Transfergesellschaft für Transfergesellschaft gekippt

Der bayerische Wirtschaftsminister Zeil hat sich gegen eine Transfergesellschaft für die nun arbeitslosen Mitarbeiter der Schlecker-Transfergesellschaft ausgesprochen.

„Was soll ich denn den Schlecker-Mitarbeitern sagen, für die es keine Transfergesellschaft gab?“, verteidigte sich Zeil im SZ-Interview. „Wir haben eine gute Transfergesellschaft, die Bundesagentur für Arbeit“, betonte er.

Zwar haben jetzt die Mitarbeiter der Transfergesellschaft-Transfergesellschaft ein Problem, da ihnen die Aufträge wegbrechen, aber auch dafür hat Zeil eine Lösung bereit, da er natürlich einer Transfergesellschaft-Transfergesellschaft-Transfergesellschaft nicht zustimmen würde:

Da es nun so viele Arbeitslose gibt, werden mehr Mitarbeiter in der Bundesagentur für Arbeit gebraucht. Der ideale Beruf für die ehemaligen Mitarbeiter der Transfergesellschaft-Transfergesellschaft, aber auch für die der Schlecker-Transfergesellschaft. So sind am Ende nur noch die Schlecker-Mitarbeiterinnen arbeitslos. Deren Arbeitslosengeld kann aber problemlos über die Steuern der nun nicht mehr arbeitslosen Transfergesellschaft-Mitarbeiten in der Bundesagentur für Arbeit bezahlt werden, so dass der Staatshaushalt nicht belastet wird.

Viva Perpetuum Mobile!

Divide et impera

Im Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin gibt es so tolle Vorschläge wie „Rückführung krimineller Ausländer und Sozialhilfeempfänger“, dass man meinen könnte, die Vorschlagersteller hätten keine anderen Probleme.

Meine Frage: Wer macht solche Vorschläge?

Theorie 1: Die Kanzlerin selbst, oder ein Regierungsmitglied.

Unwahrscheinlich, wäre aber taktisch klug. „Teile und herrsche“ hat ja angeblich Cäsar schon perfekt beherrscht. Wenn sich die Menschen aus der „Unterschicht“ gegenseitig verachten, bildet sich keine Gemeinschaft, die den Regierenden gefährlich werden könnte:

Die Rentner müssen von immer weniger Jungen versorgt werden. Böse Rentner! Die Sozialhilfeempfänger sind zu faul zum arbeiten. Sozialschmarotzer! Obwohl wir selbst schon genug solche Schmarotzer haben, kommen auch noch Ausländer, die unsere Staatskassen plündern. Ausländer raus! Oder wie auf pro-bayern.net: Einheimische Obdachlose erfrieren – Noble Wohnquartiere für Asylanten. Geht es eigentlich noch schäbiger?

Schon entsteht keine mächtige Bewegung mehr, die ausbeuterische Praktiken kritisiert. Alle haben genug mit den anderen „Bösen zu tun“.

Theorie 2: Der Vorschlagersteller gehört selbst zur „Unterschicht“.

Gut möglich. Glückwunsch an die Kanzlerin: Was besseres könnte ihr kaum passieren. Oben wird regiert, unten gestritten.

Theorie 3: Es war ein dämlicher Nazi.

Wahrscheinlich. Die Anzahl der Unterstützerstimmen (ca. 15000) lassen sich relativieren: Man kann beliebig oft für einen Vorschlag stimmen – man muss nur den Browser schließen und wieder öffnen. Das wurde auch gemacht, wie ein Blick in die Kommentare beweist. Der Redaktion ist das lustigerweise völlig egal, da sie nichts dagegen unternehmen. Sie wissen nämlich (spätestens seit meinem Hinweis) Bescheid.

Allein schon wegen der Möglichkeit mehrfach abzustimmen ist dieser „Dialog“ eine absolute Farce. Wahlkampf eben.

Machts gut!

Euer Alien

Asyl“recht“ für Homosexuelle

Gestern war in der TAZ ein Artikel über Asyl für Homosexuelle, die in ihren Heimatländern mit Strafen bis hin zu Todesstrafen rechnen müssen. Die absolut ekelhafteste Begründung, warum viele Asylbewerber abgelehnt werden, lautet sinngemäß: „Sie müssen ja niemandem zeigen, dass Sie homosexuell sind.“

In den Kommentaren dazu stand ein passender Vergleich: Warum nehmen wir dann eigentlich verfolgte Christen auf? Sie könnten doch auch einfach nicht zeigen, dass sie christlich sind und sogar Allah anbeten. Wo ist das Problem?

Vielleicht hat das mit den scheinheiligen Regierenden zu tun („C“DU und „C“SU), die wenigstens hier noch auf Christlichkeit bestehen, zumindest gegenüber Christen. (Ironie an) Homosexuelle sind ja eh Sünder. (Ironie aus)

Bei anderen Kommentaren wird mir auch regelmäßig schlecht: Nur weil Leute das Asylrecht „missbrauchen“ könnten, wenn sie behaupten, sie seien homosexuell, heißt das doch noch lange nicht, dass das alle tun. Wenn ich aber als Konsequenz fast alle abschiebe, da meine Grundhaltung besagt, dass der Asylbewerber lügt, tue ich vielen Leuten Unrecht, mit z.T. tödlichen Konsequenzen.

Zum Schluss: Warum darf sich nicht einfach jeder dort eine Wohnung und eine Arbeit suchen, wo er das gerne möchte, egal wo auf diesem Planeten? Warum habe ich als Deutscher per Geburtsrecht die Möglichkeit mich fast überall niederzulassen, während manch ein Afrikaner noch nicht mal zum Kirchentag nach Deutschland darf, weil dieser sein Besuchervisum missbrauchen könnte?
Dann gäbe es auch nicht diese unsäglichen Grenzmauern, -zäune und -kontrollen, die leider auch immer mal wieder tödlich verlaufen.

