Wikipedia ist frauenfeindlich

Wie schon die taz, so fällt anscheinend auch die „Welt“ auf Logikfehler herein. „Wikipedia will weiblicher werden“ titelt sie. Dabei wird ein Problem herbeigeredet, dass nicht existiert:

Angesichts der Anonymität des Internets werde vielen das Problem erst bei den Jahrestagungen der Wikipedianer bewusst, denn da springe es ins Auge.

Was springt ins Auge? Das sich mehrheitlich Männer für Wikipedia engagieren. Das darf natürlich nicht sein. Oder doch?

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich gegen eine Frauenquote, aus dem simplen Grund, dass dadurch objektiv Männer benachteiligt werden. Ich bin allerdings mit den Befürwortern einer Meinung, dass es nicht angehen kann, das Chefs Frauen nur deshalb nicht einstellen oder befördern oder anständig bezahlen, nur weil sie Frauen sind.

Ist dies bei Wikipedia der Fall? Selbstverständlich nicht. Es interessiert niemanden, welches Geschlecht der Autor irgend eines Artikels hat, zumal das aus dem Pseudonym oft nicht mal hervorgeht. Wozu also die ganze Aufregung. Hier herrscht (oder heißt das jetzt damt ;-)) gelebte absolute Gleichberechtigung der Geschlechter. Jeder und jede kann mitmachen. Kein Problem also. Wenn man kein Problem hat, macht man sich halt eines. Wikipedia ist nicht sexistisch, höchstens ihr Gründer und obiger „Welt“-Artikel. Dort steht nämlich:

Auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gestand auf der Jahrestagung das Problem ein. Er machte das an einem konkreten Beispiel fest: Kaum war in Wikipedia ein Artikel über das Hochzeitskleid von Prinz Williams Frau Kate Middleton erschienen, regten sich viele darüber auf und forderten, den Text umgehend zu löschen.

«Es wäre ein großer Fehler zu behaupten, so etwas sei belangloses Frauen-Geschwätz und gehöre deshalb nicht in ein Lexikon», warnte er. Schließlich gebe es in Wikipedia beispielsweise Hunderte Beiträge über das Linux-Betriebssystem, die nur Computerfreaks wirklich interessierten.

Nur Frauen interessieren sich also für Hochzeitskleider und nur Männer für Linux. Was für ein Geschwätz. Auch im folgenden Absatz wird deutlich, was man von den technischen Fähigkeiten der Frau als solches hält:

Aber nicht nur die Inhalte sind ein Problem. Auch das nicht ganz einfach zu bedienende Programm zum Schreiben und Bearbeiten der Artikel stellt Frauen – wie Männer – vor eine große Herausforderung. «Frauen wünschen sich ein anderes Design», weiß Steirch. «Die meisten glauben nicht, dass sie Texte bearbeiten können.» Einen wichtigen Schritt, das zu ändern, haben die Wikipedia-Macher kürzlich getan: Im Juni stellten sie die Testversion eines benutzerfreundlicheren Programms zum Editieren von Artikeln vor.

Der Einschub „wie Männer“ soll das zwar relativieren, die Intention bleibt aber dieselbe: Frauen trauen sich nicht an den technischen Kram heran, während sich vor allem Männer nicht so leicht davon abschrecken lassen. Wenn das nicht sexistisch ist, weiß ich auch nicht. Oder wie seht ihr das?

Machts gut!

Euer Alien

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18 Kommentare zu “Wikipedia ist frauenfeindlich

  1. erikschueler sagt:

    Es wird immer ein Thema geben, welches MANN mehr interessiert als FRAU, d. h. auch nicht, dass das ganze Thema frauenfeindlich ist. Es ist halt Geschmackssache und Geschmäcker sind halt verschieden =)

    • Alien sagt:

      Das hat zwar möglicherweise mehr mit Erziehung als mit natürlichem Geschmack zu tun, aber dennoch soll doch jeder Mensch machen dürfen, was er will. Und wenn nun mal weniger Frauen Bock auf Artikel schreiben bei Wikipedia haben, dann ist das eben so.

  2. Anonymous sagt:

    „Schließlich gebe es in Wikipedia beispielsweise Hunderte Beiträge über das Linux-Betriebssystem, die nur Computerfreaks wirklich interessierten.

