Unendliches Wachstum?

Vorneweg möchte ich betonen, dass ich kein Wirtschaftsexperte bin. Ich habe nicht BWL, VWL oder ähnliches studiert, und bin somit offen für neue Fakten oder Perspektiven.

Ist unendliches Wirtschaftswachstum möglich und nötig?

Möglich ist es angeblich, und zwar, weil Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig bedeutet, dass mehr Güter hergestellt werden müssen. Auch durch Dienstleistungen kann Wirtschaftswachstum entstehen. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege. Was ich allerdings bezweifle, ist, dass es exponentiell wachsen kann. Zinseszins verlangt allerdings exponentielles Wachstum. Wenn eine Firma jedes Jahr 3 % mehr Gewinn einfahren will, ist das nicht konstant, auch wenn es so scheint, sondern der Gewinnanstieg in absoluten Zahlen muss jedes Jahr mehr werden. Einfaches Beispiel: Eine Firma macht 1.000 Euro Gewinn. Sie möchte einen jährlichen Gewinnzuwachs von 10 %. Das bedeutet: Im nächsten Jahr müssen sie 1.100 Euro Gewinn machen, also 100 Euro mehr. Im Jahr darauf müssen sie 1210 Euro Gewinn machen, also 110 Euro mehr. Und so weiter. Es wächst also nicht nur der Gewinn, sondern der Gewinnzuwachs. Ich halte das langfristig gesehen für unrealistisch. Was meint ihr?

Aber grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, dass wir dauerhaftes Wirtschaftswachstum haben, wenn auch nicht mit steigender Geschwindigkeit. Ist es aber überhaupt nötig, dass die Wirtschaft ständig wächst. Fragt man Wirtschaftswissenschaftler, sagen fast alle ja. Aber warum? Hierzu eine Geschichte, die zwar vereinfacht, aber (so hoffe ich jedenfalls) nicht zu stark:

Eine Stadt mit 100.000 Einwohnern lebt autark. Sie kann sich über die umliegenden Äcker mit Lebensmitteln versorgen. Metalle aller Art finden sich in den Minen vor Ort. Die Bäckerszunft produziert für 100.000 Menschen Brötchen und ähnliches. Die Metzger produzieren entsprechend die Wurst, die Schneider die Klamotten etc. Was nutzt es jetzt den Bäckern plötzlich für 110.000 Menschen zu produzieren? Nichts. Wozu hier Wachstum?

Wenn nun die Bevölkerung wächst, da die Sterberate geringer ist als die Geburtenrate, ist Wachstum natürlich notwendig. Ist die Bevölkerung auf 110.000 gewachsen, muss auch die Produktion entsprechend angehoben werden. Aber nur so weit, bis alle 110.000 Leute versorgt sind.

In einer Gesellschaft, in der die Bevölkerungszahl konstant bleibt, ist Wirtschaftswachstum nicht unbedingt nötig. Es kann den Lebensstandard erhöhen und ist daher zum Teil wünschenswert. Aber nur im Rahmen der Ökologie. Denn keiner bei Verstand wird seine Lebensgrundlage zerstören. (Da sieht man mal, wie viele Hirnlose es gibt!)

Wenn wir jetzt schon Essen für 12 Milliarden Menschen produzieren, aber 1 Milliarde an Hunger leiden, sollte das Produzieren von mehr Essen nicht gerade oberste Priorität haben. Wachsum ist in dieser Branche also eigentlich nicht notwendig, oder?

Zusammengefasst finde ich, Wirtschaftswachstum ist nur notwendig, solange die Bevölkerung wächst. Wirtschaftswachstum sollte außerdem nicht auf Kosten der Umwelt gehen. Das ist langfristig nämlich auch unwirtschaftlich.

Machts gut!

