Würdet ihr Organe spenden?

Als ich zum ersten mal von Organspende erfahren habe, habe ich mir gleich einen Ausweis geholt. War ja für einen guten Zweck. Die Broschüren waren alle ganz toll bunt. Hans XY hat seit zehn Jahren ein neues Herz. Jana YZ hat seit 5 Jahren eine neue Leber und ist schon einen Marathon gelaufen etc.

Nach diesen ganzen positiven Geschichten war ich äußerst überrascht eine Internetseite zu finden, die total gegen die Organspende wettert. Auch Eltern, die ihr Kind dazu freigegeben haben bereuen dort ihre Entscheidung. Warum? Weil der „tote“ Körper noch Reaktionen zeigt, wenn die Organe explantiert werden. Diese Reaktionen sind zum Teil so krass, dass selbst Assistenten sich schon weigerten mitzumachen. Dies wird als Schmerz interpretiert.

Das kann man ja evtl. erklären, aber das sollte dann auch geschehen. Ebenso die Tatsache, dass Organspender ein Schmerzmittel bekommen. Warum? Ich dachte, ohne Hirnaktivität kein Schmerz? Auf einer anderen Seite wurde Kritik laut, dass die Schmerzmittel nicht mehr bezahlt werden. Diese stammt sogar von Organspende befürwortenden Ärzten. Aber Warum sollten Betäubungsmittel bezahlt werden, wenn der Mensch doch hirntot ist? Diese Fragen werden in den tollen bunten Broschüren nicht mal erwähnt.

So gut und richtig Organspende im Prinzip ist, solche Fragen sind berechtigt und sollten beantwortet werden.

Wer von euch mehr Ahnung hat, den bitte ich um Aufklärung. Warum werden einem „Toten“ Narkotika verabreicht?

 

Machts gut!

Euer Alien

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25 Kommentare zu “Würdet ihr Organe spenden?

  1. humanicum sagt:

    Widerspruchsverfahren versus Zustimmungssverfahren. Diese zwei Paradigmen bekämpfen sich. Ist der Mensch wegen seiner Bequemlichkeit (zur expilziten Zustimmung) ein Organspendermuffel? Und ist deswegen das Widerspruchsprinzip die einzige Möglichkeit?

    • Alien sagt:

      Früher war ich für das Widerspruchsverfahren. Aber seit ich das mit den Schmerzmitteln weiß, bin ich mir nicht sicher.

      Ich würde mir eine sachliche Aufklärung wünschen, anstatt Werbebroschüren.

      • humanicum sagt:

        Ja, ich denke auch, dass medizinisch nicht kompetente Politiker mit ihren Werbebroschüren mehr verunsichern, als aufklären. Aber ich habe trotzdem einen Orga-Ausweis, und lass mich nicht von den (medial) hochgeputschten Horromeldungen aus der Ruhe bringen. Ich lese im Internet, suche mir wissenschaftliche Infos dort heraus. Der Focus oder das Bundesanzeigeblatt für Gesetze sind mir jedenfalls keine Refernz.

        • Alien sagt:

          „und lass mich nicht von den (medial) hochgeputschten Horromeldungen aus der Ruhe bringen“

          Das wird meiner Meinung eher nicht geputscht, im Gegenteil. Die meisten berichten wie die Broschüren von den tollen Erfolgen und thematisieren das andere gar nicht. Die Ruhe, mich sachlich zu informieren lasse ich mir auch nicht nehmen. Es wäre natürlich nett, wenn man von den offiziellen Stellen bessere Infos bekäme.

          • humanicum sagt:

            Ich meinte auch z.B. die rtl daily horrors, nach dem Motto: wie ich während einer Operation bei Bewusstsein war, ein Totgeglaubter kommt nach 3 Stunden wieder zurück, Hirntot? Ab wann?

            solche Sachen eben. 😉 Das macht die Leute kirre

  2. gedankenfest sagt:

    Ich habe keinen Organspendeausweis und ich werde mir auch keinen zulegen. Genau wegen eben dieser negativen Dinge.
    Man wird oftmals schon ausgeschlachtet, bevor man wirklich tot ist, weil die Organe dann noch viel besser sind. Es gibt ein Riesengeschäft mit Organen. Organe sind sehr viel Geld wert. Das Leben eines Menschen ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen und trotzdem passiert es.

    • Alien sagt:

      Dann würde ich empfehlen, dass du dir einen Organspendeausweis holst und „nicht spenden“ ankreuzt. Dann ist es eindeutig, und es müssen nicht deine Angehörigen entscheiden.

  3. erikschueler sagt:

    Wenn ich tot bin brauche ich sowie so keine Organe mehr. Also warum kein Leben retten mit ihnen?
    Das mit den Betäubungsmitteln hör ich zum allerersten Mal. Macht mich sehr stutzig und wirft die Frage auf: Wie reagieren Menschen auf Organe die mit Betäubungsmittel vollgepumpt sind? Könnte das nicht auch evtl. eine Abstoßung verursachen?
    Ich mache mir nur Sorgen, wenn wir in Nährflüssigkeiten bald Organe heranzüchten und transplantieren.
    Die Stufe zu Gott wäre wieder einen Schritt näher und Moral und Ethik würden immer weniger Bedeutung haben.
    Eine Verfremdung gegenüber der Natur. Und das obwohl noch Teil von ihr sind. Egal welche Klamotten man trägt oder welches Auto man fährt. Mensch bleibt Mensch und muss ein Teil der Natur bleiben und sich nicht weiter von ihr distanzieren.

