Evangelischer Militarist

Joachim Gauck redet wieder. Zum Beispiel sowas:

Welch ein Glück, dass es gelungen ist, nach all den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und nach den Gräueln des Krieges, in diesem Land eine solche Armee zu schaffen: eine Armee des Volkes, im besten, eigentlichen Sinne, kein Staat im Staate, keine Parteienarmee, sondern eine „Parlamentsarmee“

Keine Parteienarmee also, sondern eine Armee des Volkes? Interessant. Wie kommt es dann, dass knapp 70 % der Deutschen den Afghanistan-Einsatz ablehnen und die Parteien (mit Ausnahme der Linken) den Einsatz mit großer Mehrheit befürworten?

Liebe Soldatinnen und Soldaten, Sie schützen und verteidigen, was uns am wichtigsten ist, auch über die Grenzen unseres Landes hinaus: Freiheit und Sicherheit, Menschenwürde und das Recht jedes Einzelnen auf Unversehrtheit.

Jedes einzelnen? Oder nur jedes einzelnen Deutschen? Was ist mit den 142 Toten bei Kundus? Wie erklären Sie die Zusammenarbeit mit der US-Army, der Menschenrechte offenbar vollkommen egal ist? Oder haben Sie Guantanamo und die ständigen Drohnenangriffe vergessen?

Sie haben einen Anspruch darauf, dass wir uns bewusst machen, was Ihnen abverlangt wird und welche Aufgaben wir von Ihnen in Zukunft erwarten. All das darf nicht allein in Führungsstäben und auch nicht allein im Parlament debattiert werden. Es muss da debattiert werden, wo unsere Streitkräfte ihren Ort haben: in der Mitte unserer Gesellschaft.

Immer gern, aber hören Sie uns dann auch zu und akzeptieren, oder wollen Sie uns doch wieder nur belehren?

Die Abscheu gegen Gewalt ist verständlich. Gewalt, auch militärische Gewalt, wird immer auch ein Übel bleiben. Aber sie kann – solange wir in der Welt leben, in der wir leben – notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden.

Interessant, sie meinen jetzt aber nicht den Brandanschlag auf den Bundeswehrfuhrpark, oder? Diese Menschen haben genauso argumentiert wie Sie gerade, nur dass sie keine Menschenleben auf dem Gewissen haben.

Allerdings müssen wir militärische Einsätze begründen. Wir müssen diskutieren: darüber, ob sie die gewünschten Ziele erreichen oder schlimmstenfalls neue Gewalt erschaffen, und auch darüber, ob wir im Einzelfall die Mittel haben, die für ein sinnvolles Eingreifen nötig sind. All diese Fragen gehören – mit den handelnden Personen – in die Mitte unserer Gesellschaft.

Wird dann auch ein Nein akzeptiert? Wird auch akzeptiert, wenn man nicht töten will um die abstrakte Gefahr, selbst Opfer zu werden, abzuwehren? Ist die „Mitte der Gesellschaft“ nur rechts von den „Linken“?

Es waren ausländische Soldaten, die unserem Land die Möglichkeit der Freiheit schenkten, als sie selbst für ihre eigene Freiheit kämpften.

Als die DDR zerfallen ist, ist kein einziger Schuss gefallen. Eine friedliche Veränderung ist (mit Ausnahme vielleicht der totalen Zerstörung, die allerdings nicht wünschenswert ist) die einzige Möglichkeit dauerhaften Frieden zu erhalten. Nichts ist gut im Krieg!

Das Spiel ist typisch: Man baut einen Militärapparat auf. Die Grundlage dafür ist Angst. Angst vor „dem Gegner“. Je mehr die Angst geschürt wird, desto mehr Milliarden steckt man in diesen Apparat. Er dient ja „nur der Verteidigung“ im Falle des Falles. Die Angst lässt nach. Der Nutzen des Militärs wird in Frage gestellt. Militärangehörige bekommen Bammel. Ein Krieg muss her. Sonst können sie dicht machen. Prompt läuft die Propagandamaschinerie an. Unabhängige Medien sind zu schwach um genügend Einfluss auf die öffentliche Meinung zu erzielen. Tada! Krieg! Die Waffenindustrie freut sich wie ein Schnitzel und verkündet in den größten Krisenzeiten Rekordgewinne. Game Over. Das Spiel beginnt von vorne.

Dieses Spiel kann nur beendet werden, wenn wir endlich massiv abrüsten und uns ehrlich für Abrüstung einsetzen. Dazu gehört auch, nicht schweres Kriegsgerät in aller Herren Länder zu liefern. Dazu gehört, den Atomwaffensperrvertrag endlich zu erfüllen, und die Atomwaffen zu entsorgen. Dazu gehört, aktive Friedenspolitik zu betreiben, in der ehrlichen Absicht, das friedliche Zusammenleben aller Menschen zu ermöglichen. Dazu gehört, Armut  zu bekämpfen, welcher ein mächtiger Motor für Gewalt ist.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Der Klügere durchbricht diese Spirale. Wollen nicht Sie der Klügere sein, Herr Gauck?

Machts gut

Euer Alien

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6 Kommentare zu “Evangelischer Militarist

  1. Kommt noch dazu, dass die Rüstungsindustrie ausschlaggebend an der Aufrechterhaltung unseres mittlerweile äußerst fragwürdigen Wirtschaftssystems beteiligt ist. „Unsere“ Soldaten/Mitmenschen sterben in Afghanistan nicht für irgendwelche Ideale, sondern einzig und allein deshalb, damit hier nicht alles den Bach ‚runter geht…

  2. M.E. sagt:

    „Joachim Gauck redet wieder.“
    Yepp, das ist auch schon die Wurzel des Übels…

  3. Malte sagt:

    In einem Paralleluniversum fordert Gauck die Abschaffung der Bundeswehr. Da ist er der Klügere. In unserem Universum leider nicht. Aber man darf ja noch träumen…

  4. stefon sagt:

    Auf telepois gibts dazu auch nen gute artikel: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37087/1.html

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