Bettelbetrüger und ehrliche Bettler

Im Rodachtal sind „Bettelbetrüger“ unterwegs. Sie täuschen eine Notlage vor. Deshalb werden sie wegen Betrugs gesucht. (Werden Bankmanager auch wegen Betrugs gesucht?)

Bettelbetrüger bekommen also eine Strafanzeige, während ehrliche Bettler zum Teil 100 % Steuern zahlen müssen. Wer definiert überhaupt, wann eine Notlage nur vorgetäuscht ist? Wenn diese Menschen natürlich im eigenen Mercedes zu ihrer Villa nach Hause fahren würden, würde ich auch sagen, die sind in keiner Notlage. Aber würden solche Menschen betteln gehen? Das Einkommen durch Betteln ist ja nicht gerade hoch, und die Arbeit ist auch nicht gerade angenehm. Also so gut, wie der Artikel suggeriert, geht es denen bestimmt nicht.

Ich will die Lügen (wenn es denn welche waren) nicht verteidigen. Aber ob Mitleid mit diesen Menschen gänzlich unangebracht ist? Ich weiß nicht.

Außerdem klauen diese Menschen ja nichts, sie bitten lediglich um eine Spende. Und wenn sie mit ihrer Mitleidserregung übertreiben sind sie nicht besser oder schlimmer als Werbefachleute, die uns Nutella und BIFI als gesunde Lebensmittel andrehen wollen. Bekommen die auch eine Strafanzeige wegen Betrugs?

Die Konstruktion des „Bettelbetrugs“ wirkt für mich so, wie die des „Scheinasylanten“ oder des  „Wirtschaftsflüchtlings“. Den Leuten zu unterstellen, sie wären in keiner Not und hätten deshalb keine Rechte. Es ist natürlich möglich, dass dieser Fall ganz anders gelagert ist, und diese „Bande“ gar nicht mehr weiß wohin mit dem ganzen Geld, aber bis ich das glaubhaft erfahre bleibe ich skeptisch.

Machts gut!

Euer Alien

Advertisements

11 Kommentare zu “Bettelbetrüger und ehrliche Bettler

  1. Stefan sagt:

    In München gibt’s dieses „Phänomen“ auch. Innerhalb der letzten zwei-drei Monate haben bei mir und vielen Nachbarn und Bekannten von mir mindestens vier (alle zwei-drei Wochen also!) verschiedene(!) Leute geklingelt und wollten Geld haben, weil angeblich ihr Haus von einer Flut zerstört wurde. Da frag ich mich: Wo kommt in München eine Flut her? Und überhaupt: wo war war in letzter Zeit eine Flut? Und wieso haben diese Leute Zeit, weit entfernt ihrer angeblich zerstörten Häuser durch Städte zu ziehen und nach Geld zu fragen? Und wieso sind es so viele? Wie sind sie überhaupt ohne Geld hierher gekommen?
    Auch der Ablauf ist immer gleich. Zuerst wird ein angeblicher Ausweis irgendeiner (vermutlich nichtexistenten) Hilfsorganisation gezeigt, und sofort wird, auf die Tränendrüse drückend, losgeredet, so dass man kaum die Möglichkeit hat nachzufragen. Wenn man doch mal zum nachfragen kommt, dann können sie komischerweise nicht ausreichend genug deutsch, um die Frage zu verstehen.

    Das ist noch schlimmer als die Masche, die es auch in München ganz häufig zu beobachten gibt (passiert mir mittlerweile minestens einmal pro Woche): Da steht ein Mensch irgendwo in einem Hauseingang (bei Geschäften bspw.) und sobald jemand vorbeikommt, geht er raus, verhält sich so, als wolle er eine Auskunft nach dem Weg, „Entschuldigung, können sie mir…“, aber dann kommt keine Frage nach dem Weg sondern eine Frag nach Geld „… 85 Cent geben?“. Es sind immer ganz sauber formulierte direkte Fragen nach einem ganz konkreten Betrag. Das ist ein einfacher psychologischer Trick, weil Menschen auf direkte, konkete Sachen leichter eingehen als auf „Tschuldigen se, hamm se mal n bisschen Geld“. – Wenn man ablehnt, dann gehen sie wieder in den Hauseingang und quatschen den nächsten Menschen exakt auf die selbe Weise an.

    Das sind organisierte Banden, und damit Betrüger.

    • Alien sagt:

      „Das sind organisierte Banden, und damit Betrüger.“

      Nun, so lange sie keine falschen Tatsachen behaupten, sind sie keine Betrüger. Betteln ist eigentlich erlaubt in Deutschland.

      Und der mit den 85 Cent behauptet ja nicht, dass er für kranke Kinder sammelt, ist also auch ein ganz normaler Bettler.

