Wenn Religiöse über andere Religionen herziehen…

dann werfen Sie mit Steinen, obwohl sie selbst im Glashaus sitzen.

Christliche Missionare, die die Naturreligionen lächerlich finden, weil dort die Schamanen mit einer Geisterwelt kommunizieren, sollten sich fragen, worauf denn ihr eigener Glaube basiert.

Prinzipiell kann man die Kritik an jeder Religion festmachen, also nehme ich hier mal das Christentum, da ich mich damit am besten auskenne:

Das Christentum zu kritisieren ist ja recht schwierig, da offenbar jeder Christ einen anderen Glauben hat. Alle nehmen aber die Bibel als „Heilige Schrift“ an. Obwohl diese ja, wie z.B. Religionslehrer wissen, so zusammengestellt wurde, dass die Geschichten zum christlichen Glauben passen (vgl. Apokryphen). Wie war das mit der Henne und dem Ei?

Wie gesagt: Jeder Christ bezieht sich auf die Bibel, aber alle anders.

Fangen wir mal mit den radikalsten Angehörigen an: Die Bibel wird wörtlich ausgelegt. Nach mehreren Widersprüchen (es gibt ja zahlreiche), die man aufgezählt hat, fangen Sie an zu relativieren. Man muss die Bibel also interpretieren. Bei den Fundamentalisten ist hier allerdings Schluss mit der Diskussion.

Damit wären wir also bei den interpretierenden Christen. Man dürfe die Geschichten nicht wörtlich nehmen, sondern als Heilsgeschichte und frohe Botschaft lesen. Die Bibel sei quasi die moralische Richtschnur der Christen. Hierin steckt allerdings ein eklatanter Widerspruch (vgl. Dawkins, Gotteswahn). Wie kann ich gleichzeitig

  • die Bibel als moralische Leitlinie betrachten,
  • sie interpretieren
  • und behaupten, die Bibel biete moralische Stabilität, im Gegensatz zum Zeitgeist, der für moralische Beliebigkeit sorge?

Warum verhänge ich denn nicht auf Diebstahl die Todesstrafe? Weil es mir moralisch falsch erscheint. Aber wie kann die Bibel moralisch falsche Sachen predigen? Auf welchen Stellen in der Bibel fußt denn diese Interpretation, dass Diebe nicht den Tod verdient haben?

Viel grundsätzlicher ist allerdings die Fragestellung, warum man gerade von der Bibel glaubt, sie würde irgend eine Wahrheit erzählen? Warum nicht vom Parzival, Siegfried der Drachentöter, König Artus etc.?

Und wenn man sich die Grundstory des Christentums ansieht, ist sie nicht weniger lächerlich, als die von allen anderen Religionen:
Ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen, dass schon immer existiert hat, hat das Universum erschaffen, die Erde und alles Leben. Auch den Menschen, der als Krone der Schöpfung Gottes Ebenbild ist. Obwohl er jedoch allmächtig und allwissend ist, war er sehr enttäuscht, als ihn Adam und Eva verraten hatten, und schickte ihnen Schmerzen und Tod, trotz Allgüte. Dann kam die Sintflut, trotz Allgüte. Anstatt den Garten Eden wiederherzustellen, schickt er einen Sohn auf die Erde und lässt ihn grausam hinrichten. Dessen Wiederauferstehung ist dann das Heilsversprechen, dass wir irgendwann, so Gott will, wieder im Garten Eden sein können.

Klingt doch alles sehr plausibel, oder?

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2 Kommentare zu “Wenn Religiöse über andere Religionen herziehen…

  1. bundesbedenkentraeger sagt:

    Ich empfehle Dir zur erweiterten Plausibilisierung folgenden mehrteiligen Artikel:
    http://therebelgod.com/cross_intro.shtml

    Ist eine Menge zu lesen, und in Englisch. Bietet aber Antworten auf die Frage nach der grausamen Hinrichtung des Sohnes. Außerdem kommen wir nicht in den Garten Eden. Paradies war früher. Wir kommen in den Himmel. Ins Paradies KOMMEN nur die Muslime, wenn ich recht informiert bin.

  2. […] Wer im Glashaus sitzt, der werfe den ersten Stein. […]

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