Sterbehilfe

Die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte überlässt die Regelung der Sterbehilfe den einzelnen Ländern. Ob ich das gut finden soll, weiß ich nicht. Der eigentlich untragbare Zustand, dass Menschen zum Sterben in die Schweiz fahren, ist ziemlich unbefriedigend.

Aktuelle Rechtslage

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland als Tötung auf Verlangen strafbar, in den Niederlanden nicht unbedingt. Beispielsweise ist es also nicht erlaubt tödliche Medikamente zu verabreichen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar, in Österreich schon. Zum Beispiel besorgt jemand nur das Gift, die sterbende Person nimmt es aber freiwillig selbst. Passive Sterbehilfe ist erlaubt. Dies bedeutet das Unterlassen lebensverlängernder Maßnahmen.

Obwohl also Beihilfe zum Suizid in Deutschland nicht strafbar ist, musste die Frau, um die es im obigen Urteil ging, in die Schweiz, weil Ärzte Probleme mit dem Arzneimittelgesetz bekommen können, wenn sie tödliche Dosen an Betäubungsmitteln verschreiben.

Sterbehilfe moralisch gerechtfertigt?

Geht man von einem selbstbestimmten mündigen Menschen aus, so spricht grundsätzlich nichts gegen eine Selbsttötung. Tut er es selbst und selbstbestimmt haben wir es allerdings nicht mit Sterbehilfe zu tun, weil dazu keine andere Person notwendig ist.

Sterbehilfe ist erst dann von Nöten, wenn die Person, die sterben möchte, nicht selbst in der Lage ist, sich so zu töten, wie sie es möchte. Entweder kann sie es gar nicht, weil sie bewegungsunfähig ans Bett gefesselt ist, oder sie könnte nur schmerzhafte Methoden anwenden, was sie nicht will.

Damit Sterbehilfe gerechtfertigt ist, muss die Person, die sich das Leben nehmen will, aus freiem Willen entscheiden. Und da haben wir den Salat. Denn wie soll ein Außenstehender entscheiden, ob die Entscheidung zu sterben nur aus einer Depression resultiert, oder ob es eine nach Abwägung der Tatsachen freie Entscheidung des Patienten ist?

Erschwerend kommt noch hinzu, dass Psychologen von einem natürlichen Selbsterhaltungstrieb ausgehen, so dass man alle die, die sterben wollen, als psychisch krank bezeichnen KÖNNTE. Damit wären sie nicht mehr in der Lage die Situation angemessen zu beurteilen, und müssten vor sich selbst geschützt werden

Damit dieses Dilemma nicht so starke Auswirkungen hat, wird in Deutschland immer noch die tödliche Krankheit gefordert. Sterbehilfe solle also erst dann legal sein, wenn der Patient sowieso bald sterben werde, und keine Chance auf Heilung bestünde. Diese Unterscheidung ist bei genauerem Nachdenken gar nicht so klar, wie es anfänglich scheint. Wie lange nämlich muss es noch bis zum Tod dauern, damit man diesen vorzeitig herbeiführen darf? Zwei Wochen, drei Monate, ein Jahr, fünf Jahre?

Jetzt, nachdem ich keine Meinung vorgekaut habe ;-), frage ich nach eurer.

Machts gut!

Euer Alien

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15 Kommentare zu “Sterbehilfe

  1. Grundsätzlich bin ich dafür, daß jeder Mensch selbst entscheiden darf, wie und wann er sterben will, aus welchen Gründen auch immer. Es gibt so viele difizile Fälle, da können Aussenstehende das Maß des Leidens nicht beurteilen. Ausserdem würde ich es für sinnvoll halten, wenn jeder Mensch diese Frage in einer Patientenverfügung beantwortet, bevor er in so eine Lage kommt. Natürlich muß er sich auch dann noch umentscheiden können, denn ein todkranker Mensch beginnt oftmals seine Einstellungen und Ansichten zum Leben und zum Tod zu ändern. Ich selbst habe meine Familie durch Krebserkrankungen verloren und war ebenfalls schon von einer tödlichen Krankheit betroffen. Auf keinen Fall hätte ich gewollt, daß der Staat oder irgendeine andere Institution über Leben oder Sterben entscheidet. mehr über mich: http://iris-buecker.de … iris bücker

    • Alien sagt:

      Ich stimme da prinzipiell voll zu, sehe aber hier ein Problem:

      „Natürlich muß er sich auch dann noch umentscheiden können“

      Was, wenn sich jemand umentscheidet, dies aber nicht mehr mitteilen kann, und doch nicht sterben möchte?

      • da würde ich persönlich sagen: im Zweifel für das Leben.

        • Alien sagt:

          Genau, und deshalb könnte man argumentieren, dass Patientenverfügungen hinfällig sind, da man immer davon ausgehen könnte, er habe vielleicht seine Meinung geändert.

          Gar nicht so einfach.

          • stimmt, einfach ist das nicht. aus meiner eigenen erfahrung mit sterbenden (krebs endstadium) hatte ich jedesmal das gefühl, dass jeder mensch so lange wie möglich leben möchte, wenn das weitgehend schmerzlos möglich ist (so bei meiner mutter geschehen). bei meinem vater war die situation ganz anders. er war nicht mehr bei bewußtsein und nur noch an lebensverlängernden apparaten. wir haben dann entschieden, die apparate abzuschalten und ihn soweit möglich schmerzfrei gehen zu lassen. weil die situationen oft sehr difizil sind (s.o.), ist eben eine patientenverfügung möglicherweise hilfreich bei einer entscheidungsfindung. ich meine damit, daß man den vorgang nunmal nicht generalisieren kann.