Euer Alien

Advertisements

27 Kommentare zu “Unendliches Wachstum?

  1. Entscheidend ist die Zielsetzung der Menschen. Durch den Leitgedanken, dass die eigenen Handlungen einen Vorteil verschaffen, zum Beispiel einen angenehmeren Lebensstandard, eine gesicherte Zukunft oder ähnliches, agiert der rational denkende Mensch entsprechend.
    Schafft die Gemeinde des Beispieles es nun Güter über den Bedarf zu produzieren, können sie diese exportieren, um so andere tolle Importe kaufen zu können. Vielleicht möchte man irgendwann doch einmal ein neues Gemeindehaus, Theater, Kino oder sonstiges. Auch Privatmenschen wollen ihren Standard ausbauen. Um nun effektiver Handel treiben zu können spezialisiert sich die Gemeinde, zum Beispiel auf Backwaren. Dafür bekommen sie woanders Papier, Scheren, TV-Geräte oder sonst etwas her. Es bleibt ja anzunehmen, dass ein 100.000-Seelen-Ort nicht alles selbst abbauen, verarbeiten und produzieren kann.
    Aus diesem Kerngedanken der Spezialisierung ergibt sich ökonomisches Wachstum. Produkte können immer besser gefertigt werden. Zusätzlich erschließen sich neue Märkte usw…

    • Alien sagt:

      Vielen Dank.

      Meinen Sie, dass kann immer so weiter gehen? Mir erscheint es sinnvoll, dass hier irgendwo eine Grenze erreicht wird. Irgendwann ist jeder spezialisiert. Die Märkte sind durch die Erde begrenzt. Außerirdischer Handel ist wohl noch in weiter Ferne. Das heißt irgendwann erschließe ich keine neuen Märkte mehr. Und dann kommt doch das Wirtschaftswachstum annähernd zum Erliegen, oder bin ich hier nur zu unkreativ?

      • In der Tat glaube ich, dass es ein beständiges Wachstum gibt, da eine Wirtschaft in Form der Marktwirtschaft immer neue Nischen findet. Aus neuen Entwicklungen ergeben sich weitere Zweige, die wachsen können. Ressourcenknappheit kann kompensiert werden. Auch der immaterielle Bereich bietet im Prinzip grenzenloses Wachstum oder enden Gedanken?

        • Alien sagt:

          Ok danke, ich glaube ich bekomme eine Ahnung davon. Ich bin mir zwar nicht so sicher, dass Wachstum endlos möglich ist, aber ich halte es für denkbar. Man nehme zum Beispiel die Computerentwicklung.

  2. humanicum sagt:

    Hallo Alien, dazu fällt mir einiges ein. Ich versuchs mal zu straffen.
    Wirtschaftliches Wachstum ist nicht nur ein rein organisierender Prozess, sondern vor allem auch von den vorhandenen natürlichen Ressourcen abhängig. Denn es werden ja nicht nur Dienstleistungen über die Arbeitskraft des Menschen generiert, sondern auch Waren hergestellt, indem man aus Rohstoffen mit Hilfe von Technologie und know-how ein verfeinertes Produkt macht. Auch der Betrieb oder Unterhalt eines Produktes erfordert Ressourcen, z.B. in Form von Energie. (beim Auto Benzin). Da die weltweiten Ressourcen begrenzt sind, ist auch das Wachstum begrenzt. Ein weiterer begrenzender Faktor ist die Marktsättigung. In Deutschland ist der Markt zum Beispiel im Bereich Elektro und Nahrungsmittel absolut gesättigt. Es findet nur noch ein Verdrängungswettbewerb statt. Zwar versucht die Industrie über Werbung einen künstlichen Bedarf zu erzeugen, aber seit etwa 10 Jahren funktioniert das auch noch kaum, weil die Kaufkraft ja nicht gleichzeitig mit dem Begehren von neuen Produkten steigt.Die Lohnsteigerungen lagen zudem auch noch unter der Inflationsrate, so dass ein realer Kaufkraftverlust eintrat. Werbung kann daher nur noch eine Nachfrageverlagerung bewirken, aber keine Mehrnachfrage. Tja, irgendwie hat der club of Rome mit seiner These des „begrenzten Wachstums“ doch noch Recht behalten. (PS. ich hatte BWL als Nebenfach)

    Grüße René

    • Alien sagt:

      Also wenn ich dich richtig verstehe, gibt es kein unbegrenztes Wachstum, sondern ein Plateau bei Marktsättigung. Das finde ich plausibel. Vielleicht begründet ja noch ein Verfechter des ewigen Wachstums, wieso das anders sein soll.

