Betreuungsgeld alias Herdprämie

Das Betreuungsgeld setze falsche Anreize, titelt das Abendblatt.

Ich bin gegen das Betreuungsgeld so wie es eingeführt werden soll. Überspitzt ausgedrückt kriegt es nämlich nur die Familie, die es nicht braucht. Und das ist offensichtlich vollkommen albern.

Was mich an der Diskussion über das Betreuungsgeld stört, ist diese apokalyptische ideologische Rechthaberitis und einige Argumente die gegen das Betreuungsgeld vorgebracht werden.

Sehen wir uns den Bericht doch mal genauer an:

Gleich an mehreren Stellen des über 340-seitigen Berichtes warnen die Wissenschaftler vor falschen Anreizen, die besonders Eltern aus bildungsfernen Schichten davon abhalten könnten, ihr ein- oder zweijähriges Kleinkind in eine Kita zu schicken.

Und was genau soll jetzt so schlimm daran sein, sich selbst um sein ein- oder zweijähriges Kind zu kümmern? Weil man dann weniger Geld hat? Genau das soll doch theoretisch das Betreuungsgeld kompensieren. Erziehungsarbeit soll als Arbeit anerkannt werden – genau das, was die Grünen bis Anfang der 90er forderten, die jetzt die schärfsten Gegner dieser Leistung sind. Oder ist der Grund, dass man den Eltern nicht zutraut, dass sie sich angemessen um ihr Kind kümmern? Diese Argumentation läuft eher auf einen Kita-Zwang ab 1 Jahr hinaus, den ja angeblich keiner will.

Im weiteren Verlauf widerspricht sich der Artikel:

Etwa ein Viertel der Drei- bis Sechsjährigen in Deutschland werden laut Bericht als «sprachförderbedürftig» eingestuft. «Die Leseorientierung in der Familie wird durch den Bildungsstand der Eltern geprägt», heißt es in der Analyse. Kleinkinder, die diese Unterstützung aber nicht erhielten und zugleich auch keine Kita besuchten, seien bei der Bildung doppelt benachteiligt.

Dabei hätten viele Untersuchungen den Nutzen frühkindlicher Bildung in Betreuungseinrichtungen eindeutig belegt. So verfügten Kinder, die vor ihrer Einschulung mindestens drei Jahre eine Kita besuchten, in der vierten Grundschulklasse beim Lesen und beim Textverständnis in der Regel über einen Lernvorsprung von gut einem Schuljahr, heißt es weiter. Solche erheblichen Lernvorsprünge fänden sich «auffällig» auch bei Kindern aus problematischen Elternhäusern oder aus Migranten-Familien.

Mindestens drei Jahre Kindergarten liegt normalerweise vor. Nämlich wenn das Kind mit drei Jahren in den Kindergarten kommt, und nicht mit zwei Jahren oder einem Jahr (oder direkt nach der Geburt ;-)).

Auch der Bundesverband Deutsche Tafel warnte vor der Einführung. Das Betreuungsgeld könne sich negativ auf die Beschäftigung von Frauen und Migranten und damit auf deren Einkommen auswirken, erklärte Verbandschef Gerd Häuser in Suhl. Vielmehr müssten Kitas ausgebaut werden, um auch kinderreichen Eltern und Alleinerziehenden Vollzeitarbeit und einen Ausweg aus der Armut zu ermöglichen.

Also wenn ich mich in die Situation von einem Vollzeit-arbeitenden Alleinerziehenden hineinversetze: Ich glaube ich wäre nach einem Jahr ausgebrannt. Ich weiß, dass es solche Hypertalente gibt, aber kann man von Normalsterblichen Vollzeitarbeit und Kindererziehung erwarten? Vielleicht. Aber ich finde das krass. Aus diesem Grund könnte ich mir ein Betreuungsgeld (und damit die Möglichkeit, für sein Kind da zu sein) vorstellen. Die beste Methode fände ich hier, das Elterngeld einfach auf drei Jahre zu verlängern.

Insgesamt finde ich also, dass die Idee, Eltern durch Geldunterstützung die Möglichkeit zu geben, eine Weile (bis zum Kindergarten, also ca. 3 Jahre) nicht zu arbeiten und sich um das Kind zu kümmern, sehr gut. Das Betreuungsgeld, so wie es eingeführt werden soll, ist hingegen dafür vollkommen ungeeignet, 3 Jahre Elterngeld wäre viel besser.

Was meint ihr so?

Machts gut!

Euer Alien

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3 Kommentare zu “Betreuungsgeld alias Herdprämie

  1. M.E. sagt:

    Sehr gute Bemerkung!
    Ich finde die Debatte auch total daneben. Vor allem, weil sie unheimlich sexistisch ist. Es geht ja angeblich um eine „Herdprämie“ für Frauen, denen einfach so unterstellt wird, dass sie wegen gammeligen 150 Euro im Monat wieder zu Hausfrauen werden und eigentlich selber nicht wissen können, wie sie leben wollen und was gut für sie ist. Schon mal darüber nachgedacht, dass einige Menschen (ja, auch Frauen) auch mal einen freien Willen haben?
    Ich halte solche Diskussionen für eine Falle. Aus angeblich feministischen Gründen wird einfach gleiches Unrecht für alle (und zwar immer mehr davon) gefordert. Dabei haben Frauen früher für ein RECHT auf Arbeit gekämpft, das heißt, dafür, dass sie eine Wahl haben und über ihre Beschäftigung selbstbestimmt entscheiden müssen! Jetzt gibt es einfach Arbeitszwang für alle, und Frauen werden im Jobcenter genauso schikaniert wie Männer, obwohl sie im Berufslaben immer noch benachteiligt sind – ein gewaltiges Eigentor. Und ein Vollzeitjob ist ganz sicher kein Paradies auf Erden, ganz besonders, wenn man ein Kind hat!
    Statt solche Scheindebatten zu führen, sollte man doch besser schauen, wie man ALLE Menschen vernünftig versorgen kann – ob nun Kinder oder nicht. Und wie man Menschen mehr Freiheit ermöglichen könnte – wobei die Freiheit der Frauen (und Männer!), im Einzelfall doch zu Hause zu bleiben, für mich eindeutig dazu gehört.

  2. Wie war das noch mal beim „alten Adolf“? Wurde da nicht ebenfalls eine Prämie bezahlt, für jedes deutsche Kind, das auf die Welt gekommen ist? Irgendwie erinnert mich diese „Herdprämie“ daran…
    Ich verstehe dieses ganze, seit Ewigkeiten schon andauernde Hickhack um die KiTa- und Kindergartenplätze nicht – in Ländern wie z. B. Frankreich ist es selbstverständlich, dass es so etwas für jedes Kind gibt…

    • Alien sagt:

      „Wurde da nicht ebenfalls eine Prämie bezahlt, für jedes deutsche Kind, das auf die Welt gekommen ist?“

      Ich behaupte mal, dass etwas nicht DESHALB schlecht ist, weil es die Nazis gut fanden. Sonst müssten sich alle Vegetarier schämen.

      „Ich verstehe dieses ganze, seit Ewigkeiten schon andauernde Hickhack um die KiTa- und Kindergartenplätze nicht – in Ländern wie z. B. Frankreich ist es selbstverständlich, dass es so etwas für jedes Kind gibt…“

      Das ist wahr. Die Möglichkeit für eine Kindertagesstätte sollte möglich sein, ohne ein Jahr vor dem Versuch schwanger zu werden einen Antrag auf Aufnahme stellen zu müssen ;-).

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