    Nur Frauen interessieren sich also für Hochzeitskleider und nur Männer für Linux. Was für ein Geschwätz.“

    Er sagt doch nicht Computerfreaks sind nur Männer. Es gibt auch weibliche Computerfreaks Es ist eben eine Gruppe mit besonderem Interessen. Genau wie es auch Männer und Frauen gibt die sich für Mode Interessieren. Du interpretierst da eine sexsistische Aussage rein, wo eigentlich keine ist. grinz frech

  3. Christina sagt:

    Ich glaube nicht , dass das was mit Erziehung zu tun hat, ob man sich für Technik interessiert oder nicht, fürs Kochen oder nicht usw.
    Also mich hätte man mit Technik erziehen können, ich hätte damit heute trotzdem nicht viel am Hut und könnte dann meinen Eltern heute vorwerfen, dass sie mich als Kind gequält hätten, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich nicht interessierten.

    Mein Mann hat noch zwei Brüder, aber nur einer von den dreien interessiert sich fürs Kochen und kocht auch zu Hause, obwohl alle die gleiche Mutter und die gleiche Erziehung genossen haben.

    Ich denke, es ist zum großen Teil genetische Veranlagung, für was man sich interessiert. Und genetisch bedingt interessieren sich nun mal mehr Frauen für Frauenberufe und nur eine geringe Minderheit für Technik. Bei den Männern genau umgekehrt. Ist das nun schlimm? Ich finde es ist normal. Diese ganze Gleichgerede ist doch großer Unsinn.

    Stattdessen sollte die Gesellschaft lieber dafür sorgen, dass Mann und Frau, wenn sie dieselbe Tätigkeit ausführen, auch dasselbe Gehalt bekommen. Denn das scheint es wohl so noch nicht zu geben.

  4. M.E. sagt:

    Aus meiner Sicht sieht das ziemlich krass anders aus… Der Artikel scheint ja wirklich mehr als dürftig zu sein, und die darin reproduzierten sexistischen Klischees sind sowieso jenseits jeder vernünftigen Diskussion.
    Dass das Problem der (Unter-)Repräsentation von bestimmten Gruppen (z.B. Frauen oder Migrant_innen) in der Öffentlichkeit (ob das jetzt nun Wikipedia oder Parteien oder Vereine sind) nicht existiert… dem kann ich nicht zustimmen.
    Richtig ist auf jeden Fall, dass es ein logischer Fehler wäre, aufgrund von einem geringen Frauenanteil der Mitglieder gleich anzunehmen, eine Organisation wäre frauenfeindlich.
    Der geringe Frauenanteil muss dennoch irgendeinen Grund haben. Das Problem gibt es doch in ganz vielen Institutionen, ein Zufall ist da für mich langsam ausgeschlossen. Ich denke, in diesem Fall ist Wikipedia eben nicht im Vakuum entstanden, sondern ist auch Teil der Welt, und die Welt ist von Gleichberechtigung ewig weit entfernt. Entsprechend gibt es vermutlich auch bei Wikipedia keine Gleichberechtigung – nur ist das wohl nicht die Schuld der Enzyklopädie, sondern der Strukturen, die weibliche und männliche Personen sozialisieren. Ich habe sehr oft schon die Erfahrung gemacht, dass die meisten Mädchen/Frauen sehr viel bescheidener sind als Männer und Jungs, ihre Meinung nicht so laut rausschreien und viel schneller an sich zweifeln und Scham für ihre Fehler empfinden. Daher nimmt man weibliche Personen überhaupt nicht so wahr wie männliche, und ihre Meinung und ihre Kompetenz sind dann gar nicht so viel wert. Ich habe auch noch nie einen Wikipedia-Artikel verfasst, weil ich meinen Kenntnissen einfach nicht so weit traue. Wenn ich mir dann allerdings ansehe, was die Anderen so von sich geben, wäre es mir oft auch lieber, sie würde ihre ignorante Klappe halten.
    Bei der Piratenpartei sehe ich das auch anders als bei Wikipedia. Ich denke, es ist nicht die Schuld der Piratenpartei, dass es dort „zufälligerweise“ alles voller biodeutscher junger Männer ist. Es ist aber auf jeden Fall ihre Schuld, wenn die Leute so tun, als wäre das gar kein Problem, und die hätten trotzdem das Recht, irgendwas für den Großteil der Gesellschaft zu entscheiden, wenn der Großteil der Gesellschaft ausgeschlossen ist.
    Hier, wenn jemand noch ein wenig Zeit zum Lesen hat, zwei Kolumnen meiner Lieblingsautorin bei der taz, die Erlebnisse beschreibt, die meinen eigenen Erfahrungen unglaublich ähnlich sind:

    http://www.taz.de/Schlagloch-Vielfalt/!85873/
    http://www.taz.de/Kolumne/!41439/

    Es gibt Hürden in dieser Gesellschaft, die nur für diejenigen sichtbar sind, für die sie gelten. Sie zu ignorieren macht sie nur stärker.

