Antimilitarismus

Mal wieder ein Artikel, der wohl leider nach Utopia gehört.

Frage: Brauchen wir Militär?

Antwort: Nein, aber die meisten Staaten wollen eines.

Begründung:

Theoretisch könnte eine Staatsregierung verschiedene Gründe haben, wieso sie gerne eine Armee hätte, z.B.:

  • Verteidigung des Territoriums gegen Angriffe, bzw. Abschreckung
  • Angriffe gegen andere Staaten aus verschiedensten Gründen

In demokratischen Staaten muss natürlich Punkt 1 als Begründung herhalten. Alles andere ließe sich der Mehrheit des Volkes schwer verkaufen.

Nun stellt sich für mich aber die Frage: Welcher der Kriege seit 1945 war bitte ein Verteidigungskrieg? Warum erfindet die Rüstungsindustrie nicht mal nicht-tödliche Waffen und echtes Verteidigungsmaterial? Betäubungswaffen gibt es kaum, tödliche jede Menge. Wieso reden uns militärische Hassprediger immer wieder ein, es gäbe nur zwei Möglichkeiten: Nichts tun und sich damit der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen, oder Krieg? Das ist ein falsches Dilemma. Selbstverständlich gibt es eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten. Gewaltloser Widerstand kann auf viele verschiedene Arten durchgeführt werden. Zeitweilige Flucht ist auch oft eine Möglichkeit.

Es gibt immer viele Alternativen zu Krieg. Auch Alternativen zum tödlichen Militär.

Wenn unsere Bundeswehr beispielsweise wirklich zur Verteidigung da wäre, könnte ich das noch akzeptieren. Aber Panzer, Gewehre und ähnliches dienen nicht der Verteidigung, sondern der Tötung von Menschen. Ein Raketenabwehrschild ist Verteidigung, wie Israel es gerade vormacht. Das ist in deren Situation sogar sehr sinnvoll und eine Maßnahme, die ich begrüße, weil dann nicht jedesmal zur vermeintlichen Verteidigung hunderte von Zivilisten getötet werden (wodurch wieder mehr Terroristen entstehen). Tödliche Waffen sind keine Verteidigung.

Natürlich kann ich argumentieren: Wenn ich jemanden umbringe, bevor er es tut, ist das eine Verteidigung. Richtig, aber keine, die ich ethisch akzeptabel finde. Ich spreche hier natürlich nicht von affektiver Notwehr. Kriege sind schließlich geplant.

Zum Schluss ein Zitat von Aldous Huxley:

„Gewaltloser Widerstand bedeutet nicht Nichtstun. Er bedeutet, die ungeheure Kraftanstrengung zu unternehmen, die nötig ist, um das Böse mit dem Guten zu besiegen. Diese Kraftanstrengung baut nicht auf starke Muskeln und teuflische Waffen: Sie baut auf moralische Tapferkeit, auf Selbstbeherrschung und auf das unvergessliche, zähe Bewusstsein, dass es auf Erden keinen Menschen gibt – so brutal, so persönlich feindselig er auch sei – ohne angeborenes Fundament von Güte, ohne Liebe zur Gerechtigkeit, ohne Achtung vor dem Wahren und Guten; all dies ist für jeden erreichbar, der die geeigneten Mittel verwendet.“

Machts gut!

Euer Alien

PS: Ihr dürft mir gerne (sachlich begründet) widersprechen! Diese Diskussion ist – denke ich – bitter nötig.

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8 Kommentare zu “Antimilitarismus

  1. pH!L sagt:

    Es ist wohl wirklich eine Utopie, dieser Wunsch nach einer militärfreien Welt. Die Verbindung zum Kommunismus liegt nah. Auch dieser funktioniert nur, wenn ALLE mit machen! Es ist aber nur EIN Problem, alle Menschen, alle Staaten zum Entmilitarisieren zu bewegen. Ein weiteres Problem ist, diesen Status zu halten! Wenn die Welt frei von Waffen wäre, frei von militärischen Organisationen, dann wäre es für eine einzelne Gruppierung ein Leichtes, andere Menschen zu unterdrücken etc.
    Tödliche Waffen sind vielleicht keine Verteidigung, aber Abschreckung und dadurch Mittel der Prävention. Und wie will man Raketenabwehrschilde bauen, wenn man die neusten Raketen nicht kennt? Um sie zu kennen, muss man sie studieren, muss man sie quasi in den Händen halten…

    Gewaltloser Widerstand ist ein Ideal, welches aber nicht in jeder Situation erstrebenswert ist. Natürlich kann ich mich entscheiden, mich nicht zu wehren, wenn mich jemand verprügeln, ausrauben, umbringen will. Doch werde ich trotzdem alles tun, um mein Leben zu verteidigen.

    • Alien sagt:

      Danke für die Antwort.

      Du hast Recht: ich kann naturgemäß niemanden zwingen, auf Militär zu verzichten. Aber ich kann mit gutem Beispiel voran gehen. Bei uns wäre das, die Bundeswehr aufzulösen, oder in ein Katastrophenschutzzentrum umzurüsten.

