Denkmal nach!

Die Entnazifizierung wurde nie abgeschlossen. Seit ein paar Jahrzehnten ist sie dennoch vorbei. Was folgt ist die Renazifizierung.

Alle 11 Stolpersteine in Greifswald – ein Denkmal für die dortigen Opfer des Nationalsozialismus – wurden in der Nacht zum 9.11.2012 herausgerissen und gestohlen.

Was zeigt uns das? Nazis haben ein Faible für Symbolik, daher der Zeitpunkt, und sind vor allem noch in der ganzen Gesellschaft aktiv. Letzteres zeigt natürlich nicht allein diese Tat, sondern auch unsere Polizei– und Verfassungsschutzbehörden, die darin glänzen, Nazis zu bezahlen, zu decken, notfalls zu verhätscheln und deren Opfer zu verhöhnen, zum Beispiel durch offen rassistische Kalender in den Dienststellen.

Fast noch schlimmer als die verachtenswerte Tat sind die Kommentare zu dem Artikel:

Sind eventuell zu viele Fußgänger gestolpert, nun hatten die wohl genug davon?

Als Jurist stellt man sich eher die Frage der Haftung, wenn jemand über die Stolpersteine auf dem öffentlichen Weg stolpert und sich verletzt. Die Gedenkideen werden immer grotesker.

„Steine über diese man stolpern kann, sollten vom Gemeindearbeiter/Straßenfeger entfernt werden!“

Die NSU ist vom Staat erfunden und vom Verfassungsschutz gelenkt worden.
Aus dem einzigen Grund, Stimmung gegen Rechts zumachen und unser Land Migrantenfreundlich zustimmen.
Das Ergebnis wird am Ende aber nicht auf gehen.

Wieso, hier zahlt doch die Stadt wenn die Steine hervorstehen.
Schonmal vom europäischen Gerichtshof gehört …der Staat muss Bürger schützen.

Gut so, dann sind diese Stolperfallen endlich weg und ich hoffe das bleiben sie auch.

Ich bin als Ur Deutscher zu tiefst beschämt  das es Menschen in meinen Land gibt die das Leiden der Toten der NS Zeit symbolisch mit Füssen treten.
Wehret den Anfängen gilt für diese verbrecherische Saat.

Was soll man dazu noch sagen? Immerhin gibt es auch kritische Kommentare, was bei der Welt ja nicht unbedingt üblich ist. Die Kommentarfunktion wurde übrigens deaktiviert. Fragt sich nur, weswegen? Wegen der Nazi-Kommentare oder wegen der kritischen?

Wenn ihr in Behörden, Polizeistationen, Gerichten o. ä. rechtsextremes Gedankengut bemerkt, bietet ihm die Stirn. Argumentiert dagegen und besinnt euch auf grundlegende Menschenrechte, die niemals wieder ausgehebelt werden dürfen.

Viel Kraft wünscht

Euer Alien

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10 Kommentare zu “Denkmal nach!

  1. Ja. „Engagiert euch, entgegnet rechtsradikalem Gedankengut ruhig und besonnen und mit guten Argumenten. Seid wachsam. Lasst euch nicht blenden, nicht verführen. Und geht wählen! Das Wahlrecht ist eine unserer stärksten Waffen gegen Rechtsradikalismus!“, so hat es heute in einer Rede des Münchner Oberbürgermeisters Ude geheißen…
    Was die Kommentare gegen die „Entfernung“ der Stolpersteine betrifft: Mir kommt gleich das Abendessen wieder hoch…
    Sehr seltsam auch, dass kein/e Bürger/in Greifswald etwas gehört/gesehen haben will. So eine Aktion geht doch nicht unauffällig und lautlos von sich…

    • Alien sagt:

      „Sehr seltsam auch, dass kein/e Bürger/in Greifswald etwas gehört/gesehen haben will. So eine Aktion geht doch nicht unauffällig und lautlos von sich…“

      Also Steine aus dem Pflaster zu klopfen sollte eigentlich ganz schön Lärm machen. Vielleicht haben es aber nur Unterstützer gehört, wie solche, die bei der Welt kommentieren.

  2. Frau Momo sagt:

    Das Weggucken scheint dort Tradition zu haben, wie man aus dem Kommentar von Bigi (lebt in HGW) bei Margot entnehmen kann. Wäre es woanders anders gewesen ist für mich allerdings die Frage. Und als Juristin kann ich mich gar nicht so viel fremdschämen, wie es angesichts der Kommentare nötig wäre. Ich empfehle dem „Kollegen“ mal das Buch „Furchtbare Juristen“.

