Klassenkampf im Kindergarten

Schluss mit den kuscheligen Kindergartenspielchen: Kolumnist Tyler Brûlé findet, dass der Nachwuchs verweichlicht. Knallharte Siegertypen müssen herangezogen werden – das ist nicht nur besser für Olympia, sondern für ganze Volkswirtschaften.

So ist es. Starke Kinder sollen sich endlich wieder stark fühlen dürfen, damit sich schwache Kinder schwach fühlen können. Die Kleinen müssen schon lernen, wie die Gesellschaft tickt. Gesellschaftsänderung ist nicht erwünscht. Ellbogenmentalität, nach oben buckeln, nach unten treten. Das sind die Werte, die wir unseren Kindern vermitteln müssen. Nur der Starke hat ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Stark heißt:

  • Scheiß auf die Bedürfnisse der anderen, außer sie nutzen dir.
  • Kümmer dich nur um dich selbst und um Leute, die dir nutzen.
  • Sei ein Workaholic. Arbeit ist das einzige im Leben, das zählt.
  • Lass andere für dich schuften, während du das Geld kassierst.
  • Die Umwelt ist dafür da, deine Gier zu befriedigen. Nimm, was du willst.

Tyler erzählt von einem Gespräch mit einem Freund, wie sich der japanische Sportlehrplan weg vom Wettkampfgedanken hin zu kooperativen Spielformen entwickelt:

Während ich mir diesen Unsinn noch mit offenem Mund anhörte, erklärte mein Freund weiter, es gehen nun vor allem darum, dass „jeder sein Bestes gibt“, statt sich auf die Konkurrenz mit den anderen zu konzentrieren. Die Ziellinie solle als Team erreicht werden, nicht als Individuum.

Genau. Was für ein Unsinn. Zusammenarbeit ist der letzte Scheiß. Sich allein gegen alle Schwachen durchzusetzen, das muss die Devise sein. Und überhaupt: Was ist das Beste von einem Nichtsnutz schon wert. Er soll ruhig wissen, dass sein Bestes nichts taugt!

Wenn überhaupt ein Land seiner Jugend beibringen sollte, konkurrenzfähiger zu sein, dann doch wohl Japan. Niemand sonst hat es so nötig, seiner nächsten Generation Feuer unterm Hintern zu machen als ein Staat, der seit etwa zwei Jahrzehnten stagniert und dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit höchstens noch Bronze abbekommt.

Die heilige Kuh der Wettbewerbsfähigkeit ist natürlich viel wichtiger als ein ausgeglichenes glückliches Leben. Wo kämen wir hin, wenn Leute mit ihrem Leben zufrieden wären. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen, wenn nicht alle mehr und mehr und mehr wollten.

Der Schwachsinn geht noch weiter:

Konkurrenz zu verbieten, nimmt der Kindheit nicht nur jeden Spaß, sondern ist auch schlicht falsch. Jugendlichen werden enttäuscht sein, wenn ihnen nur beigebracht wird, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern, ohne sich dabei mit anderen zu messen. Und wenn sie merken, dass der Rest der Menschheit seit Jahrzehnten gelernt hat, rauszugehen und anderen in den Arsch zu treten.

Kinder sollen sich nicht im Rahmen ihrer Möglichkeiten entwickeln, wenn sie zu schlecht sind. Dann wäre es besser gleich freiwillig den löffel abzugeben und das Feld den wertvollen Menschen zu überlassen.

Lehrplan für den Kindergarten: Jeden Tag sollen sich die Kinder eine Stunde in den Arsch treten. Nur dann werden sie WERTvolle Mitglieder der Gesellschaft.

Jeder liebt Gewinner. Schlicht und einfach. Die meisten Kulturen sind darauf ausgelegt, ein Idol zu verehren. Egal, ob das gut oder schlecht ist, wir sind nun mal so konditioniert. Gewinner sind attraktiv. Ja, das Leben ist hart.

Egal ob das gut oder schlecht ist. Auch wenn es schlecht ist, gibt es keinen Grund, das zu ändern. Gesellschaftsentwicklung ist für ihn ein Fremdwort. Die USA hören wohl auf diesen Schwachmaten. Wirtschaftlich entwickelt, gesetzesmäßig im Mittelalter steckengeblieben. Oder China. Die besten Sportler, weil es in ihrem Leben nichts anderes gibt. Weil sie staatlich zur Sportmaschine, wenn nötig auch mit Doping, verwandelt werden. Das ist natürlich Leistung, wie sie Tyler gut findet. Gewinner sind eben attraktiv. Und Verlierer sind die Nichtsnutze, mit denen keiner etwas zu tun haben will. Es hängt alles von der sozialen Großzügigkeit der Gewinner ab, ob sie noch ein normales Leben führen dürfen.

