Reaktionsbildung am Beispiel

Ich bin jetzt einfach mal böse. Diese Dame ist es immerhin auch. Sibylle Berg schreibt in ihrer Kolumne (hier entdeckt), dass die Prostitution verboten werden sollte, und zwar mit der Methode die Schweden anwendet, nämlich die Freier zu bestrafen.

Seid ihr eigentlich alle verrückt geworden? Wie soll es wirkliche Gleichberechtigung geben, wenn um die Ecke Frauen auf einen Besamer warten, für ein paar Scheine? Wie sollen wir jemals Respekt von einer Hälfte der Menschheit für die andere erreichen, wenn die eine Hälfte die andere zum Besteigen kaufen kann? Wie soll ein Mann unterscheiden können, welche Frau er kaufen kann und welche nicht? Wie sollen Männer lernen, dass es nicht in Ordnung ist, Frauen für den Gegenwert einer guten Socke zu benutzen, wenn sie es doch immer noch können?

Hm, nun gut. Es könnte sich hier um eine sogenannte Reaktionsbildung handeln. Psychoanalytisch gesehen möchte sie selbst gern Prostituierte sein, schämt sich für diesen Gedanken und agitiert deshalb genau in die andere Richtung, schreit nach den strengsten Verboten und stellt sie als Tor zur Hölle dar.

Aber ich bin erwachsen, deswegen erwidere ich darauf nur: Dein Wunsch wird nie erfüllt werden. Ällabätsch, ällabätsch, nä nä nä nä näää nä.

Euer Alien

PS: Wenn die Dame schon von Respekt faselt: Ich könnte mir vorstellen das Prostituierte von vielen Freiern wesentlich respektvoller behandelt werden, als Angehörige anderer Berufe, wie Reinigungskraft, Fließbandarbeiter, etc. von ihren Chefs, die diese nur als Humanressourcen betrachten. Nur so ein Gedanke.

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7 Kommentare zu “Reaktionsbildung am Beispiel

  1. Christina sagt:

    „Ich könnte mir vorstellen das Prostituierte von vielen Freiern wesentlich respektvoller behandelt werden, als Angehörige anderer Berufe, wie Reinigungskraft, Fließbandarbeiter, etc. von ihren Chefs, die diese nur als Humanressourcen betrachten. Nur so ein Gedanke.“

    Inwiefern? Was verstehst Du eigentlich unter „Respekt“? Ich nehme mal an, was anderes als ich zum Beispiel. Als WAS betrachtet denn ein Freier Deiner Meinung nach die Prostituierte, etwa nicht als Humanressource?

    „Dein Wunsch wird nie erfüllt werden.“

    Ja, das wird wohl leider so sein. Dafür sind die Menschen einfach zu verdorben.

    • Alien sagt:

      „Ja, das wird wohl leider so sein. Dafür sind die Menschen einfach zu verdorben.“

      Deine Aussage empfinde ich als menschenfeindlich. Du möchtest gerne verbieten, dass sich zwei Menschen auf etwas einigen, was dir nicht gefällt. Wer gibt dir das Recht dazu?

      Du möchtest also Prostitution generell verbieten. Dann frage ich mal neugierig nach: Was ist zum Beispiel mit Behinderten? Haben die kein Recht, ihre Sexualität auszuleben, wenn sie niemanden finden, der ihnen kostenlos hilft?

      Auch wenn wir dieses Fass nicht aufmachen. Was ist mit Menschen, die niemanden finden, weil sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, oder einfach zu schüchtern sind? Haben die alle kein Recht, auch mal ein wenig sexuelles Glück zu empfinden?

      Wenn Prostituierte freiwillig in ihrem Beruf arbeiten (ja sowas gibt es tatsächlich), wo ist dann das Problem?

      Klar kannst du jetzt mit dem Totschlagargument „Gott will es so, das steht schon in der Bibel“ kommen. Aber damit nimmst du dir selbst die Chance dir mal Gedanken zu machen und eine Meinung zu bilden.

  2. Christina sagt:

    „Du möchtest gerne verbieten, dass sich zwei Menschen auf etwas einigen, was dir nicht gefällt. Wer gibt dir das Recht dazu?“

    „Wenn Prostituierte freiwillig in ihrem Beruf arbeiten (ja sowas gibt es tatsächlich), wo ist dann das Problem?“

    Und Du würdest am liebsten (wie ich finde zu Recht) gerne verbieten, dass Chef’s ihre Reinigunskräfte, Fließbandarbeiter etc. nur als Humanressource sehen? Ist es nicht so? Aber, jetzt frage ich mal, was gibt Dir denn das Recht dazu? Schließlich haben die sich doch auch in gegenseitigem Einverständnis so geeinigt und machen das ganz freiwillig.