    • Alien sagt:

      „Der geringe Frauenanteil muss dennoch irgendeinen Grund haben. Das Problem gibt es doch in ganz vielen Institutionen, ein Zufall ist da für mich langsam ausgeschlossen.“

      Es kann ja einen Grund geben. So lange dieser Grund aber nicht etwas von der Art ist, „der Chef stellt die Frau nicht ein, weil sie schwanger werden könnte“, dann finde ich nicht, dass es ein Problem ist. Angenommen es wäre genetisch festgelegt, dass sich die meisten Frauen für Literatur und die meisten Männer für Technik interessieren. Dann gäbe es in technischen Berufen mehr Männer in den anderen mehr Frauen. Aber niemand wird deshalb benachteiligt. Es wäre also vollkommen in Ordnung.

      Und so ist es meiner Meinung nach mit Wikipedia: Hier wird niemand benachteiligt, aber aus irgend einem Grund (der aber kein PROBLEM ist) arbeiten Frauen hier weniger mit. Deine erwähnten Artikel sind gut geschrieben, handeln aber von dem Problem, dass gut dotierte Berufe hauptsächlich Männer haben, ist also etwas anderes als Wikipedia. Dem Vorurteil nach müssten an Wikipedia sogar mehr Frauen arbeiten, weil das idealistisch und nicht bezahlt ist.

      „Es ist aber auf jeden Fall ihre Schuld, wenn die Leute so tun, als wäre das gar kein Problem, und die hätten trotzdem das Recht, irgendwas für den Großteil der Gesellschaft zu entscheiden, wenn der Großteil der Gesellschaft ausgeschlossen ist.“

      Nun, Parteien wollen immer etwas verändern. Das können sie aber erst, wenn sie von der Mehrheit gewählt werden, und dann dürfen sie auch für die Mehrheit sprechen.

      • M.E. sagt:

        Ok, lass mich zusammenfassen (ich entschuldige mich im Voraus für die zugespitzten Formulierungen): Es gibt hier nirgendwo mehr Benachteiligung von Frauen und Migranten, und wenn irgendjemand behauptet, man würde sie überall ignorieren, ihre Meinungen wären als unwichtig abgetan, man ließe sie nie ausreden und bezeichne sie mal als übersensibel, mal als hysterisch, wenn sich versucht, sich durchzusetzen, und Menschen möchte sich einfach mal mit ähnlichen Menschen umgeben und schaffen es nicht, Menschen willkommen zu heißen, die anders sind, dann ist das alles eine Lüge oder ihre kranke Phantasie. Es gibt keine Hürden, sich zu engagieren oder auch mal Professorin zu werden. Und eventuelle Schwangerschaft ist das einzige Merkmal, das man dazu benutzen könnte, um eine Frau zu diskriminieren oder zu beleidigen. Die Leute sind einfach mal selber schuld, wohl zu dämlich und zu faul. Vielleicht ist das sogar genetisch veanlagt. Frauen sind vielleicht einfach von Natur aus zum Blödsein und Putzen geeignet.
        Hab ich das jetzt richtig verstanden? Ich befürchte, nicht. Das widerspricht leider alles konträr meiner bisherigen Lebenserfahrung in so ziemlich allen Gesellschaftsbereichen und drei Ländern, die ich von innen gesehen habe. Aber, wenn hier alle schon so viel von Vererbung von Intelligenz reden – vielleicht habe ich einfach die falschen Gene und bin zu blöd, zu verstehen, warum andere immer besser über Probleme Bescheid wissen, von denen sie nicht betroffen sind.