      Mit den begrenzten Ressourcen muss ich dir allerdings teilweise widersprechen. Die Sonne liefert uns soviel Energie, dass das für unsere heutigen Verhältnisse als unbegrenzt angesehen werden kann. Man muss die Energie nicht nur aus dem Öl holen.

      • Selbst eine Marktsättigung ist meines Erachtens nach trügerisch. Prinzipiell müsste der Smartphonemarkt gesättigt sein, was dennoch nicht bedeutet, dass Apple immer neue Kreationen mit neuen Rekordzahlen zustande bringt. Wo liegt die Sättigung bei literarischen Publikationen? Sind irgendwann alle Geschichten erzählt? War die Kernkraft der Weisheit letzter Schluss der Energiewirtschaft? Erschöpft sich Mobilität durch Automobile? Selbst die Heimkinoanlage konnte massentauglich um eine Dimension erweitert werden.
        Der Markt unterliegt Transformationsprozessen, Bedürfnisse können immer besser oder anders bedient werden. Dazu treten andauernd neue Ideen wie auch Bedürfnisse auf.

      • humanicum sagt:

        Genau. Energie ist allerdings beim jetzigen Stand der Technik auch nicht unbegrenzt erschließbar und nutzbar. Klar die Sonne hats. Aber Solarpanele haben zur Zeit nur einen Wirkungsgrad von mageren 15 %, wenn überhaupt. Fusionsenergie gibts wahrscheinlich erst in 50 Jahren. Wind, Wasser, Biomasse – Energie (=indirekte Sonnenenergie) sind auch nicht unbegrenzt verfügbar, weil die technische Umsetzung zuviel Fläche benötigen würde. Tja und bei den materiellen Ressourcen haben wir die Grenzen schon fast erreicht. Solange wir Energie nicht in Masse umwandeln können (ich meine damit nicht Biomasse, sondern Metalle usw.), müssen wir mit dem verfügbaren Ressourcen haushalten. Recycling ist dabei der Schlüssel. (Der Kupferpreis hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht.)

        • Alien sagt:

          „Energie ist allerdings beim jetztigen Stand der Technik auch nicht unbegrenzt erschließbar und nutzbar.“

          Da stimme ich zu, jedoch besteht hier zumindest ein Ansatzpunkt um weiteres ökologisch sinnvolles Wachstum zu ermöglichen. In Kombination mit Recycling und neuen Techniken (Replikator ;-)) könnte unsere Zukunft optimistischer aussehen als vermutet. Könnte, wohlgemerkt.

  3. erikschueler sagt:

    Klasse, dass du dich von mir inspirieren lassen hast.
    Die Kommentare bestätigen außerdem meine Gedanken und Thesen.
    Der Lebensstandard wird sich einpegeln und ich glaube, dass das Limit weltweit nicht zu halten sein wird, so wie es jetzt ist.

    • Alien sagt:

      „Ich glaube, dass das Limit weltweit nicht zu halten sein wird, so wie es jetzt ist.“

      Gut möglich. Was es schwierig macht, das abzuschätzen, sind die Technologien, die entwickelt werden. Diese könnten unerwartete Wohlstandssprünge auslösen. Wichtig ist dabei allerdings, dass das Gesellschaftssystem angepasst wird. Wenn von der neuen Technologie wieder nur wenige Reiche profitieren, nutzt das gar nichts. Ein Grundeinkommen wäre hier eine sinnvolle Lösung.

      • erikschueler sagt:

        Grundeinkommen und die Abschaffung von dem Denken „Ich hab’s erfunden und will das ihr Zinsen bezahlt solange ihr es verwendet.“
        Neue Technologien sollen für die Allgemeinheit sein und ihr dienen.

        • Diese Maßnahmen lockern die Antriebsfedern für den Fortschritt erheblich und entsprechen kaum der menschlichem Natur. Das sich jemand an eine Erfindung machen möchte, kann ich mir dabei plausibel erklären. Warum aber sollten andere ihm die Ressourcen dafür zur Verfügung stellen?
          Ein Grundeinkommen ist nur für Regionen geeignet, in denen katastrophale Zustände vorherrschen und die Existenz nicht sicher ist. In Industrienationen sind die Effekte eher nachteilig.

