Das nennt man Krieg

Als ich noch ein Kind war, lief im Urlaub ein Fernseher. Dort wurde in den Nachrichten von einem Kriegsverbrecher berichtet. Ich habe nicht verstanden, was ein Kriegsverbrechen sein soll. Mein Vater konnte es mir in meinem Alter nicht erklären. In Friedenszeiten ist die Tötung von Menschen verboten. Der Krieg ist das massenhafte Töten von Menschen. Wenn also das schlimmste Verbrechen erlaubt ist, was kann dann innerhalb des Krieges noch als Verbrechen gelten?

Die erstaunliche Antwort darauf ist: zum Beispiel Vergewaltigung. Im Krieg wird eine Vergewaltigung bestraft und eine Tötung geduldet bis verehrt. Verkehrte Welt. Aber es wird noch komplizierter. Die Tötung von „Zivilisten“ ist nämlich nicht  erlaubt, während die Tötung von „Soldaten“ ausdrücklich erwünscht ist. Wenn Soldaten immer freiwillig mitmachen würden, und es keine zivilen Opfer gäbe, könnte einem der Krieg ja so ziemlich am Allerwertesten vorbeigehen. Wenn sich dort erwachsene Menschen freiwillig gegenseitig abschlachten, nur zu. Aber dem ist ja nicht mal im entferntesten so. In der Realität leiden die Zivilisten am meisten unter Kriegen. Außerdem gibt es noch Wehrpflicht und zwangsrekrutierte Kindersoldaten. Warum sollte man die töten dürfen?

Wann herrscht Krieg?

Wann darf man jetzt also einen Menschen töten, ohne in den Knast zu kommen? Wenn Krieg herrscht. Wann herrscht Krieg? Wenn viele Leute getötet werden. LOL! Nein so einfach ist es nicht, oder doch? Krieg herrscht, wenn es eine Kriegserklärung gibt. Die gibt es aber auch nicht immer. In Vietnam konnte die Presse alle Gräuel live erleben, weil kein Krieg erklärt wurde. Ein nicht erklärter Krieg sozusagen. Wenn es die Erklärung nicht ausmacht, was dann? Wenn zwei Armeen gegeneinander kämpfen ist auch ohne Kriegserklärung Krieg. Aber das gibt es heute kaum noch. Meistens kämpft eine Armee gegen Guerilla-Kämpfer oder Terroristen. Ist das dann noch Krieg? Die Frage klingt vielleicht unwichtig, ist sie aber nicht. Im Krieg darf man nämlich töten, im Frieden nicht. Wenn also zu Zeiten des Vietnamkriegs Frieden war, müssten die Soldaten und deren Vorgesetzte für jeden Toten gerade stehen.

Gibt es überhaupt noch klare Regeln, nach denen man sagen kann: Es ist Krieg, wir dürfen töten? Nun ja, eine. Die UNO verbietet Angriffskriege, erlaubt aber Verteidigungskriege. Wenn sich jeder daran halten würde, dürfte es gar keine Kriege mehr geben.

Es ist aber auch schon unklar genug, was als Angriff gilt, der einen Verteidigungskrieg rechtfertigt. 2001 wurde beispielsweise ein Terroranschlag als Kriegshandlung gewertet und damit die Bombardierung Afghanistans gerechtfertigt. Was für eine vollkommen schwachsinnige Begründung. Vorher war es wie überall in Rechtsstaaten: Nach einem Terroranschlag hat die Polizei die Täter und Hintermänner gesucht und vor Gericht gestellt. Das wurde nach dem 11. September 2001 natürlich ebenfalls getan. Wozu also das massenhafte Abschlachten in Afghanistan?

Da es heutzutage keine Kriege zwischen Armeen mehr gibt, stellt sich die Frage, ob Krieg noch ein zeitgemäßes Konzept ist, oder ob er generell verboten und geächtet werden sollte. Ich finde, er sollte. Lasst uns Töten weltweit verbieten. Wer tötet wird verhaftet und verurteilt. Es gibt neben Notwehr/Nothilfe kein rechtmäßiges Töten. Krieg ist unnötig. Es profitieren nur ganz wenige, während unzählige Menschen deshalb leiden und sterben.

„Krieg“ gegen den Terror?

Welche Auswirkungen auf die Rechtsstaatlichkeit die Aufweichung des Kriegsbegriffes hat, sieht man am Drohnenkrieg Obamas. Hier kämpfen wieder keine zwei Armeen gegeneinander. Aber weil der Friedensnobelpreisträger Obama behauptet, es wäre Krieg, ermordet er Menschen per Knopfdruck. Natürlich muss er also behaupten, es sei Krieg. Sonst wäre das Töten nämlich illegal.