      Und wenn solche Menschen in Banden organisiert sind, frage ich mich dennoch nach den Lebensverhältnissen. Leben die dann in Luxusvillen und verdienen ihr Geld mit betteln? Das kann ich mir schwer vorstellen.

      • Stefan sagt:

        Das ist aufdringliches Betteln und damit eine Ordnungswidrigkeit.:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Aufdringliches_Betteln

        Egal wie deren Lebensverhältnisse sind: Nichts gibt ihnen das Recht, systematisch(!), großflächig, mit pschologischen Tricks und regelmäßigen zeitlichen Abständen von Tür zu Tür zu ziehen und Leute anzupumpen. Selbst wenn alles stimmt, was sie sagen, ist das eine Taktik nach dem Motto „Wenn wir nur lange genug nerven, bekommen wir schon was“, was zumindest in einer rechtlichen Grauzone liegt. Vergleichbar mit Telefonwerbung und den Staubsaugervertetern von früher.

        Zumal solche „Bettler“ das Geld oft gar nicht (vollständig) behalten, sondern an ihre (nicht armen!) Auftraggeber weitergeben.

        Tatsächlich unschuldig verarmten Leuten etwas zu spenden ist richtig und wichtig, aber organisierte Kriminalität muss man deswegen nicht in Schutz nehmen.

        • Alien sagt:

          „Das ist aufdringliches Betteln“

          Aber nicht, wenn jemand nach 85 Cent fragt. Aufdringlich wäre es, wenn er dich nicht weiter gehen lässt, dich anfasst, trotz eines Neins nicht aufhört etc.

          „Egal wie deren Lebensverhältnisse sind: Nichts gibt ihnen das Recht, systematisch(!), großflächig, mit psychologischen Tricks und regelmäßigen zeitlichen Abständen von Tür zu Tür zu ziehen und Leute anzupumpen.“

          Also egal finde ich das gar nicht. Die Mittel können durchaus verhältnismäßig sein. Wenn jemand kein Geld für eine lebensrettende Operation seines Kindes hat, finde ich es legitim, wenn jemand bettelt. Das Recht muss ihnen außerdem niemand geben, sondern verwehren. Jeder darf tun, was er will, so lange er nicht gegen Gesetze verstößt. Die Leute müssen ja kein Geld geben.

          „Zumal solche “Bettler” das Geld oft gar nicht (vollständig) behalten, sondern an ihre (nicht armen!) Auftraggeber weitergeben.“

          Dann sind die Chefs die Verbrecher, die Zwangsarbeiter zum Betteln los schicken und selbst 95 % kassieren. Die Chefs sollten dann bestraft werden. Die Bettler sind in diesem Fall eindeutig die Opfer.

          „Tatsächlich unschuldig verarmten Leuten etwas zu spenden ist richtig und wichtig, aber organisierte Kriminalität muss man deswegen nicht in Schutz nehmen.“

          Ich nehme keine organisierte Kriminalität in Schutz. Betteln ist nicht kriminell, auch nicht organisiert. Außer (siehe oben), der Chef beutet seine „Zwangsbettler“ aus und lebt selbst in Saus und Braus, während die Bettler am Hungertuch nagen.

          • Stefan sagt:

            „Jeder darf tun, was er will, so lange er nicht gegen Gesetze verstößt. Die Leute müssen ja kein Geld geben.“

            Aber wenn man in so einer Großstadt wie München mittlerweile fast täglich von mindestens einem Menschen aktiv angeredet wird (nicht nur auf der Straße sondern auch Zuhause), dann schränkt das auch mein Recht ein, mich einfach mal ungestört von A nach B zu bewegen oder einfach mal ungestört zu entspannen.

            Anfänglich hab ich auch so drüber gedacht wie du, als ich vor ein paar Jaaren nach München gezogen bin. Aber wenn man mittlerweile fast täglich, egal wo man ist, mit immer der gleichen Leier angequatscht wird, dann wirkt es irgendwann absolut unglaubwürdig und es geht einem einfach nur noch auf die Nerven.

            Das es auch anders, vernünftig, erfolgreich und ohne aktives Betteln geht, zeigt BISS, was absolut unterstützenswert ist:
            https://de.wikipedia.org/wiki/BISS_%28Stra%C3%9Fenzeitung%29

  2. Die Bosse solcher Bettlerbanden, wie sie mittlerweile in fast allen deutschen Großstädten unterwegs sind, und vermehrt zu solchen Hochzeiten wie z. B. die Adventszeit oder die Wies’n hier in München, wohnen in der Tat in Villen, fahren schwere und sehr teure Luxuslimousinen, und sind stinkend reich. Diejenigen, die auf die Straßen gehen, betteln, und ihren Obolus dann abliefern müssen, sind in der Tat arme Schweine, die in aufgelassenen Kanalisationen oder Baubaracken hausen, und kaum mehr Geld bekommen, um ihr tägliches Leben kärglich fristen zu können… Ich bin sehr dafür, dass solche Bettel-Organisationen von Gesetzes wegen verboten werden, und dass man die Leiter dieser strafrechtlich verfolgt!