          • erikschueler sagt:

            Gegen eine Belohnung für „herausragende Arbeit für die Allgemeinheit“ bin ich nicht.
            In einem Land wo die Existenz nicht sicher ist kann auch kein Grundeinkommen verteilt werden, weil man dazu meiner Ansicht viel Geld braucht.
            Außerdem wird es mit unserem Schuldgeldsystem niemals ein Grundeinkommen geben.

            • Es lohnt natürlich den Blick in andere Regionen zu werfen. In Brasilien und Nigeria würde ich die Ansätze eines Grundeinkommens als positiv bewerten. Unter anderem sitzt auch in Ländern, wo die Existenz nicht sicher ist, viel Geld. Ein Beispiel kann Äquatorialguinea sein.

              Begriffe wie Schuldgeldsystem halte ich persönlich für schlechte Phrasen der Kapitalismuskritik, die sich zunächst halbwegs plausibel anhören, jedoch nicht die Komplexität des Finanzwesens einbeziehen.

              • erikschueler sagt:

                Ich habe mein Grenzwissen erreicht in dem Gebiet. Ich kann dir nicht widersprechen oder zustimmen. Ich lerne nichts über Länder außerhalb Deutschlands in der Schule, dass regt mich auf. Als ob es kein wichtigeres Land gäbe als Deutschland. Länder wie Israel, Iran, Afghanistan, Pakistan, etc. die sind wichtig. Wir setzen uns schließlich dort für Brunnenbau, Schulen und den Krieg gegen den „Terror“ ein, mit der Bundeswehr.

                • Ist die Schule die einzige Bildungsplattform? Gerade das Medium Internet bietet doch zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch die gute alte Bibliothek ist eine Anlaufstelle. Meines Wissens nach freuen sich auch Universitätsbibliotheken über Besuch, wo man Fachliteratur findet.

              • erikschueler sagt:

                Ich hab viel zu tun und das Abi schränkt mich massiv ein, wenn es um selbstständige Recherche geht in diesen Bereichen. Ich komm immer voller neuem, unnötigen Wissen von der Schule und kann extrem schwer nur Neues aufnehmen.
                Vielleicht kannst du meine Situation nachvollziehen.

  4. bundesbedenkentraeger sagt:

    Ich möchte einen anderen Aspekt einwerfen. Die Zinsen. Nach nicht ganz unverbreiteter Meinung muss die Wirtschaft wachsen, um Zinsen zurückzahlen zu können. Ich versuche das mal vereinfacht auszudrücken (und hoffe, ich mache nicht zu viel dabei falsch):
    Um zu wirtschaften, nehmen wir einen Kredit auf. Mit dem Geld aus dem Kredit bauen wir eine Firma, die Autos herstellt. Die Fabrik muß jetzt durch ihre Autos so viel verdienen, daß der Betrieb der Fabrik (also Rohstoffe, Löhne, Instandhaltung…) bezahlt sowie der Kredit zurückgezahlt werden kann. Man nimmt also einen Kredit, Arbeitskraft und Rohstoffe und erhält einen Mehrwert: Fabrikgebäude (aus Kredit), Automobile (aus Rohstoffen und Arbeitskaft) nd Zinsrückzahlung. Wegen der Zinsrückzahlung muß es ein Wachstum geben. Der Angestellte in der Fabrik hat vielleicht ein wenig Geld auf die Seite gelegt und will es anlegen. Das angelegte Geld wird nun wieder verzinst, das heißt es ist notwendig, daß derjenige, der das Geld am Ende hat, ebenfalls einen Mehrwert schafft, um die Zinsen zu bezahlen. Wiederum ein Wachstum. Findet das Wachstum nicht statt, verliert der Anleger sein Geld. Oder einen Teil davon.
    Deshalb ist ein Wachstumsende so gefährlich: Die Spareinlagen stehen auf dem Spiel. Zinsen können nicht mehr gezahlt werden, vielleicht kann das Geld komplett nicht zurückgezahlt werden, es kommt zu Verlusten, die dann wieder weitere Probleme verursachen.
    Will man das Wachstum ausschalten, muss man sich also Gedanken machen, wer sein Geld verlieren soll bzw. von der anderen Seite gedacht, wie man dann die Menschen überhaupt dazu bringen will, ihr Erspartes anzulegen.

