Politische Kultur in den Medien

Es gibt Themen, zu denen die veröffentlichte Meinung mittlerweile so eindeutig ist, dass es schwer fällt, dagegen zu sein. Anstatt auf Argumente setzen einige Zeitungen auf Stimmungsmache.

Beispiele:

– Die Frauenquote wird eigentlich nur noch so beschrieben, als sei es selbstverständlich, dass jeder normal denkende Mensch, der sich damit beschäftigt, irgendwann dafür sein muss. Argumente werden schon lange nicht mehr ausgetauscht. Es wird noch nicht mal mehr der Gedanke daran verschwendet, dass eine Quote verfassungswidrig sein könnte, weil damit eben nicht Männer und Frauen gleich behandelt werden, sondern offenkundig Frauen bevorzugt.

– Das Betreuungsgeld wird immer gerne als „Herdprämie“ diffamiert. Dabei ist der Grundgedanke, Müttern und Vätern das Nicht-Abschieben des Kindes zu ermöglichen, vollkommen richtig. Wieso bilden sich diese arroganten besserwisserischen „Ich kann alles gleichzeitig: Vollzeit arbeiten, Kinder erziehen, Haushalt schmeißen. Ich bin ach so toll„-Mütter ein den einzig richtigen Weg zu kennen, nämlich ihren. Was ist falsch daran, die ersten Jahre Zeit für sein Kind haben zu wollen, und es nicht mit 6 Monaten Vollzeit in eine Krippe zu stecken? Ich bin gerne bereit über Details zu diskutieren, aber hier zu behaupten, nur dieser Weg ist richtig, kann sicher nicht die Lösung sein.

– Die Einführung der Ganztagsschulen ist sowieso das allerbeste, was es gibt. Eine Halbtagsschule ermöglicht es Eltern schließlich nicht, Vollzeit zu arbeiten (siehe oben). Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern. Ich hätte auf keinen Fall den ganzen Tag darein gewollt. Was ist mit gemobbten Kindern. Die haben dann keinen anderen Freundeskreis außerhalb der Schule mehr, z. B. in Vereinen (die übrigens auch dicht machen könnten), Nachbarn, etc.

Beim ersten und letzten Thema ist sogar die Union mittlerweile Verfechter, so dass es dazu keine Ernst zunehmende Opposition mehr gibt. Seit wann steht die Union auf „Staat statt Familie“? Ich finde das ätzend!

Seid ihr anderer Meinung?

Machts gut!

Euer Alien

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14 Kommentare zu “Politische Kultur in den Medien

  1. Stefan sagt:

    Wunderbar, direkt auf den Punkt. 🙂

  2. Wesentliches Problem, was ich durch die Ganztagsschule sehe, ist die Erosion des traditionellen Vereinswesens in Deutschland. Ich glaube, dass ein überdimensionierter Schultag den Zulauf zu den Sport- und Kulturvereinen verringern wird. Das wiederum ist in Deutschland ein gewachsener Faktor politischer Kultur.

    • Alien sagt:

      Sehe ich auch so. In Frankreich mag das anders sein, aber die haben die Ganztagsschule eben auch schon länger. Ich weiß noch zu meiner Schulzeit hatte unsere Stadtjugendkapelle von 12:00 bis 20:00 Uhr (Mo-Fr) Einzelunterricht für Instrumente und abends Orchesterproben. Wie soll das in Zukunft gehen?

      Wenn die Kultusministerien nicht wenigstens für eine Integration der Vereine in die Schulen sorgen, bedeuten Ganztagsschulen wohl das Aus oder zumindest eine extreme Schwächung der Vereine.

      Von „Kind sein dürfen“ ganz zu schweigen.

      • Letztendlich findet auch eine Entkoppelung des Individuums von der Familie statt, um so dem Arbeitsmarkt möglichst viele Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Eine Folge ist natürlich sinkender Lohn durch den Wettbewerbsdruck, was wiederum weitere Familien dazu zwingt, zwei Verdiener zu haben. Hier offenbart sich für mich ein ernstwiegendes Dilemma. Einerseits muss natürlich die wirtschaftliche Entwicklung gefördert werden, andererseits bildet die Familie die wichtigste Basis eines gesellschaftlichen Systems ab.

        • Alien sagt:

          Schön gesagt: Meiner Meinung nach fördert eine Stärkung der Familie indirekt auch die Wirtschaftsleistung. Und selbst wenn die Wirtschaft mal nicht ganz so stark wächst, die Menschen dafür aber zufriedener sind, ist das doch auch gut.

          Aber wie gesagt: Ich glaube nicht, dass mehr Menschlichkeit eine Rezession auslösen würde.

  3. Guinan sagt:

    Ich bin froh, meine Kinder auf einer der bei uns noch sehr raren Ganztagsschulen untergebracht zu haben. Die Schulzeit bis immerhin 15:45 ermöglicht mir zumindest Teilzeitarbeit ohne schlechtes Gewissen.
    Bei allen mir bekannten Ganztangsschulen findet übrigens Musikunterricht in Kooperation mit den Kreismusikschulen statt, und Teilnahme an Vereinsangeboten ist immer noch problemlos möglich, die Halbtagsschüler haben aufgrund der größeren Hausaufgabenmenge auch nicht eher Zeit.