    • Alien sagt:

      Na dann sind wir völlig einer Meinung. Wobei ich bezweifle, dass hierfür die Gesetze geändert werden müssen, denn ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind auch heute schon strafbar.

  3. Simsala Naseweis sagt:

    “ Das Einkommen durch Betteln ist ja nicht gerade hoch, und die Arbeit ist auch nicht gerade angenehm. Also so gut, wie der Artikel suggeriert, geht es denen bestimmt nicht. “

    Das ist so leider nicht richtig, denn ein „Bettler“ hat tatsächlich Einkünfte pro Tag netto, die Sie mit einer normalen Arbeit mit einem guten Stundenlohn nicht erwirtschaften können. Die Einkünfte liegen bei bis zu 150 – 200 € , je nach Stadt und „Standort“. Beobachten Sie einfach mal, sie würden sich wirklich wundern.

  4. Simsala Naseweis sagt:

    Was denken Sie denn, was ein Bettler am Tag in einer gut belebten Fußgängerzone am Abend in der Tasche hat? Es wäre naiv anzunehmen, das ein Bettler mit 5 oder 10 € am Tag nach Hause geht.
    Hier bei uns wurden schon vor Jahren „Bettler“ dingfest gemacht, die ihre Frauen und Kinder in die Innenstädte geschickt haben und wurden dann am Abend wieder abgeholt – mit Mercedes S-Klasse , Audi A6 usw.; das sind unter anderem Roma und Sinti. Gleiche sind auch von Haus zu Haus gegangen und haben gebettelt und wurden des öfteren aufgegriffen. Durchsuchungen haben dann tatsächlich mehrere Hundert Euros am Tag ergeben.
    Frage Sie mal bei Ihrer Örtlichen Polizei oder dem Ordnungsamt nach, die werden ihnen das sicher bestätigen. dazu gab es auch schon eine Reportage, wo „Bettler“ dann aus dem Nähkästchen geplaudert haben und ganz klar sagten, das mit einer regulären Arbeit niemals so viel Geld hätten wie als Bettler. Diese Bettler sind Profis und keineswegs das, für was man sie hält. Diejenigen die Obdachlos sind und in den Städten sitzen, ihre Hunde dabei haben, machen das z.B. nicht professionell, sondern bekommen etwas und ziehen dann weiter. Es ist ein Unterschied ob man bettelt, weil man bedürftig ist oder ob gebettelt wird, weil dort erkannt wurde dann man so deutlich mehr Geld zusammen bekommt.

    Ich hätte je gerne die Dokumentation verlinkt, die einen professionellen Bettler vorgestellt hat, der sich auf Raststätten „spezialisiert“ hat. Unglaublich, was der mann Tag für Tag.
    Wenn ich diese Doku wieder entdecke ,werde ich den Link gerne einsetzen. Das ganze ist tatsächlich anders als es sich so darstellt.

    Hier in unserer Stadt haben wir zum Beispiel ein Cafe, wo sich Abhängige treffen können. Dort kann man dann den einen oder anderen entdecken, der oder die sich in der Stadt zum betteln hinsetzen. Ein Drogenabhängige Frau ist dabei mittlerweile so abgebrüht, das sie dort bettelt, in aller Ruhe aus teuren Cafebars ihren Kaffee holt, mit ihrem IPhone telefoniert…
    Alles nur Bedürftige, oder was denken Sie?
    Der rest sitzt dort regelmäßig und finanziert sich die Alkohol – und Drogenportionen, die tag für tag benötigt werden. Die wirklich bedürftigen, die man z.B.bei den Tafeln findet, sitzen überhaupt nicht irgendwo und betteln, dazu sind sie viel zu stolz – und davon haben wir mehr als genug.
    Sie sollten einmal besser hinschauen wenn jemand bettelt und sich unter Umständen mal die Zeit nehmen, die Sache zu beobachten – besonders wenn das gesammelte Silbergeld schnell verschwindet damit es den Anschein hat, das sie noch nichts bekommen haben.

    Es ist nicht immer so, wie es den Anschein hat.

  5. Volker sagt:

    Ich würde sagen, ein ehrlicher Bettler ist einer wie ich es bin 🙂

Sag mir deine Meinung!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s