Präzedenzfall für die Menschlichkeit

Wir verstehen, dass Menschen und Familien, die hier bei uns leben, auch irgendwann mal eine Perspektive haben wollen, aber es ist uns scheißegal.

Ein anderer Blogger hat Angst, dass wir von Masseneinwanderung bedroht sind, wenn wir einmal Menschlichkeit zeigen:

Sicherlich kann man nachvollziehen, dass eine Familie mit drei Kindern eine vernünftige Perspektive braucht und so ein Schwebezustand auf Dauer zermürbend ist. Sicherlich kann man auch nachvollziehen, dass man keine gut dotierten Jobs bekommt, wenn man jeweils nur für die nächsten drei Monate sein Aufenthaltsrecht nachweisen kann.

Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Gesellschaft, die eine dauerhafte Ansiedlung von Asylbewerbern nur unter bestimmten Voraussetzungen gutheißt.

Und diese Voraussetzungen sind gesetzlich festgeschrieben, nachdem die Innenminister sich für eine „Bleiberechts“-Regelung entschieden haben. Dank dieser Bleiberechtsregelung ist eine Familie in Baden-Württemberg seit zehn Jahren geduldet. Die 15-jährige Ala kann sich an ihre angebliche „Heimat“ nicht erinnern, so klein war sie damals. Der 13-jährige Mohammed ist auf der Flucht geboren. Er kennt also auch nur Deutschland (besser gesagt nur Baden-Württemberg, wegen der asozialen Residenzpflicht). Die 7-jährige Alin ist hier geboren. Die Kinder sind hier in Deutschland aufgewachsen. Sie sind Deutsche verdammt noch mal. (Passend: Wenn Deutsche abgeschoben werden) Auch wenn sie nicht so behandelt werden (Mohammed dürfte als Fußballspieler im Verein nicht mal zu den Auswärtsspielen mit). Und jetzt erkläre mir einmal einer, wie ich so ein Arschloch sein kann, diese Kinder aus ihrem Leben herauszureißen und in ein fremdes Land zu deportieren? Warum haben wir so eine verfluchte Angst vor drei harmlosen Kindern und ihren Eltern?

Die Mutter arbeitete in ihrer früheren Heimat als Grundschullehrerin. Hier putzt sie, weil sie wegen ihrer immer nur dreimonatigen Duldung keine normale Stelle bekommt. (Ja, alle drei Monate muss sie die Duldung für sich und ihre Familie verlängern. Und jedes mal kann es sein, dass sie verweigert wird, was die Abschiebung oder „freiwillige Ausreise“ zur Folge hätte.) Nicht nur, dass das also zutiefst unmenschlich ist, Deutschland vergeudet auch noch Potential. Eine Lehrerin, die putzen geht. Was für eine Verschwendung.

Wenn Gesetze schlecht sind, können sie geändert werden. Allein es fehlt der Wille.

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12 Kommentare zu “Präzedenzfall für die Menschlichkeit

  1. erikschueler sagt:

    Zum Anderen brauchen wir auch mehr Arbeiter (das heißt auch vom Ausland), um hier in Deutschland unsere Sozialversicherungen aufrecht zu erhalten. 95% Aller Länder (weltweit) haben sowas gar nicht, Leute in diesen Ländern stürzen einfach ab, wenn sie keine Arbeit haben.

    • Alien sagt:

      Das ist ja das Paradoxe: Wir geben Unmengen an Geld aus, um Flüchtlinge abzuwehren. Und dann beschweren sich manche noch, dass Flüchtlinge so viel Geld kosten, weil sie in unsere Sozialsysteme einwandern. Dass wir ihnen gar nicht erlauben zu arbeiten, wird dabei meistens absichtlich ignoriert.

      Menschlichkeit wäre nicht nur besser sondern auch billiger und letztlich ein Gewinn für alle.

      • erikschueler sagt:

        „Flüchtlinge abzuwehren“? Warum so harmlos beschrieben?
        Wir versenken afrikanische Nussschalen auf hoher See und
        töten sie. Die Afrikaner, die wir als „Piraten“ bezeichnen sind
        Menschen die sich, das zum Leben holen, was sie brauchen,
        weil wir es ihnen wegnehmen bzw. privatisieren (privat
        bedeutet „beraubt“->privatisieren heißt also „berauben,
        stehlen“), wie ihr Trinkwasser.

        • Alien sagt:

          Sagt der Kaiser zum Papst: „Halt du sie dumm, ich halt sie arm!“ (Zitat von Reinhard Mey)

          • erikschueler sagt:

            Heute sagt der Bänker zum Präsidenten/ Kanzler:
            „Halt du sie dumm, ich halt sie arm!“

            • humanicum sagt:

              Genau so läuft es. Wir haben zwei Mechanismen zur Perfektion entwickelt. Die Verblödungsmaschine (Neokonservative Propaganda, Systemmedien) und die Ausbeutermaschine (Finanz- und Kapitaloligarchie). Gegen beide können wir etwas tun.

              • erikschueler sagt:

                Wenn WIR es wollen.
                Genau da greift die Menschenmüllproduktion ein.
                Die veröffentlichte Meinung wird zur öffentlichen Meinung.

                • humanicum sagt:

                  Hilft nur noch Aufklärung und „Erziehung zur Mündigkeit“; aber verdammt, da ist es wieder, das Dilemma: WIR veröffentlichen unsere Meinung, und denken, das ist Gegenöffentlichkeit und WIR sind die guten, und prompt wird es zur öffentlichen (Mehrheits) Meinung, die genauso unkritisch und denkfaul vom Menschenmüll übernommen wurde, wie eh und je. Grübel…

  2. […] Zeit des laufenden Antragverfahrens” spricht. Ich vermute und hoffe aus Unwissenheit. Denn seit 10 Jahren Geduldete unterliegen ihr immer […]

  3. […] Regel nur geduldet. Damit haben sie auch hier keinerlei Perspektive (vgl. meine früheren Artikel, hier oder auch hier). Theoretisch müssten sie ja ausreisen. Dank des […]

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