    Merkst Du was? Worin besteht denn nun der riesengroße Unterschied zwischen unser beider Wünschen? 😉

    Das menschliche Herz ist nicht so, wie wir uns das wünschen, nicht wahr? Wenn ich gegen Gottes gute Gebote rebelliere, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern, wenn in meinem Leben vieles den Bach runter geht. Der Konstrukteur weiß am Besten, was seinen Geschöpfen gut tut. Und ganz im Ernst, dass Prostituierte und Freier mit dem was sie tun wirklich glücklich sind, das glaube ich nicht. Niemand kann die Leere (und letztlich Sinnlosigkeit) in seinem Leben ohne Gott wirklich mit irgendetwas anderem befriedigend ausfüllen, auch nicht mit Sex.

    • Alien sagt:

      „Und Du würdest am liebsten (wie ich finde zu Recht) gerne verbieten, dass Chef’s ihre Reinigunskräfte, Fließbandarbeiter etc. nur als Humanressource sehen?“

      Ich würde mir wünschen, dass Chefs ihre Mitarbeiter als Persönlichkeiten wertschätzen (=respektieren). Viele Chefs tun das. Aber nicht alle. Wenn Chefs das so sehen, ist das ihre Meinung. Dazu haben sie alles Recht der Welt (nennt sich Meinungsfreiheit). Ich finde diese Meinung dann zwar verachtenswert, aber ich will sie auf keinen Fall VERBIETEN.

      Ich finde Sex gegen Geld nicht besonders erstrebenswert. Aber ich will es niemandem verbieten. Merkst du den Unterschied?

      „Niemand kann die Leere (und letztlich Sinnlosigkeit) in seinem Leben ohne Gott wirklich mit irgendetwas anderem befriedigend ausfüllen, auch nicht mit Sex.“

      Das ist deine Meinung, und ich lasse sie dir. Aber bedenke vielleicht mal, dass nicht jeder auf die selbe Art zum Glück findet. Wenn du mit Gott glücklich geworden bist, schön für dich. Nur heißt das nicht, dass andere damit auch glücklich werden.

      Es gibt viele Wege zum Glück. Du musst sie die Menschen nur gehen lassen.

      Zum eigentlichem Thema: Wenn meine Situation sich mal so ändert, dass ich zu einer Prostituierten gehen würde, dann würde ich sie genauso als Person respektieren, wie meinen Versicherungsvertreter, wie meine Putzfrau, wie meinen Arzt, wie jeden Dienstleister, den ich mit einer Dienstleistung beauftrage. Das hat nichts mit der Art der Dienstleistung zu tun.

  3. Christina sagt:

    Also ich fände es toll, wenn man per Gesetz regeln könnte, dass alle Chef’s ihre Mitarbeiter respektvoll behandeln müßten. Kann man aber nicht, weil man die Gedanken des menschlichen Herzens nun mal nicht mit Gesetzen regeln kann.

    Aber ich fände es begrüßenswert, wenn gewerbliche Prostitution mit einem entsprechenden Verbot belegt werden würde. Das ist meine Meinung dazu. Und ich finde nicht, dass jemand, der zu einer Prostituierten geht, diese respektvoll behandelt, egal wieviel Verbeugungen er vor ihr macht. Weil ich unter Respekt wahrscheinlich was anderes verstehe als Du. Ich finde, den Körper von Jemandem gegen Geld zur eigenen sexuellen Befriedigung zu „benutzen“, ohne Verantwortung und ohne Liebe, hat nichts mit Respekt vor dieser Person zu tun. (Aus jedem sexuellen Kontakt können auch immer Kinder hervorgehen – es gibt keine 100 %ige Verhütung. Zahlst Du dann Alimente für dieses Kind bzw. begleitest die Frau bei der Erziehung desselben, was noch viel wichtiger wäre, bist ihm ein Vater? Oder bist Du dann so egoistisch, dass für Dich Abtreibung die beste und einzige Lösung darstellt?).

    „Wenn meine Situation sich mal so ändert, dass ich zu einer Prostituierten gehen würde, dann würde ich sie genauso als Person respektieren, wie meinen Versicherungsvertreter, wie meine Putzfrau, wie meinen Arzt, wie jeden Dienstleister, den ich mit einer Dienstleistung beauftrage. Das hat nichts mit der Art der Dienstleistung zu tun.“

    Wie schon gesagt, ich glaube hier wird was in einen Topf geworfen, was nicht zusammen hineingehört. Einmal geht es um Dinge und ein andermal um den Körper/die Seele einer Person, was nicht miteinander zu vergleichen ist.