  3. Lieber Alien, ich habe mir sagen lassen, dass es mit einem sogenannten Kuhfuß ganz einfach ist, die Steine aus dem Pflaster zu heben, was dann auch einleuchtete. Sie sind nicht in Asphalt oder Beton eingelassen, sondern ins (Kopfstein)Pflaster integriert, unter dem ein Erde/Lehmgemisch jeglicher Gewalt nixx entgegen zu setzen hat. Ich lebe jetzt seit fast 3 Jahren in Greifswald und bin täglich irritierter, entsetzter und trauriger über die Prioritäten, die hier gesetzt werden, über die Verharmlosungen und eben auch über das Weggucken. 2010 ein Brandanschlag auf ein Nachbarhaus, einen Monat später auf mein Wohnhaus, ein paar weitere Wochen später erneut auf mein Wohnhaus, bei einem Nachbarn wird der Briefkasten weggesprengt (nicht einfach nur ein Knallkörper eingeworfen – richtig weg-ab-kaputtgesprengt) – Die Ermittlungen verlaufen im Sande, die Taten werden als Dummjungen/BetrunkenstudentenStreiche abgetan. Drei Straßen weiter wird über nacht eine lange Mauer flächendeckend mit Hansa Rostock beschrieben – die Pöller am Wall werden alle in Hansafarben angesprüht, Nazis besprühen allabendlich Häuserwände mit ihren Parolen, Fahrräder werden im besten Fall geklaut, im schlimmsten Fall werden sie durch die Straßen geworfen und damit Hauseingänge und Autos beschädigt- keiner sieht was, keiner hört was. Andersherum, wenn jemand Vandalismus sieht oder hört und die Polizei benachrichtigt, wird er als hysterisch abgestempelt. Und dann gibt es noch die Aufkleber von Castor- und Nazigegnern an Laternen und Ampelpfählen oder die unbeschreibliche, nahezu blasphemische Schandtat dem CasparDavidFriedrich Denkmal einen AntiAKW Button aufzulegen und ihn so zu fotografieren, oder ihn mit einem Anti-Nazispruch zu versehen und als Postkarte zu verteilen – diesen Initiatoren wird von Politikern polternd laut, aber nicht persönlich im Gespräch oder direkt ins Gesicht, sondern schön öffentlichkeitswirksam in Interviews und Medienberichten das ALLES, was ich hier zusammengefasst habe unterstellt, sie werden in die ungeliebte linke Ecke gesteckt (für die Politik in dieser Stadt scheint links verachtungswürdiger als rechts) kriminalisiert.
    Trotzdem liebe ich diese Stadt – sie ist für mich die schönste Hansestadt am Ryck und ich weiß, dass es neben dem hohen Anteil an Rassisten, Ausländerfeinden, korrupten Politikern und Sesselpupsern einen Teil liebenswerte, freundliche, aktive, nachdenkende und sich wehrende Menschen gibt. Und solange es diese Menschen gibt, die nicht gleichgültigen, die den Mund aufmachen, die was zu sagen haben und es auch tun, die sich positionieren und in ihrem bescheidenen Rahmen mutig sind – solange halte ich an dieser Stadt auch fest.
    PUH viel Text – ich hoffe nicht zuviel, aber in wenigen Worten kann ich nicht immer.
    Liebe Grüße
    bigi

    • Alien sagt:

      Hallo Bigi, danke für deine Geschichte.

      Bei uns in der Gegend wurden auch schon mehrere Anschläge auf Häuser und Autos von bekennenden Nazi-Gegnern verübt. Die Polizei ist entweder machtlos oder nicht willens diese mutigen Bürger wirkungsvoll zu schützen.

      Nachdem was du erzählst ist es aber nicht so schlimm wie in Greifswald. Dennoch ist es schrecklich, wie gewaltbereite Nazis schon wieder anfangen das normale Volk einzuschüchtern.

      Schönen Sonntag noch!

      • Zum Einschüchtern gehören 2 – wie in vielem im Leben. Ich gehöre weiß Gott nicht zu den Mutigen dieser Welt, aber eben auch nicht zu denen, die die Hände in den Schoß legen. Und ein Großteil derer, die hier lauthals Parolen brüllen, rennt weinend zur Kameradschaft, wenn man ihn alleine erwischt und mit Argumenten konfrontiert. So man denn Argumente hat. Dir auch einen schönen Sonntag!

  4. erikschueler sagt:

    Mir wird schlecht. Ich nehme momentan an einer Geshcichts- AG bzw. einem Geschichtsprojekt teil namens „Ortsbegehung“ wir beschäftigen uns mit Freiberg (in Sachsen) und der Judenverfolgung, sowie anderen Dingen, die dort passiert sind. Dieses Ereignis in Greiswald könnte richtig Motivation hineinfließen lassen und sehenswerte Dinge hervor bringen. Ich hoffe die Menschen lassen sich nicht einschüchtern und stehen auf gegen Rechtsradikalismus.

  5. Don Furioso sagt:

    Entnazifizierung war einer meiner ersten Artikel. Danke Alien, ich fühlte mich mit diesem Thema alleine uaf weiter Flur! Meine These ist, dass Deutschland nie entnazifiziert wurde, insbesondere nicht die Institutionen. Shit rolls downhill.

    • Alien sagt:

      „Meine These ist, dass Deutschland nie entnazifiziert wurde, insbesondere nicht die Institutionen.“

      Ich vermute, das extrem rechte Gedankengut wurde in den Behörden unter der Hand von einer Generation zur nächsten „vererbt“. Jetzt, wo es in der Gesellschaft wieder salonfähiger wird, nimmt es an Stärke zu.

      In der Schule haben wir immer verglichen: Das böse Dritte Reich vs. die gute Bundesrepublik. Kritik an letzterer wurde völlig ausgespart.

      Wenn aber hohe Nazis in der BRD Karriere machten (fehlende Entnazifizierung) und heute auch wieder junge Menschen dieser Ideologie anhängen (Renazifizierung), gibt es an der BRD viel zu kritisieren.

  6. Don Furioso sagt:

    „In der Schule haben wir immer verglichen: Das böse Dritte Reich vs. die gute Bundesrepublik. Kritik an letzterer wurde völlig ausgespart.“ Genau so ist es! Zur Renazifizierung: Schlimmer als die offensichtlichen Glatzen finde ich die salonfähigen Nazis, die ihren Glauben an Über- und Untermenschentum mit angeblicher ökonomischer Vernunft begründen.

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