        • Alien sagt:

          „Hab ich das jetzt richtig verstanden? Ich befürchte, nicht.“

          Ich befürchte auch, dass wir völlig aneinander vorbeireden: Ja es gibt enorme Benachteiligungen vieler Gruppen, Frauen, Migranten, Behinderte etc. Frauen werden aus allen möglichen Gründen (das mit der Schwangerschaft war nur ein Beispiel) teilweise massiv benachteiligt. Und nein, da sind die Frauen zum größten Teil nicht selbst Schuld dran. Ich denke soweit sind wir uns einig.

          Firmen, die dies praktizieren, werden zurecht kritisiert.

          Mir ging es mit diesem Kommentar nur darum, zu sagen, dass Wikipedia eben nicht wie diese kritikwürdigen Firmen ist, sondern tatsächlich Männer und Frauen gleich behandelt. Und man deshalb Wikipedia nicht dafür kritisieren kann, dass zu wenig Frauen mitarbeiten, wie man dies bei anderen Firmen durchaus zu Recht kann.

          Jetzt klar, was ich meine?

          • M.E. sagt:

            Yepp. Aneinander vorbeireden.
            Ich habe grade den Eindruck, dir geht es mehr um die biologischen Eingenschaften (so was wie Schwangerschaft), wegen denen man (frau) benachteiligt werden kann. Mir geht es um das soziale Geschlecht. Die Benachteiligung ist hier viel subtiler, schwer nachweisbar, daher ist es auch so leicht, zu behaupten, es gäbe sie nicht. Ich halte genetische Veranlagungen auch für ein viel zu gefährliches Argument, das auf Dauer die Diskussion verunmöglicht – man kann schließlich wirklich jedes Missverständnis dann dadurch erklären, dass ich (oder auch wer anders) einfach falsch geboren bin. Ich glaube, das willst du aber nicht wirklich, denn sonst wäre dein Blog nur für die biodeutschen weißen Mittelschichtsmänner ohne Behinderung und mit einer Standardbiographie bestimmt – was ja offenbar nicht der Fall ist.
            Ich habe schon oft erlebt, wie Menschen sich minutenlang über mich in der dritten Person unterhalten, obwohl ich daneben stehe (also ÜBER mich reden, nicht MIT mir). Oder mich als Argument für irgendwas missbrauchen, ohne mich zu fragen, wie ich denn so zur Frage stehe. Wenn ich in irgendwelchen Gruppen aufgetaucht war und mitmachen wollte (Studentenproteste, antirassistische Initiativen, sogar bei meinem Praktikum!), habe ich nur noch Ärger bekommen, weil alle offenbar erwarteten, dass ich einfach mal die stumme Quotenausländerin spiele und ansonsten den Mund halte und die „richtigen“ Menschen für mich reden und eine Meinung haben lasse. Das macht mich einfach nur wütend, aber ich kann mich nach wie vor nicht wehren. Sie unterbrechen fast jeden Satz, den ich sage, tun so, als hätten sie von allem mehr Ahnung. Wenn ich dann lauter werde, um nicht mehr unterbrochen zu werden, heißt es dann, ich sei zu aggressiv und viel zu emotional. Ich kann also gar nichts mehr richtig machen. Also habe ich aufgehört, mich in Gruppen einzubringen. Nur führt das eben dazu, dass die Gruppen dann so tun, als wäre bei ihnen alles super harmonisch, und die Menschen tun so weltoffen und gastfreundlich und sind weiterhin so ausgrenzend, und das ganz ohne Widerstand. In etwa gleich beschreibt es Hilal Sezgin. Ich bin unsichtbar, außer jemand braucht mich als Objekt. Sobald jemand erfährt, dass ich weiblich und mit Migrationshitergrund bin, benutzt er_sie das, um mich zu diskreditieren. Ich kann fünf Sprachen, und man findet mich immer noch mittelmäßig. Mein Freund kann vier und alle halten ihn für ein Genie.
            Ich habe grundsätzlich den Eindruck, dass Frauen viel schwieriger einen Expertenstatus bekommen. Ich kann mich nicht wehren, weil man mir mein Leben lang eingeredet hat, ich soll doch bescheiden sein und Konflikte meiden, und wer keine Ahnung hat, sollte auch keine Meinung haben. Nur gilt das alles leider nicht für alle. In der Uni hat sich der Prof am Ende eines Seminars beschwert, dass die Mädels sich nie melden in Diskussionen, obwohl sie eigentlich in der Mehrheit waren und manchmal auch mehr zu sagen hatten als die Jungs. Der Prof wusste nicht, dass es in JEDEM Seminar so aussah. Wie viel könntest du dich denn einbringen, wenn man dir nicht einen einzigen vernünftigen Satz zugetraut hätte?
            Der Punkt eben ist, dass wenn du jetzt behauptest, es gäbe hier gar kein Problem, und deine theoretischen Überlegungen als höher einstufst als die Erfahrungen von betroffenen Personen, du genau in der Tradition stehst, wie die Leute die mich und andere Leute mundtot sehen wollen. Es ist aus meiner Sicht ein Riesenproblem, wenn Frauen, Migranten etc. irgendwo nicht wirklich vertreten sind. Bei den Hartz-IV-Gesetzen haben Reiche über das Schiksal von Armen enschieden, ohne wirklich Ahnung zu haben. Verstehst du, was ich meine? Was, wenn, sagen wir mal, die Piratenpartei (oder egal wer) jetzt an die Macht kommt und nur für Männer spricht, und die dann Mutterschutz abschaffen und Abtreibung verbieten wollen?