    • Alien sagt:

      Hallo Guinan,

      danke für den Kommentar. Aus irgend einem Grund hat der SPAM-FIlter ihn zuerst blockiert.

      Wenn die Vereine mit den Schulen in sinnvoller Kooperation stehen mag das funktionieren. Ich verstehe auch alle Eltern, die ein Ganztagesangebot benutzen, wenn denn das Kind einverstanden ist. Die momentane Freiwilligkeit der Ganztagesschule bezieht sich aber auf Freiwilligkeit seitens der Eltern (nicht der Kinder), was einerseits klar ist, andererseits auch bedenklich.

      Außerdem sollte es bei Ganztagesschulen selbstverständlich sein, dass danach keine Hausaufgaben (welcher Form auch immer) anfallen, was aber leider selten zutrifft.

      Darf ich fragen wie alt dein Kind ist. Hättest du wohl ein schlechtes Gewissen, wenn es eine Weile alleine zu Hause ist?

      • Guinan sagt:

        Meine Kinder sind 13 und jetzt das 3. Jahr auf der Ganztagsschule. Inzwischen wäre es für mich kein Problem, sie nachmittags zeitweise allein zu lassen. Das ist aber noch nicht lange so, 2 Jungs machen mindestens 4 x soviel Blödsinn wie einer.
        Bezüglich der Freiwilligkeit: Mit 10-jährigen kann man das ausdiskutieren und sie von den Vorteilen überzeugen. Mit 6-jährigen hätte ich nicht diskutiert. Sofern es denn die Möglichkeit gegeben hätte, wäre das allein meine Entscheidung gewesen.

        • Alien sagt:

          „Mit 10-jährigen kann man das ausdiskutieren und sie von den Vorteilen überzeugen. Mit 6-jährigen hätte ich nicht diskutiert.“

          Das nenne ich mal eine gesunde Einstellung. Danke für die Information aus erster Hand!

          • Guinan sagt:

            Nur mal so rein interessenhalber: Wenn ich nicht als weiblich erkennbar wäre – hättest du die Frage nach dem schlechten Gewissen dann auch gestellt?

  4. Alien sagt:

    „Die Schulzeit bis immerhin 15:45 ermöglicht mir zumindest Teilzeitarbeit ohne schlechtes Gewissen.“

    Deshalb habe ich die Frage gestellt. Und das war für mich vollkommen unabhängig vom Geschlecht. Ich berücksichtige das Geschlecht nur, wenn es sinnvoll ist, soll heißen, wenn es um biologische Fakten geht (nur Frauen gebären eben Kinder).

    Mir wäre als Arbeitgeber das Geschlecht und die Herkunft völlig Banane. Ich hätte bestimmte Kriterien (Qualifikation etc.) und danach würde ich einstellen. Deshalb stehe ich auch der Frauenquote kritisch gegenüber. Das heißt nicht, dass ich es nicht völlig bescheuert finde, wenn Frauen nicht eingestellt werden, weil sie Frauen sind, oder für die selbe Arbeit 8 % weniger Gehalt bekommen.

    Frage zurück: Wieso hätte ich das denn nicht fragen sollen, wenn du ein Mann wärst?

    PS: Hat der Name was mit der Guinan aus Star Trek zu tun? 😉

    • Guinan sagt:

      Ich wollte deine Einstellung ausloten. In deinem Post klingt für mich durch, dass Kinder für dich zunächst mal Muttersache sind. Auch wenn du ausdrücklich von Müttern und Vätern schreibst, hat es auf mich trotzdem so gewirkt.
      Die Frage nach der Organisation der Kinderbetreuung wird bevorzugt Frauen gestellt. Ein Mann wird auch eher selten gefragt, ob und wie er Beruf und Familie unter einen Hut bringt. Und berufstätigen Vätern wird auch nicht so ein schlechtes Gewissen eingeredet, wie das immer noch bei Müttern üblich ist – und was, wie du merkst, bei mir perfekt funktioniert hat.

      Und ja, Guinan kommt von Star Trek.

      • Alien sagt:

        Vielleicht hätte ich Väter und Mütter schreiben sollen 😉

        Ich habe übrigens bewusst beide Elternteile erwähnt.

        Aber ich verstehe was du meinst. Ich finde die klassische Rollenverteilung auch schade. Ich (männlich) würde gerne Elternzeit nehmen (wenn es mal soweit ist) und nicht nur die zwei Monate um das Geld zu kassieren. Eine faire Arbeitsteilung in der Partnerschaft ist doch für beide Seiten von Vorteil. Ich finde es schade aus Karrieregründen sein Kind kaum zu sehen. Ein Freund von mir hat so eben sein zweites Kind bekommen, sitzt aber von 8 bis 20 Uhr im Büro. Wozu hat der ein Kind, frage ich mich da manchmal.

        Und ich will dir ganz bestimmt kein schlechtes Gewissen einreden. Ich habe ja sogar geschrieben, dass es mehrere Lebensentwürfe gibt, und nicht nur einen. Dass sich aber einflussreiche Organisationen und Parteien hinstellen und vorgeben: So ist es richtig (Krippe) und nicht so (zu Hause). Das ärgert mich.

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