Die nackte Gefahr

Joachim Herrmann, seines Zeichens bayerischer Innenminister, stellt neue Polizisten ein. Schließlich haben die im Freistaat viel zu tun. Zum Beispiel gefährliche Nackedeis zu jagen:

Ein nackter Mann fuhr in der Nacht zum Freitag durch ein Gewerbegebiet in Dachau mit seinen Inline-Skates:

Ein 19-jähriger Röhrmooser traute seinen Augen nicht, als er kurz vor Mitternacht den splitternackten Rollerblader durch das Gewerbegebiet flitzen sah. Der junge Mann verständigte die Polizei, verlor die Person bis zum Eintreffen der Streife aber aus den Augen. Die Beamten fahndeten sofort nach dem Mann und hatten ziemlich schnell Erfolg. Als der nackte Skater in ein Feld flüchten wollte, nahmen sie seine Verfolgung auf und konnten ihn nach kurzer Zeit stellen.

Der letzte Satz ist der beste:

Die Polizei prüft derzeit, ob der Mann mit seinem eigenwilligen Verhalten gegen Straf- oder Bußgeldvorschriften verstoßen hat.

Also, sollte ich als Polizei nicht vor der Verfolgung eines Menschen wissen, ob dieser irgendwelche Vorschriften verletzt? Wird jetzt jeder gejagt, der einem verdächtig vorkommt, um im Anschluss zu prüfen, ob er vielleicht irgendwas verbrochen hat?

Wenn es stimmt, was bei Wikipedia steht, hat er sich außerdem keines Vergehens schuldig gemacht, da er lediglich Nacktsport betrieben hat:

Nach einem Urteil des BayObLG von Mitte 1998 (2 St RR 86/98) ist der Tatbestand des Exhibitionismus nur dann erfüllt, wenn die Entblößung der sexuellen Befriedigung dient. Ist dies nicht der Fall, kann nicht von Exhibitionismus gesprochen werden. Nacktheit und damit auch Nacktsport in der Öffentlichkeit alleine ist daher in Deutschland (und der Schweiz) nicht strafbar.

Das ist doch mal eine klare Ansage. Entschärfend kommt in diesem Fall hinzu, dass er kurz vor Mitternacht, also im Dunkeln, durch ein Gewerbegebiet (wo sich um die Zeit also praktisch niemand aufhält) gefahren ist. Er hat sich nicht etwa auf dem großen Marktplatz präsentiert.

Zwei Fragen drängen sich mir damit auf: Was hat der 19-Jährige, der die Polizei verständigt hat, für ein Problem? Hat die Polizei nichts zu tun? Lasst doch den armen Mann in Ruhe. Jagt lieber echte Verbrecher.

Machts gut!

Euer Alien

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7 Kommentare zu “Die nackte Gefahr

  1. sonnyraven sagt:

    Ich frage mich, was ein 19-Jähriger des Nachts in einem Gewerbegebiet überhaupt zu suchen hat…

    • Alien sagt:

      Hm, wahrscheinlich keinem illegalen Gewerbe nachgehen, sonst hätte er bestimmt nicht die Polizei gerufen. Aber ja, schon seltsam.

  2. Ach, der Herrmann – da schweigt jetzt besser des Sänger’s Höflichkeit…
    Es gibt übrigens Neues von Frau Haderthauer:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/bericht-zur-sozialen-lage-in-bayern-haderthauer-veraergert-wohlfahrtsverbaende-1.1423403

  3. humanicum sagt:

    In den USA ist die Prüderie auf die Spitze getrieben. Meine Freundin und ich badeten in Florida nachts nackt im Meer, als plötzlich eine Streife auffuhr. Wir wurden verhaftet und in die Arrestzelle gebracht, in der wir – getrennt und ohne Klamotten – bis zum nächsten Morgen ausharren mussten. Danach gings zum Gericht (mit Häftlingsklamotten!). Dort verurteilte man uns zu je 20 Dollar Starfe, anstelle von 400 Dollar, weil wir ja unwissende Ausländer seien. Das war dann auch der Wendepunkt in meiner Einstellung zum Land, nachdem ich Kirchen-Gehirnwäsche, Armee-Propaganda und texanischen Kuklux Talk mitbekommen hatte. USA.USA.USA. Übrigens, im Kino singt man dort stehend die Nationalhymne. Wer sitzen bleibt oder keinen Ton von sich gibt, wird zusammengefaltet. Das ist das Land, welches von sich aus behauptet, am kultiviertesten zu sein. hmmmphh….nö ich lache nicht, ich rolle…

    • Alien sagt:

      „nachts nackt im Meer“

      Na stell dir mal vor, da kommt ein Kind vorbei 😀 😀

      Was hat da eigentlich eine Streife zu suchen?

      • humanicum sagt:

        Die waren mit Infrarot ausgestattet. Und das beste war, als ich sie fragte, ob man mit so einer riesigen Reifenbreite, nicht doch den Strand ruinieren würde, sie sich nur kurz anguckten, und dann die Handschellen springen liesen. Den Rückspiegel hatten die Spanner- Swat-Einheit immer auf meine Süsse gerchtet.
        Kinder gab es am Srand auch; Krebs zum beispiel, etwas weiter vorne, der kleine Tümmler von nebenan; und ach ja, die Stachelroche im Flachwasser, der gottseidank noch zu glibbrig war, um wirklich stechen zu können.

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