            • Alien sagt:

              Hm, ich denke ich erahne langsam, was du sagen willst:

              Auch wenn eine Organisation noch so gleichbehandelnd und fair ist, muss sie sich trotzdem Gedanken machen, wenn verschiedene Gruppen nicht bei ihr mitmachen, obwohl sie tatsächlich praktisch problemlos mitmachen könnten. So in etwa richtig?

              Das mit den Genen können wir bitte getrost in die Tonne kloppen, das war nur als blödes Beispiel zur Verdeutlichung meiner Position gedacht, was es aber eher verschlimmert hat. Also Gene ade. Darum geht es gerade gar nicht.

              • M.E. sagt:

                „Das mit den Genen können wir bitte getrost in die Tonne kloppen, das war nur als blödes Beispiel zur Verdeutlichung meiner Position gedacht, was es aber eher verschlimmert hat. Also Gene ade.“
                Ja, da bin ich voll dafür, das bringt uns nicht wirklich weiter, sonst landen wir irgendwann bei irgendwelchen sarrazinistischen Argumenten, und dann wird’s ungemütlich.
                „Auch wenn eine Organisation noch so gleichbehandelnd und fair ist, muss sie sich trotzdem Gedanken machen, wenn verschiedene Gruppen nicht bei ihr mitmachen, obwohl sie tatsächlich praktisch problemlos mitmachen könnten. So in etwa richtig?“
                Jein. Mir ging es ja darum, dass die meisten Strukturen nur theoretisch offen und fair sind, und praktisch dann doch nicht. Ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall darüber nachzudenken, was mit unseren Wissen so passiert, wenn nur Männer darauf Einfluss haben. Da gibt es ja auch ernsthafte Gefahren, z.B. Medikamente, die bei Frauen schwere Nebenwirkungen haben, weil sie nur an Männern getestet wurden und man bei Dosierung vom männlichen Körperbau ausgeht. Oder z.B. das Problem ungewollter Schwangerschaften bei ALG II-Empfängerinnen, weil das Geld nicht für Verhütungsmittel reicht. Kann Männern doch egal sein, ist ja nicht ihr Leben.
                Allerdings sehe ich das bei Wikipedia nicht bewiesen. So wie ich den Artikel verstanden habe, ging es nicht um Artikel bei Wikipedia (sie werden doch größtenteils anonym geschrieben, also kann es auch keine Statistik geben), sondern um das auffällige Fehlen von Frauen auf der Tagungen. Nun, es könnte aber auch so sein, dass viele Frauen nicht auf die Tagungen kommen (z.B. weil sie ärmer sind oder Kinder haben und sich keine Reisen leisten können, oder auch weil sie sich in der Öffentlichkeit unwohl fühlen, oder vielleicht auch rein zufällig), aber sehr wohl Artikel schreiben, oder? Das Problem kann bei Wikipedia eben nicht ausreichend untersucht oder überhaupt belegt werden. Ich vermute viel eher, wie gesagt, das ist jetzt nicht die Schuld von Wikipedia, sondern die der Gesellschaft. Meistens liegt die Ausgrenzung ja nicht in den Organisationen selbst, sondern in menschlichen Köpfen.
                Noch ein Beispiel. Ich war dieses Jahr zum ersten Mal bei der Linken Medienakademie, weil ich sie mir schon lange anschauen wollte. Nun, insgesamt war das super, tolle Veranstaltungen, viele Infos, und die offizielle Struktur war auch sehr solidarisch, es gab sogar Essen gegen Spende, und die Leute haben mich umsonst angemeldet, obwohl das sonst Geld kostet, nachdem ich zugegeben hatte, kein Einkommen zu haben. Nicht mal Beweise wollten sie haben (ich hätte auch keine, kein Einkommen – kein Beweis). Nur wurde ich gleich vom ersten Referenten, als er nach dem Workshop über freie Software die Teilnehmerliste vorlesen wollte, für meinen Nachnamen ausgelacht. Mein (Pass-) Nachname ist eben für manche schwer auszusprechen, aber statt mal nachzufragen, hat er mich vor der ganzen Gruppe zum Trottel gemacht. Dafür, dass ER meinen Namen nicht lesen konnte. Dann war noch unangenehm, dass überall erwartet wurde, dass Leute eigene Laptops mitbringen. Es gab aber nicht genug Steckdosen, und mein Laptop ist zu alt und der Akku ist längst hin, also konnte ich den nicht benutzen und fühlte mich fast überall ausgeschlossen.
                Ich denke, das war ganz sicher nicht so gedacht, dass die LiMA nur für Reiche mit coolen Laptops und germanischen Nachnamen geeignet war. (Sie wollten ganz bestimmt für alle offen sein und haben es auch versucht.) Passiert ist das trotzdem. Und solche Sachen fallen den meisten Leuten nur auf, wenn sie selber drunter leiden, die anderen tun dann meistens so, als gäbe es kein Problem.