Zum Schluss:

Während Olympia in London noch im Gange ist, setze ich große Hoffnungen darauf, dass Brasilien in der Lage sein wird, das Ruder herumzureißen. Die südamerikanische Nation könnte zeigen, dass es völlig in Ordnung ist, gewinnen zu wollen, statt sich auf nervige Kindergartenkonzepte einzulassen. Schließlich muss man ein Land lieben, dass die ganze Welt in seinem Außenministerium im Itamaraty Palast in Brasilia willkommen heißt und von Staatsoberhäuptern verlangt, die Oscar-Niemeyer-Treppen hochzusteigen – ohne jedes Geländer.

Diese nervigen Kindergartenkonzepte sollten mal Pflichtprogramm bei den ganzen Massenmördern Barack Obama, Angela Merkel, Benjamin Netanjahu, Mahmud Ahmadinedschad, Abdullah ibn Abd al-Aziz, Chalifa bin Salman Al Chalifa, Hu Jintao und wie sie alle heißen, sein. Dann würden sie vielleicht endlich mal mit diesen schwachsinnigen Kriegen aufhören. Auf die Wuttreppe im Gefängnis mit euch.

Konkurrenz heißt einfach nur zusammenlaufen. Das könnte man auch kooperativ verstehen. Wenn man wollte.

Was für eine armselige Dumpfbacke!

Machts gut!

Euer Alien

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11 Kommentare zu “Klassenkampf im Kindergarten

  1. M.E. sagt:

    Unglaublich. Ich dachte, solchen Schwachsinn traut sich keiner mehr, zu veröffentlichen. Erst dachte ich, und was macht er wenn er feststellt, dass die Leute in Somalia, die wissen, wie man ohne Strom und fließend Wasser lebt, ihm haushoch überlegen sind? Aber dann ist mir klar geworden, Geld ist für ihn ja auch eine Körperfunktion! Der verteidigt nur seine dämlichen Privilegien. Arme behinderte Menschen sollten also am besten gleich krepieren…
    Ich hab jetzt im SPON-Artikel ein noch „besseres“ Zitat gefunden:
    „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Olympischen Spiele kurz davor stehen, ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Und das alles durch ein paar Kräfte, die der Meinung sind, dass wir weniger arbeiten, keine gottgegebenen Vorteile über andere haben sowie zusammenarbeiten und nach Gemeinsamkeiten suchen sollten, statt unsere Kräfte darauf zu konzentrieren, als Erster die Ziellinie zu erreichen.“

    Alles klar mit den „gottgegebenen Vorteilen“? Im Absatz davor geht es um den Wettkampf der Nationen. Ist das also noch Rassismus oder schon Faschismus?

    • Alien sagt:

      Für so etwas gibt es kein Wort, das bösartig genug ist.

      „Und das alles durch ein paar Kräfte, die der Meinung sind“

      Vor allem, wer meint das nicht? Es gibt sicher so ein neoliberale Vollidioten, wie diesen Tyler, aber die Mehrheit kann so einen Blödsinn doch hoffentlich nicht glauben.

      Außerdem haben die zwei Sachen überhaupt nichts miteinander zu tun. Man kann im Berufsleben kooperieren und dann an sportlichen Wettkämpfen zum Spaß teilnehmen. Das schließt sich nicht aus. Der Breitensport machts vor. Dort wird der letzte Marathonläufer, der das Ziel erreicht noch mal ganz besonders bejubelt.

  2. M.E. sagt:

    Ah ja, bei Zwillingen empfiehlt sich natürlich auch der Kampf im Mutterbauch. Wozu Ressourcen teilen, wenn man die Konkurrenz so einfach ausschalten kann?

    • Alien sagt:

      Gute Idee. Die sollten wir ihm mal vorschlagen. 😀

      Vielleicht merkt er dann mal, was für einen Bockmist er schreibt. Äh, nein, merkt er sicher nicht.

  3. Joan sagt:

    Bist du sicher, dass das keine Satire ist? Abgesehen davon: Sackhüpfen um die Wette finde ich völlig okay. Dann können die kleinen Siegerlein nämlich lernen, dass sie sich nicht übermäßig viel drauf einbilden sollen, und die Verlierer bei irgendeiner anderen „Disziplin“, dass sie andere Stärken haben. Sowas ist allerdings schwieriger zu vermitteln, als einfach alle gleich über die Ziellinie hüpfen zu lassen

    sagt die komplett teamuntaugliche
    Joan

  4. monalizani sagt:

    Reblogged this on MonaLizani und kommentierte:
    Jede Prägung (in dem Fall libertär) ist nur wirksam, wenn sie frühzeitig beginnt

  5. Rowen sagt:

    …. ich sehe vor mir, was aus den Kindern wird. Mittermeier hat es so nett „Arschloch-Kind“ getauft, diese Pflegefälle bei der „Supernanny“ die sich so benehmen als könnten sie alles tun und auf nichts Rücksicht nehmen. Man sollte den Kindern statt „Konkurrenzfähigkeit“ lieber „Respekt“ beibringen.

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