    • Alien sagt:

      Ich verstehe, was du meinst. Aber Zinsen sind ja kein Naturgesetz. Man könnte theoretisch auf Zinsen verzichten.
      Wenn nun niemand mehr freiwillig Geld anlegt, weil er dafür nichts bekommt, ist das ja erst mal nicht schlimm. Eine staatliche Bank könnte doch ohne Zinsen Geld verleihen.

      • bundesbedenkentraeger sagt:

        Ich wär mir gar nicht so sicher, daß Zinsen kein Naturgesetz sind. Jedenfalls denke ich, daß ihr Entstehen gezielt unterbunden werden muß, wenn man sie nicht will:
        1. Wie willst Du Zinsen verbieten? Wenn zwei Menschen sich einig sind über eine Zinszahlung, dann wird das in den meisten Fällen laufen.
        2. Angenommen, man könnte Zinsen tatsächlich unterbinden. Wieso sollte ich das Darlehen einer staatlichen Bank zurückzahlen, wenn nicht die Zinsen drücken? Im Zweifel nehm ich einfach nen neuen zinslosen Kredit auf, um den alten Kredit abzulösen.
        3. Nehmen wir an, keiner nimmt mehr Geld auf: Das dürfte sich erheblich auf die Wirtschaft auswirken. Finanzierungen würde es nicht mehr geben (zumindest nicht in der Form, die uns geläufig ist – ne andere hab ich noch nicht in Sicht). Für jede Fabrik, für jede wirtschaftliche Unternehmung müßte das Startkapital vom Unternehmer selbst vorher erwirtschaftet worden sein. Geht er sammeln, wird er sich wieder mit einer Renditeforderung konfrontiert sehen, was nichts anderes ist als Zinsen.

        Ich bin durchaus offen für Ideen, die die Abschaffung des Zinses betreffen. Aber leicht wird das sicherlich nicht.

        • Alien sagt:

          Interessante Argumentation.

          „1. Wie willst Du Zinsen verbieten? Wenn zwei Menschen sich einig sind über eine Zinszahlung, dann wird das in den meisten Fällen laufen.“

          Hier bin ich liberal. Zwei erwachsene Menschen können tun, was sie wollen, so lange sie niemandem schaden.
          Es sollte aber staatliche zinslose Kredite geben. Womit wir bei 2. wären.

          Wenn ich bei dieser staatlichen Bank einen Kredit aufnehme, bin ich verpflichtet ihn zurückzuzahlen.

          „Nehmen wir an, keiner nimmt mehr Geld auf“

          Warum sollten wir das tun. Du würdest sicher auch lieber einen zinslosen Kredit als einen mit Zinsen aufnehmen. Das könnte das Wirtschaftswachstum sogar ankurbeln.

  5. bundesbedenkentraeger sagt:

    Okay, der Staat macht die Banken platt per steuerfinanzierter Subvention einer Staatsbank. Soweit, so gut. Diese Staatsbank macht ja dann keinen Gewinn, das heißt der Staat muß für alles aufkommen, inklusive Kreditausfälle (aber das muß er im krassen Fall ja auch, wenn eine Bank systemwichtig ist, trotzdem wird hier wohl mehr auf ihn zukommen)
    Da stellt sich dann die Frage, wer kreditberechtigt ist. Denn wir wollen es wahrscheinlich nicht, dass sich die Volksrepublik Nordkorea zinslos Geld besorgt, um im Iran Atomtechnik zu kaufen (oder umgekehrt). Andererseits wollen wir vielleicht schon, dass ausländische Investoren in Deutschland investieren, und ihnen daher auch Kredite gewähren. Woran also die Bedingungen knüpfen? Staatsbürgerschaft? Wohnsitz im Inland?
    Überhaupt das Ausland. Die machen unter Umständen das Spiel nicht mit und bleiben weiterhin bei den Zinsen. Das hat dann zur Folge, daß Investitionen in Deutschland sich immer noch rentieren müssen, also Mehrwert abwerfen. Wir wären die Zinsen immer noch nicht los, und damit auch nicht den Wachstumszwang. Der gilt dann zwar „nur“ noch für ausländische Firmen in Deutschland, aber das reicht uns ja als Problem erst einmal.
    Zurück zum eigentlichen Problem: Alles, was bisher „der Markt“ organisiert: Also welche Kriterien für welche Kreditsumme sinnvoll sind, wer zu welchen Bedingungen wie viel bekommt etc, muss der Staat, bzw seine Bank entscheiden. Wir erhalten so einen single Point of failure. Wenn die Staatsbank scheiße baut, dann ist echt scheiße, nicht nur so, wie wenn ne große Privatbank in Schieflage kommt. Dazu kommt, daß die zu erwartenden Zahlungsausfälle nicht durch Zinseinnahmen ausgeglichen werden können. Es ist ein endloser Zuschussbetrieb. Immer komplexere Regelungen zur Berechtigung, wer Kredite aufnehmen kann, zu den Bedingungen etc., wird eine gigantische Verwaltung aufblähen.
    Ob das jetzt schlecht oder gut ist, will ich gar nicht entscheiden. Womöglich ist es genau das, was wir wollen. Aber ich bin dafür, es sehenden Auges zu wollen 😉 Soviel Regulierung fällt dann aber auch kaum noch unter „liberal“ 😉

    • Alien sagt:

      „Diese Staatsbank macht ja dann keinen Gewinn“

      Naja die Behörde selbst vielleicht nicht, aber der Staat macht Gewinn, wenn Unternehmensgründungen erfolgreich sind und Steuern bezahlen. Es ist hier nicht sinnvoll betriebswirtschaftlich die Bank anzusehen. Wichtig ist der Nutzen für die Volkswirtschaft, also den Staat.

      „Da stellt sich dann die Frage, wer kreditberechtigt ist. Denn wir wollen es wahrscheinlich nicht, dass sich die Volksrepublik Nordkorea zinslos Geld besorgt, um im Iran Atomtechnik zu kaufen (oder umgekehrt). Andererseits wollen wir vielleicht schon, dass ausländische Investoren in Deutschland investieren, und ihnen daher auch Kredite gewähren. Woran also die Bedingungen knüpfen?“

      Gegenfrage: Würdest du lieber Manager des „Marktes“ entscheiden lassen, ob Iran einen Kredit für Atomspielzeug kaufen darf, oder demokratisch legitimierte Volksvertreter? Die Berechtigungsfrage stellt sich doch sowieso. Hier hat aber das Volk (zumindest indirekt) die Kontrolle.

      „Der gilt dann zwar “nur” noch für ausländische Firmen in Deutschland, aber das reicht uns ja als Problem erst einmal.“

      Es wäre ein Anfang. Vielleicht macht es international Schule.

      „Wir erhalten so einen single Point of failure.“

      Das könnte tatsächlich ein Nachteil sein.

      „Immer komplexere Regelungen zur Berechtigung, wer Kredite aufnehmen kann, zu den Bedingungen etc., wird eine gigantische Verwaltung aufblähen.“

      Kann mir mal einer erklären, warum Privatisierung so toll sein soll. Ich meine, was können Privatmanager besser als staatliche? Mehr Leute feuern, die Löhne mehr drücken? Warum muss alles, was privat organisiert ist, besser laufen als staatlich? Die Verwaltung, um Kredite zu gewähren, gibt es heute auch. Nur der Arbeitgeber ist dann ein anderer.

      „Aber ich bin dafür, es sehenden Auges zu wollen.“

      Finde ich gut, daher die Diskussion.

      „Soviel Regulierung fällt dann aber auch kaum noch unter “liberal”“

      Ich bin bei allen Dingen liberal, bei denen es keine guten Gründe für Einschränkungen der Freiheit gibt. Natürlich ist das hier diskussionswürdig, daher die Diskussion 😉

      • bundesbedenkentraeger sagt:

        Würdest du lieber Manager des “Marktes” entscheiden lassen, ob Iran einen Kredit für Atomspielzeug kaufen darf, oder demokratisch legitimierte Volksvertreter?