    • Alien sagt:

      „Wenn ich tot bin brauche ich sowie so keine Organe mehr. Also warum kein Leben retten mit ihnen?“

      Sehe ich im Grunde auch so. Wenn man allerdings die Organspende als Spender „live miterlebt“, ist das nicht unbedingt die angenehmste Vorstellung. Daher meine Frage, was diese Betäubungsmittel sollen.

      „Ich mache mir nur Sorgen, wenn wir in Nährflüssigkeiten bald Organe heranzüchten und transplantieren.“

      Das fände ich sogar wesentlich besser.
      Erstens bräuchte kein Patient mehr hoffen, dass ein passender Spender aus dem Leben gerissen wird.
      Zweitens würde sich die Diskussion um den Todeszeitpunkt erübrigen.
      Drittens würde das Organ nicht abgestoßen, weil es aus den eigenen Genen gezüchtet würde.
      Zu guter letzt ist das medizinischer Fortschritt ohne Schaden. Wo ist das Problem dabei?

      • erikschueler sagt:

        Es müsste erstmal an 10.000en von Tieren getestet werden und ob dann die toten Tiere in Relation zum wissenschaftlichen Erfolg stehen ist fraglich.
        Außerdem würde der Fortschritt wieder einmal nur den Reichen zu gute kommen und die Armen und die Mittelschicht gucken in die Röhre.
        Ich hab jetzt eine Vermutung warum der Körper noch Regungen zeigen könnte. Das Gehirn ist zwar tot, aber der Rest des Körpers stirbt nach und nach erst. Es könnten die letzten Synapsen sein die noch feuern, wenn man aufgeschnitten wird.

        • gedankenfest sagt:

          Tierversuche sind schlimm, aber sie werden immer vielfach praktiziert und das auch weiterhin. Selbst für die Kosmetikindustrie sterben jährlich tausende von Tieren.

          Eine Organspende ist ein notwendiges, überlebenswichtige Übel, bei dem man sicherlich die Kassen in die Pflicht nehmen könnte.

          • erikschueler sagt:

            Ich bin nicht bereit „minderwertiges“ Leben zu opfern für Menschen.
            Wir haben nicht das Recht Leben zu nehmen, aber wir können Leben geben.
            Es sterben schon alleine durch unseren übertriebenen Fleischkonsum
            zahlreiche Tiere.

            • gedankenfest sagt:

              In meinen Augen werden Organspender getötet bevor sie tot sind. Da wird auch Leben genommen. Vielfach. Tausendfach auf dieser Welt. Der Organhandel boomt. Das Geschäft ist lukrativ, Organe kosten viel Geld.
              Das ist also besser?

        • Alien sagt:

          Und um dieses Zucken, dass ohne Schmerzempfindung einhergeht zu verhindern, gibt man Narkotika. Wäre möglich. Wäre schön mal von einem Fachmann zu hören.

          „Es müsste erstmal an 10.000en von Tieren getestet werden und ob dann die toten Tiere in Relation zum wissenschaftlichen Erfolg stehen ist fraglich.“

          Das ist die grundlegende Problematik bei Tierversuchen – ein ethisches Dilemma. Aber ob die wirklich alle nötig sind, ist eine andere Frage.

          „Außerdem würde der Fortschritt wieder einmal nur den Reichen zu gute kommen und die Armen und die Mittelschicht gucken in die Röhre.“

          Kein Argument es nicht zu entwickeln. Das Verfahren kann billiger werden, das Wirtschaftssystem kann sich ändern.

          • erikschueler sagt:

            „Kein Argument es nicht zu entwickeln. Das Verfahren kann billiger werden, das Wirtschaftssystem kann sich ändern.“

            Die Betonung liegt bei „kann sich ändern“ ich kann es mir kaum vorstellen, dass es sich in den nächsten 50 Jahren ändert.

            • Alien sagt:

              Ok selbst wenn sich das System nicht ändert, und nur ein paar Tausend Reiche damit gerettet werden könnte, was wäre daran schlimm? Fair wäre es nicht, aber warum sollte den Reichen das Recht auf Leben abgesprochen werden, weil es sich Arme nicht leisten können?

              Außerdem würde ich das Argument mit den Armen nur global gelten lassen. Denn in Deutschland zahlen die Krankenkassen lebensnotwendige OPs.

  4. Martin Kalus sagt:

    Bin gerne bereit über dieses Thema einen Vortrag zu halten und detailliert die Hirntoddiagnostik zu erklären – http://organspendevortrag.de

  5. Hirntod heisst ja nicht, dass man dann von Kopf bis Fuß völlig ohne irgendwelche körperliche Reaktionen ist, Haare, Finger- und Zehennägel z. B. wachsen noch bis zu drei Tagen nach dem Ableben munter weiter. Ich denke auch, dass die Zuckungen eines Körpers nach Entnahme der Spenderorgane die letzten, völlig natürlichen Reaktionen noch nicht ganz abgestorbener Nerven sind. Ich habe einen Organspendeausweis, seit vielen Jahren schon. Und ich bin sehr damit einverstanden, nach meinem Tode quasi „ausgeschlachtet“ zu werden – sofern ich damit einem oder vielleicht sogar mehreren Menschen helfen kann.

    • Alien sagt:

      Danke für den Kommentar. Ich habe meinen Organspendeausweis auch noch. Und nachdem was ich so dazu lese, denke ich auch, dass ich ihn behalte.

      „Haare, Finger- und Zehennägel z. B. wachsen noch bis zu drei Tagen nach dem Ableben munter weiter“

      Das ist, soweit ich weiß, ein Gerücht. Ich glaube, das sieht nur so aus, weil die Haut einfällt, und so die Haare länger wirken, oder so ähnlich.

  6. Meine Meinung und meine Bedenken zu diesem Thema sind in verschiedenen blog Beiträgen auf meiner Homepage zu lesen.

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