      „Gewaltloser Widerstand ist ein Ideal, welches aber nicht in jeder Situation erstrebenswert ist.“

      Nicht unbedingt bei Einzelpersonen in bestimmten Situationen. Aber bei Völkern finde ich schon. Bei Einzelpersonen kann es manchmal zu Notwehrsituationen kommen. Diese verlaufen aber nicht geplant, sondern im Affekt. Kriege sind hingegen geplant. Und somit stellt sich die Frage: Ist der Krieg tatsächlich die beste Lösung? Was ist mit Methoden, wie Ghandi sie angewendet hat? Streik, Boykott, Demonstrationen, ziviler Ungehorsam, wenn nötig Flucht. Was ist mit nicht-tödlichen Interventionen mit nicht-tödlichen Waffen. Blöd gefragt: Warum konnte ich Gaddafi nicht betäuben? Es geht ja eben nicht darum sich nicht zu wehren, sondern sich mit anderen Mitteln zu wehren!

      Ich denke, Krieg immer eine schlechte Alternative. Nenne mir doch mal einen Krieg, von dem du glaubst, er wäre richtig gewesen.

      „Und wie will man Raketenabwehrschilde bauen, wenn man die neusten Raketen nicht kennt? Um sie zu kennen, muss man sie studieren, muss man sie quasi in den Händen halten…“

      Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Ich hätte ja nichts gegen eine Verteidigungs-Rüstungsindustrie, die sich um nicht-tödliche Abwehr sorgt.

  2. pH!L sagt:

    Was ich mit den Raketen meinte, ist folgendes: Du kannst nur dann etwas bauen, was dich vor einer Gefahr schützen kann, wenn du die Gefahr kennst. Wenn du ein Raketenabwehrschild Version 1 hast, welches alle Raketen der Version 1 abwehrt und der Feind dann Raketen der Version 2 erforscht und baut, dann nützt dir dein Abwehrschild nichts mehr. Man muss selber forschen, man muss selber die Raketen der Version 2 kennen, um sein Abwehrschild aufrüsten zu können. Leider sind die Menschen meist blöd und bauen alles, was sie nur bauen können, wenn es nicht zuviel Geld kostet…

    „Nenne mir doch mal einen Krieg, von dem du glaubst, er wäre richtig gewesen.“

    Das ist natürlich nicht so leicht, weil es mMn in diesem Zusammenhang kein Richtig und kein Falsch gibt. Die Geschichte hätte teilweise anders verlaufen können … Ob das nun besser gewesen wäre oder nicht sei dahin gestellt und liegt zumeist auch im Auge des Betrachters.

    Ich denke jedoch, dass die militärische Überwachung der Küste von Somalia sinnvoll ist, um Piraterie entgegenzuwirken. Natürlich kann man versuchen Somalia zu stabilisieren, sodass keine Piraterie mehr von Nöten ist. Doch auch das klingt für mich zeitweise utopisch.

    • Alien sagt:

      Ich glaube wir reden bei den Raketen aneinander vorbei. Ich habe nichts gegen Forschung zu Raketenabwehrschilden. Und wenn man dazu Prototypen von Raketen bauen muss, bitte gerne. Kein Problem.

      Eine Verteidigungsarmee, die ohne tödliche Waffen auskommt finde ich ja auch völlig in Ordnung. Und die würde sicher auch reichen, um die Mission Atalanta bei Somalia richtig durchzuführen. Diese Mission ist zwar nur eine Symptombekämpfung und setzt nicht an den Ursachen an, wie du schon anmerkst. Bei dieser Mission wurde aber meines Wissens nach niemand in Kampfhandlungen getötet (oder weißt du mehr?), insofern könnte man das getrost als Polizeieinsatz bezeichnen. Und ich habe nichts gegen Polizei. Ich sehe hier tödliche Waffen allerdings auch kritisch. In England war (oder ist) es so, dass Polizisten keine Schusswaffen haben. Es gibt genug Methoden, sich gegen Angreifer zu wehren.

      Ich schweife ab. Also mir geht es eher um Einsätze, die die meisten Menschen als Krieg bezeichnen würden: Vietnam, Afghanistan, Irak, Libyen, etc. Dort wurde aus der Luft bombardiert, was ich einfach nicht als Verteidigung durchgehen lasse. Ich nehme hier bewusst zivile Opfer in Kauf. Das ist widerlich. Ich weiß nicht, ob bei gewaltlosen Maßnahmen weniger Menschen sterben würden, trotzdem wäre es für mich die Methode der Wahl.

      Summa summarum denke ich, dass wir Militär in der jetzigen Form nicht benötigen, sondern dass es die Situation verschlimmert. Eine echte Verteidigungsarmee (ohne tödliche Waffen) ist sicher möglich und nicht weniger effektiv, ob sie auch nötig ist hängt von der Situation ab.

