Böse Tafel

Folgende Argumentation habe ich jetzt schon an mehreren Stellen gelesen oder gehört, und meine erste emotionale Reaktion war: So ein Schwachsinn. Aber seht selbst:

Die Tafel sorgt durch ihre Linderung der Armut dafür, dass Armut zementiert wird, da der Staat sich dann auf die Tafel beruft und daher die Leistungen kürzt.

Allerdings sind die Argumente für diese Sichtweise gar nicht so übel:

Grundlage für die Sorge, dass der Staat als Reaktion auf die Hilfe durch Dritte die Mittel kürzen könnte, die er im Rahmen seiner Fürsorgepflicht für Bedürftige aufbringen müsste, ist § 9 SGB I. Dort heißt es: „Wer nicht in der Lage ist, aus eigenen Kräften seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder in besonderen Lebenslagen sich selbst zu helfen, und auch von anderer Seite keine ausreichende Hilfe erhält [sic!], hat ein Recht auf persönliche und wirtschaftliche Hilfe, die seinem besonderen Bedarf entspricht, ihn zur Selbsthilfe befähigt, die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht und die Führung eines menschenwürdigen Lebens sichert. Hierbei müssen Leistungsberechtigte nach ihren Kräften mitwirken.“

Das stimmt mich etwas zwiespältig, da ich die Idee der Tafel eigentlich gut finde. Auch aus ökologischer Perspektive: Statt Lebensmittel wegzuwerfen, werden sie richtig genutzt.

Machts gut!

Euer Alien

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5 Kommentare zu “Böse Tafel

  1. Violet Teki sagt:

    Natürlich hat das ohnehin marodierende Staatssystem die Tendenz zu denken, dass wenn dort ohnehin geholfen wird, man ja die staatliche Hilfe einstellen kann. Ich bin selbst beim „Team Österreich“
    http://apps.teamoesterreich.at/
    und werde dort auch bei der Team Österreich Tafel mitmachen, einfach weil es eine Schande ist, wieviel Nahrungsmittel weggeworfen werden, während andere Hunger haben und weil man selbst, wenn es einem gut geht, sich immer wieder vor Augen führen sollte, dass es anderen nicht so gut geht.
    Natürlich bedarf es einer grundlegenden Systemänderung, aber bis dahin muss auch so geholfen werden.

    • Alien sagt:

      Klingt vernünftig. Warum kann man nicht parallel Nothilfe leisten UND Systemkritik üben. Es wäre ja auch nicht sinnvoll, auf Kosten von Hungernden seine sinnvollen politischen Ziele durchsetzen zu wollen.

  2. M.E. sagt:

    Ich denke, ein guter Ansatz wäre, den Zwang zum Nachweis von Bedürftigkeit abzuschaffen. So wie es jetzt ist, wird die Tafel wirklich vom Staat vereinnahmt. Weil der Staat eben entscheiden darf, wer sie nutzt. Bei einem Umsonstladen z.B. ist das anders, niemand fragt dich, warum du die Sachen brauchst, ob du nun offiziell arbeitslos bist oder einfach schon seit Monaten auf die Auszahlung wartest oder ob du einfach aus politischen oder ökologischen Gründen dort unterwegs bist. Das macht die Sache einfacher.
    Außerdem ist es einfacher für die Betroffenen, wenn keine geschlossenen Gruppen nach Status und Einkommen geschaffen werden. Mir ist es oft peinlich, dass ich Essen geschenkt bekomme, Kleidung aus dem Umsonstladen und Möbel vom Sperrmüll hole. Weil ich dazu gezwungen bin, die Wahl ist einfach nicht da. Wenn ich aber darüber nachdenke, was ich tun würde, wenn ich nicht gezwungen wäre, dann fällt mir ein, dass ich zum Teil doch das Gleiche tun würde. Weil es das Richtige ist, Ressourcen zu sparen und möglichst viele Sachen ohne Geld zugägnglich zu machen. Nur wäre das dann nicht aus Not sondern aus Überzeugung, was natürlich viel cooler klingt.

    • Violet Teki sagt:

      Im Prinzip spitzt sich alles immer wieder auf ein System mit Bedingungslosem Grundeinkommen zu – damit fallen alle Kontrollen und Spitzeltätigkeiten des Staates weg … im derzeitigen System bleibt es immer ein Kampf, wer wen ausnutzt, wie man vermeintlich kontrollieren muss, wer wen wie ausnutzt und darum Gesetze, Überwachung und Kontrolle braucht.

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