu befreien. So habe Jesus Versöhnung mit Gott geschaffen und ermöglicht (2 Kor 5,14). Tödliches Vergelten war daher für die Urchristen ein Rückfall in den Unglauben; kultische Vorschriften, für deren Nichteinhaltung die Tora Todesstrafen androht, waren für sie hinfällig.

Weiterhin sollte für Christen die Tatsache, dass Jesus durch die Todesstrafe starb (Justizirrtum), eigentlich Grund genug sein, diese abzuschaffen.

Wer dennoch für die Todesstrafe ist, möge mir das bitte begründen, und zwar entweder, indem er meine Argumente widerlegt, oder neue bringt.

Sollte ich noch Argumente vergessen haben, lasst es mich wissen.

Lebendige Grüße

Euer Alien

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7 Kommentare zu “Tag der Todesstrafe

  1. Es ist noch nie, nie, nie ein Verbrechensopfer wieder lebendig geworden, nachdem man seinen Mörder hingerichtet hat. Die wenigsten Opfer-Angehörigen haben nach der tödlichen Vergeltung durch eine Hinrichtung danach wirklich Frieden gefunden. Allein in den USA geht die Zahl derer, deren Unschuld nach ihrem gewaltsamen Tod durch die Justiz bewiesen worden ist, in die Hunderte! Und es sind stets jene, die sich keine profunden – und kostspieligen! – Verteidiger leisten können, die angeblichen Täter aus den unteren sozialen Schichten, die Farbigen, die mit Migrationshintergrund, bei deren Prozessgeschichte nachlässig verfahren worden ist, und immer noch wird. Bestes Beispiel ist der Fall Debbie Mielke, die mittlerweile über zwanzig Jahre in Arizona im Todestrakt weilt, verurteilt allein durch die durch keinerlei Dokumente belegte Aussage des zuständigen Sherriffs…
    Das wichtigste, und kürzeste, und bündigste Argument gegen die Todesstrafe: „Du sollst nicht töten!“…

  2. Frau Momo sagt:

    Für mich gibt es nicht einen Grund, die Todesstrafe zu befürworten. Sie ist barbarisch und eines Staates nicht würdig. Basta.

  3. lancelot1991 sagt:

    Ein Land das sich christlich gibt, widerspricht sich selbst, wenn es die Todesstrafe ausführt. „Du sollst nicht töten“.
    In den USA warten Gefangene teils viele Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung, isoliert in Einzelzellen. Das ist exakt Folter !
    Unter http://www.lancelot-armstrong.de berichten wir, neben unserem Blog, über einen dieser Gefolterten. Lance ist seit über 20 Jahren im Todestrakt.
    Friedensnobelpreisträger Obama spricht sich für die Todesstrafe aus !
    Interessant, dass wenn nach einer Hinrichtung in den USA bewiesen wird, dass der Getötete unschuldig war, keiner der Verantwortlichen, keiner seiner Mörder zur Rechenschaft gezogen wird. Das ist legaler Mord.

    • Alien sagt:

      Ein Land das sich christlich gibt, widerspricht sich selbst, wenn es die Todesstrafe ausführt. “Du sollst nicht töten”.

      Fanatische Christen können selbst eindeutige Aussagen so interpretieren, dass sie zu ihren Vorstellungen passen. Habe ich schon erlebt.

      Das ist exakt Folter !

      Allerdings!

      Interessanter Blog. Danke fürs Vorbeischauen.

  4. […] Hier gibt es gesammelte Argumente gegen die Todesstrafe. […]

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