        Ich seh schon, ich hab da blöderweise zwei Punkte versucht in einen zu quetschen. Okay, zu den Mullahs und der Atombombe: Stimmt, hier erlässt der Staat Gesetze, sowohl für Privatbanken wie für eine mögliche Staatsbank (wobei die wohl eher von Beamten als von Volksvertretern betrieben würde ;)).
        Zum zweiten Punkt: Wieso sollte nicht der Staat Griechenland seine finanziellen Verhältnisse durch einen zinslosen Kredit verbessern? Andererseits: Vielleicht will Griechenland auch einfach nur in Deutschland investieren. Bitte beiß Dich jetzt nicht an diesem Beispiel fest. Mir geht es darum, daß entweder für alles gute Regulierungen gefunden werden müssen, und zwar zentral, ohne „Qualitätskontrolle“ durch den Markt. Es steht ja unbegrenzt Kapital zur Verfügung.
        Man kann den Markt in vielen Punkten als kritisch sehen, aber als Regulator dafür, was geht und was nicht, funktioniert er leidlich. Wenn kein Geld mehr da ist, geht es halt nicht. Darüber hinaus ermöglicht es die Liberalisierung, dass sich spezialisierte Banken herausbilden, die detailliertere Kenntnisse für bestimmte Investitionsbereiche haben. Im Falle einer zentralen Staatsbank müssten diese Kenntnisse sich alle bei dieser Bank befinden, um ähnlich effektiv zu sein. Das hat ja auch ein bisschen was mit Innovation zu tun.
        Du kannst jetzt sagen, dass es ja nebenher Privatbanken geben kann mit Spezialisierung. Gut. Die müssen aber wieder Gewinn machen. Und schon gibt es wieder Zinsen und den Wachstumszwang.

        Es wäre ein Anfang. Vielleicht macht es international Schule.

        Ich denke, das wird erst der Fall sein, wenn sich in Deutschland ein Erfolg einstellt. Und so lange durch ausländische Investitionen der Wachstumsdruck in Deutschland erhalten bleibt, zumindest für einige Unternehmen, bin ich mir unsicher mit dem Erfolg. Wie ich das sehe, wird es weiterhin Banken geben, die Zinsen berechnen, nach dem Modell was Du vorschlägst. Und dann gibt es für bestimmte Fälle noch zinslose Darlehen des Staates. Das kommt einer einseitigen Wirtschaftsförderung gleich, eben für jene Industrien, die in die Kriterien des Staates zur Kreditvergabe passen. Diese Industrien werden also einen entscheidenden Teil des Wachstumsdrucks verlieren, und damit auch des Innovationsdrucks. Dies könnte im Endeffekt dazu führen, dass sie international abgehängt werden, und die jeweiligen Produkte oder Dienstleistungen im Ausland besser erbracht werden. Wobei in Deutschland immer noch ein Teil der Wirtschaft, nämlich der durch die Staatsbank schlecht berücksichtigte, unter Wachstumsdruck steht. Ob dies im Ausland als Erfolg angesehen wird, der kopiert werden soll, ist IMHO äußerst fraglich.

        Kann mir mal einer erklären, warum Privatisierung so toll sein soll. Ich meine, was können Privatmanager besser als staatliche?