Wenn das Recht auf ein faires Verfahren mit Füßen getreten wird, weil ein Präsident behauptet, es sei Krieg, dann ist es vorbei mit dem Rechtsstaat. Diskutiert man mit Drohnenangriffs-Befürwortern, argumentieren sie: Die Terroristen hätten den USA den Krieg erklärt, also habe Obama das Recht, sie quasi auf dem Schlachtfeld zu töten. Aber auch im Krieg gibt es Regeln und damit auch Kriegsverbrechen. Gegen die verstößt er ebenfalls, wenn er erstens Gefangene weder wie normale Häftlinge noch wie Kriegsgefangene behandelt und ihnen praktisch keine Rechte zugesteht, zweitens Menschen ermordet, die sich gerade nicht in einer Kriegshandlung befinden, und drittens bei seinen Angriffen regelmäßig unschuldige Zivilisten ermordet. Das Kriegsrecht greift hier einfach nicht, weil es kein Krieg ist (keine erkennbaren Uniformen, keine Möglichkeit des Ergebens, keine Kriegsgefangene). Es handelt sich um die illegale Tötung von Menschen, die vor Gericht gehören.

Was ist denn, wenn ich mich vor das weiße Haus stelle und rufe: „Ich erkläre euch den Krieg.“ Dürfen die mich dann auch einfach töten? Daran erkennt man vielleicht, wie albern es ist, vom „Krieg“ gegen den Terror zu sprechen.

Humanitäre Einsätze

Wenn heute das Militär eingesetzt wird, wird das entweder als „Präventivschlag“ (wodurch das Verbot des Angriffskrieges vollends ad absurdum geführt wird) oder als humanitärer Einsatz. Man versucht also die Zivilbevölkerung vor einem massenmordenden Diktator zu beschützen. Ob der das wirklich tut, wird man wohl nie erfahren, da lange vor so einem Einsatz die Propagandamaschinerie die Wahrheit verbiegt, verdreht und mit ein paar Lügen garniert.

Humanitäre Einsätze heißt übrigens nicht, wie man vielleicht vermuten würde, dass keine Bomben aus Flugzeugen geworfen werden oder Panzer Häuser kaputt schießen. Es heißt nur, dass möglichst viele Böse umgebracht werden sollen, um möglichst viele Gute zu retten. Wer gut und böse ist, ist aufgrund der Propaganda einwandfrei zu unterscheiden. In Libyen zum Beispiel war Gaddafi und seine Anhänger die Bösen, während die Rebellen die Guten waren. Dass die Rebellen zwar Gaddafi gemeuchelt haben und auch sonst nicht besonders viel Respekt vor dem Leben haben, oder genauso wie Gaddafi Foltergefängnisse betreiben, ist ein unwichtiges Detail. Die Guten dürfen sowas schon mal.

Ächtung von grausamen Waffen

Interessant ist, dass Streubomben international geächtet sind, weil sie zu undifferenziert Menschen töten, und auch mal lange nach dem Krieg noch spielende Kinder zerfetzen. Nicht zu den Unterstützern dieser Konvention gehören übrigens:  USA, Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Brasilien. Das heißt, die Guten, USA und Israel, mögen Streubomben genauso wie die Bösen Russland und China.

Heute, wo militärische Ziele umdefiniert wurden zu Wohnhäusern von vermeintlichen Terroristen, müssten eigentlich auch Fliegerbomben und Panzer verboten werden. Diese töten auch alle Hausbewohner, ohne zu differenzieren.

Fazit

  • Rechtsstaatliche Grundsätze dürfen nicht durch fadenscheinige Kriegsbehauptungen ausgehebelt werden.
  • Ein Krieg kann nur zwischen zwei Armeen stattfinden.
  • Militärische Einsätze zum Schutz von Zivilisten setzen objektive Informationen voraus. Daher ist es fraglich, ob es jemals einen gerechtfertigten Einsatz dieser Art geben kann. Meist ist die Situation weit weniger schlimm, als die Propaganda glauben machen möchte. Aber selbst wenn, müsste auch hierbei immer das mildeste Mittel gewählt werden. Bomben aus Fliegern zu werfen, gehört meiner Ansicht nach nicht dazu.

Machts gut!

Euer Alien

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2 Kommentare zu “Das nennt man Krieg

  1. erikschueler sagt:

    Reblogged this on Mission: "Phönix" und kommentierte:
    Ab wann ist ein Krieg ein Krieg und ab wann darf man legal Menschen töten? Die Antworten gibt’s hier in dem Artikel.

  2. […] Also: Ächtung von Luftangriffen. Jetzt. Als erster Schritt in Richtung Ächtung des Krieges. […]

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