                • Alien sagt:

                  „Mir ging es ja darum, dass die meisten Strukturen nur theoretisch offen und fair sind, und praktisch dann doch nicht.“

                  Ok, das ist sehr gut möglich. Dein Beispiel demonstriert das sehr anschaulich. Dieses Problem könnte ich mir auch gut bei Wikipedia-Treffen vorstellen.

                • Christina sagt:

                  Also, ich bin nicht zum ersten Male überrascht, wenn ich Deine Kommentare lese, wie Du eigentlich eine ganz gute Erkenntnis hast, was die menschliche Natur so angeht (ist nicht bei jedem so), dass die Menschen oft zwar das Gute wollen, aber dann doch nicht hinbekommen. Hast Du Dich eigentlich schon einmal gefragt, warum das so ist? Und hast Du schon mal bemerkt, dass das bei Dir selbst genauso vorkommt, das Gute zu wollen und den inneren Schweinehund nicht zu überwinden, manchmal bewußt, manchmal unbewußt?

                  Woher kommt das bloß?

                  Der Apostel Paulus hat das mal sehr schön formuliert:

                  „Ich weiß wohl, dass in mir nichts Gutes wohnt. Deshalb werde ich niemals das Gute tun können, so sehr ich mich auch darum bemühe.
                  Ich will immer wieder Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch.
                  Wenn ich also immer wieder gegen meine Absicht handle, dann ist klar: Nicht ich selbst bestimme über mich, sondern die Sünde in mir verführt mich zu allem Bösen.
                  Ich mache immer wieder dieselbe Erfahrung: Das Gute will ich tun, aber ich tue das Böse.
                  Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Gottes Gesetz zu erfüllen.
                  Dennoch handle ich nach einem anderen Gesetz, das in mir wohnt. Dieses Gesetz kämpft gegen das, was ich innerlich als richtig erkannt habe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das mein Handeln bestimmt.
                  Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser Gefangenschaft befreien?
                  Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit. So befinde ich mich in einem Zwiespalt: Mit meinem Denken und Sehnen folge ich zwar dem Gesetz Gottes, mit meinen Taten aber dem Gesetz der Sünde.

                  (nachzulesen in Römer 7, 18-25)

                  Ja, die Bibel beschreibt den Menschen sehr treffend, auch sein Elend (den Grund dafür, weshalb sein Leben nicht so funktioniert wie es eigentlich sollte), das begründet ist in seiner Feindschaft gegenüber Gott. Sie verschweigt aber auch nicht den Ausweg aus dem Dilemma. Nur die Menschen wollen es zum großen Teil nicht hören, weil es ihnen nicht in den Kram passt und weil sie sich Gott nicht unterordnen wollen.

