Wo sollen Ex-Häftlinge wohnen?

Egal, nur nicht in Insel, so denken sich das wohl viele in dem 400-Einwohner Ort in Sachsen-Anhalt. Sogar der Bürgermeister.

Und jetzt passiert etwas, das so selten vorkommt, dass es einen Eintrag im Kalender verdient. Ich bedanke mich beim CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, für seinen deutlichen Einsatz für die Menschenwürde. Er wird dadurch sicherlich ein paar Stimmen verlieren. Dennoch steht er zu seiner Überzeugung. Soviel Rückgrat ist bewundernswert:

„Entlassene Straftäter stehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Jeder Versuch, sie auszuschließen oder sogar aus unserer Mitte zu vertreiben, ist nicht hinnehmbar. (…) Die Forderung, den Wohnort zu verlassen, und alle Schritte, die darauf hinzielen, sind weder mit der Menschenwürde noch mit den übrigen Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates zu vereinbaren.“

Schön, dass es noch Politiker gibt, die sich klar zum Grundgesetz bekennen.

Da grundsätzliche Problem an diesem Fall ist, dass viele Menschen nicht verstehen oder verstehen wollen, das Resozialisierung die einzig sinnvolle Methode ist, um größtmögliche Sicherheit für die Gesellschaft zu erreichen. Die andere Methode des lebenslangen Wegsperrens ist nämlich nur in den wenigsten Fällen rechtsstaatlich machbar und auch nicht grundsätzlich gutzuheißen. Für die anderen muss also die Resozialisierung schon mit der Inhaftierung beginnen. Hier wird in Deutschland leider sehr viel versäumt. Therapien beginnen viel zu spät oder gar nicht und die Häftlinge wissen nach Jahren der Gefangenschaft oft gar nicht, wie sie in Freiheit zurecht kommen sollen.

Um hier aber vernünftig zu handeln, bedarf es eines Gesinnungswandels weg von Rache hin zu Resozialisierung. In den letzten Jahren war eher das Gegenteil zu beobachten, was eines aufgeklärten Staates des 21. Jahrhunderts nicht würdig ist.

Machts gut!

Euer Alien

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5 Kommentare zu “Wo sollen Ex-Häftlinge wohnen?

  1. erikschueler sagt:

    Resozialisierung ist schon was Gutes und Wichtiges, ich befürworte das auch, aber bei jedem der aus dem Knast herauskommt sollte man dies nicht in der/dem Stadt/ Dorf tun, denn ein Sexualstraftäter sollte meines erachtens nicht in der selben Stadt wieder wohnen, wo auch sein Opfer wohnt oder zur Arbeit geht. Es ist einfach zu viel was man vom Opfer fordert.

    • Alien sagt:

      War hier gar nicht der Fall. Aber du hast Recht, das ist denke ich eine sinnvolle Auflage, die dem Täter zuzumuten ist, dem Opfer zuliebe.

      • Da bin ich Erik Schülers Meinung… Und ganz ehrlich, wenn ich eines oder mehrere kleine Enkelkinder hätte, und ein wegen mehrfacher Sexualdelikte ehemals Verurteilter würde in der Nähe sein Quartier beziehen, dann hätte ich auch Vorbehalte.

        • Alien sagt:

          „dann hätte ich auch Vorbehalte“

          Tja, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Die Frage ist, was für Taten aus diesen Vorbehalten folgen. Wenn die ganze Bevölkerung versucht die Ex-Häftlinge wegzumobben, finde ich das, gelinde gesagt, nicht die ideale Lösung.

          Ich frage mich gerade, was ich tun würde. Eigentlich sollte ich von sowas ja gar nichts erfahren (das war ja in diesem Fall auch seltsam, woher die das plötzlich alle wussten). Aber wenn ich es schon wüsste, würde ich mir vermutlich ein Beispiel an Waltraud K. nehmen:

          Waltraud K., 69, wohnt seit 40 Jahren in Insel. Sie arbeitete eine zeitlang als Schöffin am Landgericht, sie lebte in der heilen Welt des Dorfes und blickte vor Gericht in die dunklen Ecken der Gesellschaft. „Ich weiß, was ein Straftäter ist“, sagt sie, sie habe Familienväter auf der Anklagebank gesehen und gelernt, dass letztlich jeder dort landen kann.

          Wahrscheinlich fehlte ihr deshalb die Berührungsangst, als sie von den neuen Dorfbewohnern erfuhr. Sie ging zu ihnen, schließlich sei sie neugierig. Die beiden erzählten ihr alles von sich, auch, dass sie nicht für sich garantieren können, wenn sie trinken, sie aber seit vielen Jahren trocken seien. Nach dem Treffen war für K. die Sache klar: „Es ist zig Jahre her, der Mensch sollte zur Ruhe kommen.“

          Vielleicht würde ich mir auch eine Alarmanlage einbauen, und meine Enkel von der Schule abholen, wer weiß. Aber bei den Demonstrationen wäre ich sicher nicht dabei.

  2. M.E. sagt:

    Kann ich auch ganz ohne Enkel voll verstehen. Ein mehrfacher Vergewaltiger tut mir auch kein bisschen leid, da verstehe ich manchmal nicht, warum solche Monster überhaupt frei kommen. Trotzdem halte ich es für falsch, sich einem Mob anzuschließen. Man kann sich seine Nachbarn eben nicht immer aussuchen. Wenn mir jemand zu widerlich ist, ignoriere ich ihn einfach. Außerdem werden diese Demos von Nazis missbraucht, um ihre dreckigen Inhalte zu verbreiten. Die Menschen müssten einsehen, dass hier ihre (nur verständliche) Angst vor Verbrechern missbraucht wird. Und zwar von anderen Verbrechern, nämlich Nazis.

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