  3. pH!L sagt:

    Jetzt weiß ich endlich, was mich an deinem Ausgangsartikel gestört hat (Bitte nicht persönlich nehmen): Eine utopische Idee als Diskussionsgrundlage! Das sind Themen, da kann man sich totdiskutieren und findet keinen Konsens.

    Jedoch, wie ich durch deinen Kommentar aufmerksam gemacht wurden bin, sind Fragen wie, „Könnte man den Einsatz vor Somalia auch mit nichttödlichen Waffen durchführen?“, oder „Was sind die Vor- und Nachteile einer nichttödlichen Bewaffnung von Polizisten?“, „Welche Alternativen gäbe es zu Luftschlägen bei Kriegshandlungen?“, „Sollte eine nichttödliche Bewaffnung von Militär nicht Priorität haben?“, Fragen, über die man sinnvoll diskutieren kann.

    Natürlich brauchen solche Diskussionen das Ziel als Grundlage, dass man keine (unschuldigen) Menschen töten will.

    • Alien sagt:

      „Jetzt weiß ich endlich, was mich an deinem Ausgangsartikel gestört hat (Bitte nicht persönlich nehmen): Eine utopische Idee als Diskussionsgrundlage! Das sind Themen, da kann man sich totdiskutieren und findet keinen Konsens.“

      Keine Sorge, ich nehme das nicht persönlich. Ich verstehe – glaube ich – was du meinst. Ein konkreter Fall, z.B. drohender Krieg wäre wohl erquicklicher für eine Diskussion. Danke für den Tipp.

      Um die Diskussion nicht direkt abzubrechen, nehmen wir vielleicht mal das Beispiel Syrien her. Hier ist es angeblich so, dass Assad auf seine eigene Bevölkerung schießen lässt. Diplomatie hat versagt. Was wäre jetzt die Konsequenz?

      Ein militärischer Einsatz? Natürlich, möchte man sagen. Man muss doch die Zivilbevölkerung vor Assad schützen (warum die NATO hier nicht eingreift, in Libyen schon, ist mir ein Rätsel). Aber hier werden zwei Sachen vermischt. Das Ziel, und die Mittel. Mein Ziel ist logischerweise die Zivilisten zu schützen. Greift die NATO militärisch ein, wird das wie folgt ablaufen: Luftschläge und evtl. Bodentruppen mit Panzern und Maschinengewehren. Opfer unter Zivilisten sind hier vorprogrammiert. Aber warum muss das sein? Könnte die NATO nicht auch so eingreifen: Die Zivilisten werden von den gefährlichsten Orten evakuiert. Assads Scharfschützen werden betäubt. Assad wird festgenommen und vor den internationalen Strafgerichtshof gestellt. Das Volk wählt eine neue Regierung sowie eine Verfassung, die wichtige Grundrechte garantiert.
      Das wäre doch bei weitem besser. Sicher bräuchte die NATO dann vielleicht andere Ausrüstung und anders ausgebildete Soldaten, aber das ließe sich sicher einrichten.

  4. Stefan sagt:

    Im Grunde wird dieser Zustand ja auch angestrebt. Die EU rüstest tendenziell eher ab als auf, meinem Empfinden nach (wo gibt’s eigentlich offizielle Zahlen dafür?).
    Zu schnelle Abrüstung führt aber auch zu Problemen. In Bayern wurde vor wenigen Monaten Bundeswehrstützpunkte mit mehreren tausend Soldaten dichtgemacht (http://www.sueddeutsche.de/bayern/weniger-soldaten-im-freistaat-bayern-bangt-um-bundeswehr-standorte-1.1173405).
    Die umliegenden Privatbetriebe (Bäcker etc.) konnten quasi alle dichtmachen, weil niemand mehr da war, der ihnen ihre Produkte abkauft. Da sind quasi „ganze Dörfer“ pleite gegangen.

    Und einfach „konvertieren“ von Soldat zu Lebensretter ist auch nicht einfach möglich – die müssen erstmal umgeschult werden.

    • Alien sagt:

      „Die EU rüstest tendenziell eher ab als auf, meinem Empfinden nach“

      Also von Deutschland weiß ich jedenfalls, dass du in gewisser Hinsicht Recht hast. Die Bundeswehr wird kleiner, aber gleichzeitig effizienter für mehr Einsätze. Die Verkleinerung kommt eigentlich nur durch die Abschaffung der Wehrpflicht zustande.

      „Zu schnelle Abrüstung führt aber auch zu Problemen.“

      Richtig, aber bisher waren es große Chancen für die Gebiete. Es war für die Entwicklung sogar förderlich, weil sich neue Wirtschaftszweige auf dem freiwerdenden Gelände angesiedelt haben.

      „Im Grunde wird dieser Zustand ja auch angestrebt.“

      Wirklich? Na dann hoffe ich, dass du Recht hast. Mein Eindruck ist, dass schon ein wenig abgerüstet wird (zumindest in der EU), aber vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Tja, die Wirtschaftskrise hat auch ihre guten Seiten 😉

      „wo gibt’s eigentlich offizielle Zahlen dafür?“
      Hier gibt es übrigens einen offiziellen Artikel zur Abrüstung.

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