                  PS: Diese Gedanken kamen mir beim Lesen Deiner Kommentare und ich möchte das nur mal zum Nachdenken hierlassen. Will nicht vom Thema ablenken und die Diskussion hier auch nicht auf eine andere Schiene führen.

                • Jan sagt:

                  Mir fällt da auch die oft fehlende Kinderbetreuung auf. Denn meistens sind es immer noch die Frauen die sich um die (kleinsten) Kinder kümmern. Da es aber alle stört, wenn Kinder dann auf so einen Treffen weinen, wird erwartet das die Frauen dann mit ihren Kindern rausgehen. So fühlt Frau sich dann so richtig wilkommen. (Genau so schon erlebt, und zu meiner Schande damals nichts gesagt). Die Reaktion auf die Kritik einer fehlenden Kinderbetreuung war übrigens der ausruf eines Mannes, das sie sich dann selbst darum kümmern sollten eine zu organisieren.
                  Der Gedanke das es für eine Mutter schon so bedeutend schwerer ist an so einen Treffen Teilzunehmen ist dem Mann nicht gekommen.

          • Anonymous sagt:

            Ich gebe Dir auf jeden Fall Recht. Wikipedia ist eine offene Plattform, jeder kann mitmachen oder eben nicht. Wenn nicht, dann wollen sie einfach nicht. So einfach ist das.

  5. Jan sagt:

    Ich verstehe aber M.E. so (irgendwie krass das ich jetzt für jemand anderen schreibe (ich Mann, M.E. Frau)) das sich Wikipedia durchaus Gedanken darüber machen sollte warum Frauen so wenig bei Wikipedia mitarbeiten.
    Ich selbst bin in mehreren Gruppen aktiv und stelle Fest das es Strukturen gibt die eine bestimmte Sozialisation bevorzugen.

    Ich selbst habe auch schon Wikipedia Artikel geschrieben, und bei manchen eine ganz schön harte Kritik bekommen. Letztendlich hat das die Artikel wirklich im Schnitt besser gemacht, aber es war auch nicht immer einfach. Wenn ich mir jetzt vorstelle das ich dazu erzogen worden wäre Zurückhaltender zu sein, hätte ich mich nach dem ersten Artikel vermutlich nicht wieder getraut etwas zu schreiben.

    Natürlich ist diese Sozialisation nicht von Wikipedia gemacht. Aber Wikipedia befindet sich nicht im Luftleeren Raum. Und gerade weil Wikipedia eine Enzyklopädie ist, sollte sie sich Gedanken darüber machen, denn dadurch wird Wissen festgeschrieben. Und Wissen ist meistens nicht völlig Objektiv. Dazu muss man nicht nur schauen welches Wissen es in die Wikipedia hineinschafft, sondern auch wie einzelne Artikel geschrieben sind. Wer den Artikel schreibt kann also Wissen festschreiben und übt damit auch indirekte Macht aus.

    Wenn nun fast nur Männer das Wissen der Welt festschreiben, wird es anders aussehen wenn es größtenteils Freuen geschrieben hätten. Und das zumindest zu reflektieren ist wichtig.

    Zum schluss noch kurz zu der unsinnigen Gene oder nicht Gene Diskussion. Erst wenn wir wirklich allen Menschen unabhängig ihres Geschlechtes (ob Gender oder Sex) eine gleichberechtigte Sozialisation hätten, ließe sich überhaupt festsstellen was Sozialisation und was Gene sind. Da die Gesellschaft davon aber noch weit entfernt ist, sollte man jeden Menschen meiner Meinung nach jegliche Sozialisation ermöglichen die der Person gefällt und die niemanden sonst schadet. Dazu gehört für mich auch die gezielte Unterstützung von Menschen die Minderheiten in Gruppen sind, da diese es meist schwerer haben. Und um das zu machen muss man gerade benachteiligten besonders zuhören.

    • Christina sagt:

      „Wenn nun fast nur Männer das Wissen der Welt festschreiben, wird es anders aussehen wenn es größtenteils Freuen geschrieben hätten.“

      Warum denn das, wenn die Gene keine Rolle spielen? 😉

  6. Jan sagt:

    1. Menschen werden auch Sozialisiert. Und im Moment werden weiblich definierte Personen ganz anders behandelt als männlich definierte.
    2. Ich habe nie geschrieben das nicht auch Gene eine Rolle spielen (könnten). Wir werden es nur nicht herrausfinden können solange wir die Menschen so unterschiedlich behandeln.

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