        Im Einzelvergleich? Gar nix. Es geht um das System. Nennen wir es Evolution. Nimm 10 Privatmanager, jeder versucht, sich möglichst gut an den Markt anzupassen (ja, auch durch Leute feuern, Leute abzocken, das volle Programm, was geht, solange ihm keiner Einhalt gebietet). Einige werden damit Erfolg haben, und andere gehen vor die Hunde. Daneben haben wir den Staatsmanager, der weniger Druck hat, sich an den Markt anzupassen. Er wird durch den Staat geschützt, schlechte Entscheidungen machen seinen Arbeitgeber nicht bankrott. Seine Stelle ist recht sicher. Das führt allgemein zu weniger Risikofreude (was gut und schlecht gleichermaßen sein kann) und hat letztlich Auswirkungen auf die Innovation. Damit hast Du praktisch die Entwicklung so gut wie abgedreht. Versteh mich nicht falsch, das kann alles gewollt sein. Doch denke ich, dass die Bürger des Staates irgendwann neidisch aufs Ausland gucken, weil die neue Autos haben, neue Computer etc. Kann man sich vielleicht ähnlich vorstellen wie früher den Ostblock. Da hat der Staat auch die Kontrolle übernommen und die Innovation seiner Planung überlassen, und nicht dem freien Spiel der Mächte. Hatte für die kleinen Leute einerseits ganz gute Konsequenzen. Sie hatten was zu essen auf dem Tisch. Hatte aber auch negative Auswirkungen. Viele wollten da raus, wollten die Genüsse des Fortschritts im Westen. Daher haben die Ostblockstaaten die Grenzen dicht gemacht, keinen raus gelassen, um nicht komplett auszubluten… naja, wir kennen die Geschichte.
        Was ich sagen will: Mit der Staatsbankidee müssen wir uns damit anfreunden, dass sie entweder nicht weiterführt, weil ausländische Investitionen immer noch unter Wachstumsdruck stehen, oder man verbietet sämtliche ausländischen Investitionen, dann erwarte ich über kurz oder lang, vom internationalen Markt abgehängt zu werden, mit allen damit zusammenhängenden Konsequenzen. (ich rede jetzt nicht von Stasi und Unrechtsregime, ich rede einfach nur vom wirtschaftlichen Zustand).

        Wie gesagt. Kann man alles wollen. Die Frage ist, wer es noch will, und ob man es wirklich will, wenn man sich die Konsequenzen vor Augen führt. Das sind jedenfalls die Konsequenzen, die ich sehe.

        Um das Problem zu lösen, ich spekuliere jetzt mal wild drauf los, müsste man vielleicht überhaupt den Fortschrittsdruck aushebeln. Aber auch da wär man international verzahnt. Man müsste es also schaffen, technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, ohne gleichzeitig mit dem eigenen Unternehmen wachsen zu müssen. Ich frag mich grad, ob man da mitm Höchsteinkommen weiterkäm, seh aber nicht, wie. Dort wird zwar ab einem gewissen Punkt der Wachstumsanreiz gedämpft, weil der Unternehmer nicht mehr Gewinn rausbekäme, aber innerhalb des für das Wirtschaften freien Korridors gibt es immer noch den Wachstumsdruck, so wie ich das sehe.

  6. Violet Teki sagt:

    Aus einem bestehenden System heraus auf ein zinseszinsloses System ohne Schuldgeldsystem umzustellen, ist vermutlich sehr schwer bis unmöglich. An sich ist ein Crash aber mE unausweichlich, da unabhängig von einer Diskussion um grenzenloses Wachstum der Wirtschaft, ein Geldsystem nicht unendlich bestehen kann, wenn es auf Zinseszinsbasis aufbaut.

    Dazu ein Artikel von Prof. Hörmann:

    https://gesellschaftswandel.wordpress.com/2012/04/20/professor-franz-hormann-uber-bedingungslose-grundversorgung/

    Um aber auf den Titel deines Artikels zurückzukommen, muss man sich eigentlich die Frage stellen: Ist unendliches Wachstum überhaupt notwendig? Ich behaupte mal nein, denn es treibt uns alle nur mehr und mehr in den Wahnsinn. Ich plädiere für den Übergang von einer Konsumgesellschaft zu einer Bedarfsgesellschaft – Bedingungsloses Grundeinkommen als Grundlage.

  7. bundesbedenkentraeger sagt:

    „Ich plädiere für den Übergang von einer Konsumgesellschaft zu einer Bedarfsgesellschaft“
    Ich bin mir noch nicht schlüssig, ob sich das mit der Natur des Menschen verträgt, die immer mehr zu wollen scheint. Man müsste ein solches System also gegen den Menschen durchsetzen. Das dürfte zumindest nicht leicht werden.

Sag mir deine Meinung!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s