  2. EuroTanic sagt:

    Wer Tote zum Leben erwecken kann, der soll auch das Recht erhalten Lebende zum Tod zu führen. Ansonsten bin ich gegen Euthanasie.

    • Alien sagt:

      Und was ist dann mit passiver Sterbehilfe? Damit wird ja nur Leben nicht künstlich verlängert, sondern dem überlassen, der Tote zum Leben erwecken kann.

  3. Pit sagt:

    Ehe man über dieses Thema diskutiert, sollte man doch erst mal jedem Menschen, unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten, ein würdevolles und schmerzfreies Sterben ermöglichen. Ich glaube dann wäre dieses Thema vom Tisch.Ein häufiges Argument für eine diesbezügliche Patientenverfügung ist doch, das man nicht seinen Angehörigen zur Last fallen möchte. Man hat uns eingetrichtert, das wir nur Humankapital sind und keine Menschen.

    • Alien sagt:

      „Ich glaube dann wäre dieses Thema vom Tisch.“

      Nicht bei Situationen, in denen die Medizin das Sterben verlängert. Wie lange soll jemand an Herz-Lungen-Maschinen angeschlossen werden, bis er endlich sterben darf?

      „Ein häufiges Argument für eine diesbezügliche Patientenverfügung ist doch, das man nicht seinen Angehörigen zur Last fallen möchte.“

      Das ist natürlich ein Problem.

  4. Christina sagt:

    Ich möchte mal noch einen Punkt zu bedenken geben, an den bei der ganzen Sache eigentlich kaum jemand denkt.

    Laut demographischem Wandel werden wir in den nächsten Jahren immer mehr alte Menschen und immer weniger junge Menschen in Deutschland haben. Das wird eine Menge Probleme zur Folge haben, vor allen Dingen auch finanzieller Art. Alte Menschen kosten die Krankenversicherung, Pflegeversicherung und auch den Steuerzahler mehr Geld als das bisher so der Fall war.

    Wenn jetzt die Sterbehilfe legalisiert würde, vielleicht würde sich dann manch ein alter Mensch von seinem Umfeld mit vorwurfsvollen Blicken betrachtet sehen, nach dem Motto: Was denn, Du lebst immer noch und liegst uns auf der Tasche? Warum machst Du Dich nicht bald vom Acker, schließlich gibt es inzwischen doch die Möglichkeit dazu. Manch einer könnte sich durchaus genötigt sehen, seinem Leben ein Ende zu machen, weil er ja nur noch eine Belastung für sein Umfeld ist. Also ich könnte mir gut vorstellen, dass sich das alles mal so entwickeln könnte.

    Ich kann den Wunsch von manchen Leuten durchaus nachvollziehen, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen, vor allen Dingen, wenn das Leiden mit großen Schmerzen verbunden ist. Doch ich glaube bei richtiger Medikation wäre dieses Problem heutzutage eigentlich keins mehr.

  5. Pit sagt:

    @ Alien,
    ja das stimmt, oft werden Menschen die eigentlich nicht mehr leben, mit Hilfe der Apparatemedizin künstlich am Leben erhalten. Das geschieht allerdings auch nicht aus humanistischen Gründen, sondern aus finanziellen. Man sollte da wirklich nicht alles was machbar ist auch machen, das ist genauso menschenunwürdig.

  6. M.E. sagt:

    Ich denke, das Recht auf eigenen Tod ergibt sich logisch aus dem Recht auf Leben. Denn wenn es kein Recht auf den Tod gibt, gibt es auch kein Recht auf Leben, sondern nur die Pflicht, zu leben.

    • Alien sagt:

      Das ist wahr. Es ist eben nur schwierig zu entscheiden, was derjenige will, wenn er im Koma liegt oder aus anderen Gründen nicht ansprechbar ist.

      • M.E. sagt:

        Ja, das Problem ist echt kaum zu lösen. Aber es existiert jetzt auch schon die ganze Zeit. Man kann auch kleine Kinder oder etwa andere Spezies (bis auf ein paar Affen) nicht wirklich fragen, was sie sich wünschen.
        Aber ich kann auch nicht auf alles eine Antwort wissen. Wenigstens bei den Menschen, die schwer krank sind und sich äußern können, oder noch schlimmer, bei denen, die erst staatlich gefoltert oder ausgehungert werden (auch in Deutschland z.B. bei 100%-ALG-II-Kürzung) und dann auch noch für verrückt erklärt werden, wenn sie sterben wollen, ist die Situation wohl klar. Der Staat darf mich töten, ich mich aber nicht – wieso?
        Ich denke, Selbsttötung ist nicht umsonst in so vielen Religionen verboten. Ein Mensch, der um jeden Preis am Leben bleiben will, ist einfacher auszunutzen.

  7. Lebensschutz sagt:

    Ich halte aktive Sterbehilfe oder die Beihilfe zum Suizid nicht für den richtigen Weg. Statt dessen sollte stärker versucht werden, die Ursachen für den Todeswunsch zu beseitigen (Angst for Schmerzen, finanzielle Sorgen, Einsamkeit oder Kontrollverlust usw.). So ist z.B. bei Krankenheiten, die bald zum Tode führen, die Palliativmedizin der bessere, da menschlichere Weg. Sie hilft beim Sterben, führt es aber nicht herbei.

    Hier noch ein guter Link zum Thema: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Pro-und-Contra.html

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