  4. Wieso sollte man per Gesetz regeln müssen, dass Chefs ihre „Untergebenen“ respektvoll behandeln? Das sollte an sich selbstverständlich sein, denn ist doch eigentlich auch von „Gott“ gewollt, oder nicht? Heißt es nicht so schön „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst?“ Und ich denke nicht, dass Freier und eine Prostituierte, die auch welchen Gründen auch immer ihren Körper feil bietet, gottloser sind als Menschen, die beständig in die Kirche rennen, beim Gottesdienst an den Lippen ihres Priesters hängen, und nach dem Verlassen der „Heiligen Hallen“ mit äußerst scharfer Zunge über ihre Mitmenschen herziehen. Und sag mir jetzt bitte keiner, dass dem nicht so wäre, dergleichen habe ich in meinem doch schon recht langem Leben bereits zur Genüge erleben dürfen…
    Übrigens, Jesus, den man den Christus nennt, verbrachte ein gerüttelt Maß seiner kurzen irdischen Lebenszeit bei jenen Personen, die in der judäischen Hierarchie ganz, ganz weit unten standen: Zöllner z. B., und auch sogenannten „gefallenen Frauen“. Ich bin kein Bibelkenner, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sich Jesus einmal abfällig oder kritisierend über Liebesdienerinnen geäußert hätte…

  5. Christina sagt:

    „Wieso sollte man per Gesetz regeln müssen, dass Chefs ihre “Untergebenen” respektvoll behandeln? Das sollte an sich selbstverständlich sein, denn ist doch eigentlich auch von “Gott” gewollt, oder nicht?“

    Nicht alles, was selbstverständlich sein sollte, geschieht auch so auf dieser Welt, oder? Außerdem kam diese Bemerkung über die „respektlosen Chefs“ ursprünglich von Alien und nicht von mir (wenn Du mal genau liest), ich habe mich nur auf diese seine Aussage bezogen. Und natürlich ist es unmöglich, dieses wirklich per Gesetz zu regeln. Das habe ich auch geschrieben.

    Ich ziehe hier auch nicht über Prostituierte oder deren Freier als Personen her, sondern ich sage, dass das, „was sie tun“, verkehrt ist. Das ist ein Unterschied. Genauso, wie ich sagen würde, dass Stehlen oder Lügen verkehrt ist (Sünde also, die einem letztendlich auch immer selbst schadet). Und genauso würde ich sagen, dass „über seine Mitmenschen herziehen“ Sünde ist, egal ob man vorher einen Gottesdienst besucht hat oder nicht.

    Wir haben alle gesündigt, mehr als einmal, ich würde sogar behaupten wir tun das täglich. Der eine auf diesem, der andere auf anderem Gebiet. Das spielt keine Rolle. Es ist alles gleich schlimm. Manche Sünden sind vielleicht für die Mitmenschen offensichtlicher (so wie Prostitution, Diebstahl, Wutausbrüche oder dgl.), andere verborgener (z. B. Neid, Hass, schlechte Gedanken). Die verborgenen Sünden sind aber nicht weniger schlimm.

    Aber, etwas Verkehrtes anzuprangern, würde ich nicht als „über jemanden herziehen“ bezeichnen. Man muß noch sagen dürfen, dass Stehlen verkehrt ist. Wo kommen wir sonst hin? Und genauso ist Prostitution verkehrt und schädlich.

    Genauso würde ich sagen, dass Unfreundlichkeit nicht in Ordnung ist und gegen die Gebote Gottes verstößt. Jedes mal, wenn ich gegen Jemanden unfreundlich bin, ist das auch nicht in Ordnung. Aber ich kann jetzt Unfreundlichkeit nicht gut heißen, nur weil ich selbst öfters unfreundlich bin. Und wenn jemand mich jetzt deswegen rügt, dann kann ich nicht sagen, „der zieht jetzt über mich her“, sondern es wäre besser (auch für mich), wenn ich in mich gehen würde und zu mir selbst sagen würde: Ja, die betreffende Person hat ja Recht. Ich sollte mich ändern. Ziehe jetzt die Parallele zur Prostitution.

    Ich hoffe, ich habe mich irgendwie verständlich ausdrücken können.
    So sehe ich die Dinge jedenfalls. Wenn Ihr sie anders seht – nun ja, ich kann es nicht ändern.

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