Machts gut!

Euer Alien

Kontrolle wegen Hautfarbe

Dass auch ein Polizist Vorurteile hat, ist klar. Er ist auch nur ein Mensch. Alle Menschen haben Vorurteile. Vorurteile sind auch nicht zwangsläufig negativ. Sie helfen uns leichter durchs Leben zu kommen. Manchmal verhindern sie allerdings sinnvolle Entscheidungen und erzeugen sogar Diskriminierung (in mehr oder minder schwerer Form).

Satirisch getestet hat das zum Beispiel Tobias Schlegel beim ultimativen Terroristen-Test:

Jetzt gibt es einen nicht provozierten Vorfall mit ähnlichem Ausgang.

Ich finde das Riesen Mist. Ganz davon abgesehen, dass ich von Staatsgrenzen und Grenzkontrollen eh nichts halte (vgl. mein früherer Artikel: warum gibt es so etwas wie Aufenthaltsrecht, bzw. die Versagung dessen? So lange ich nichts verbreche, sollte ich dorthin dürfen, wo immer ich hin will), finde ich es auch sachlich unangemessen und unprofessionell, wie sich die Polizei hier verhält:

Ich sehe ja vollkommen ein, dass wenn ich eine Täterbeschreibung habe, die von einem dunkelhäutigen kräftigen Mann zwischen 20 und 30 berichtet, ich nicht gerade die hellhäutige 80-jährige Dame verdächtige. Aber wenn ich vom Aussehen des Täters keine Ahnung habe, sollte ich bei Stichproben eben auch nicht auf das Aussehen achten. Im vorliegenden Fall ging es ja darum, illegal einreisende Ausländer zu erwischen. Da aber in unserer heutigen Zeit niemand ehrlich mehr von deutschem Aussehen oder nichtdeutschem Aussehen sprechen kann, sollte man auch nicht seine Vorurteile (oder wie die Richter es euphemistisch ausdrückten: seine einschlägige Erfahrung) verwenden.
Das ist nicht nur fairer gegenüber „ausländisch Aussehenden“, sondern auch besser. Wer hat noch nicht von den Schmugglern gehört, die kontrolliert werden, ihre Schmuggelware aber drei Autos weiter bei einer harmlosen Oma verstaut haben?

Machts gut

Euer Alien

Warum ist die Bibel etwas Besonderes?

Nachdem ich hier schon einmal geschrieben habe, wie problematisch es ist, die Bibel „richtig“ zu interpretieren, möchte ich erst mal wissen, wieso ein Christ die Bibel für ein heiliges Buch hält. Wieso glaubt er, dass dieses Buch irgend etwas über den wahren Gott aussagt? Warum gerade die Bibel, und nicht irgend ein anderes Buch?

Bitte, sagt es mir! Ich will es wirklich verstehen. (Es dürfen natürlich auch Nicht-Christen antworten).

Geheimhaltung vs. Demokratie?

Passt Geheimhaltung und Demokratie zusammen?

So pauschal kann man darauf natürlich nicht antworten. Bürger haben ein Recht auf ihre Privatssphäre und hier ist Geheimhaltung sehr gut und wichtig. Wenn es aber um Dinge von öffentlichem Interesse geht – und damit meine ich nicht die Privatssphäre von Prominenten – dann ist Geheimhaltung sehr kontraproduktiv. Wie soll ich denn entscheiden, welchem Repräsentanten ich mein Vertrauen schenke, wenn ich über wichtige Bereiche gar nicht informiert bin und schlimmer, mich gar nicht informieren darf.

Der Bundessicherheitsrat hat sich zum Beispiel zu der Aussage versteift, er dürfe über die Genehmigung der Panzerlieferung nichts sagen. Damit kann ich aber nicht entscheiden, ob Frau Merkel meine Stimme wert wäre oder nicht (zugegeben: es gibt genug andere öffentliche Dinge, wegen derer ich sie sowieso nicht wähle, aber darum geht es ja nicht). Denn wenn sie im Sicherheitsrat sich für die Lieferung stark gemacht hätte, würde sie von mir keine Stimme bekommen, wenn nicht, könnte ich ihr diesbezüglich zumindest nichts vorwerfen.

Der Verfassungsschutz, der ja angeblich unsere Verfassung schützen soll, bezahlt viele NPD-Leute. Und dann besitzt er noch die Dreistigkeit, deren Namensnennung beim Verbotsverfahren zu verweigern. Deshalb gibt es die NPD noch heute und wird doppelt durch Steuergeld finanziert (als Partei und durch V-Leute). Toller Verfassungsschutz. Die Geheimhaltung war hier wirklich sehr sinnvoll, Verbotsverfahren gescheitert.

Ich vermute, viele „Staats-Geheimnisse“ könnten offenbart werden, ohne dass jemand in Gefahr geriete. Und das sollte dann auch geschehen. Oder was meint Ihr?

Machts gut!

Euer Alien

Wenn Religiöse über andere Religionen herziehen…

dann werfen Sie mit Steinen, obwohl sie selbst im Glashaus sitzen.

Christliche Missionare, die die Naturreligionen lächerlich finden, weil dort die Schamanen mit einer Geisterwelt kommunizieren, sollten sich fragen, worauf denn ihr eigener Glaube basiert.

Prinzipiell kann man die Kritik an jeder Religion festmachen, also nehme ich hier mal das Christentum, da ich mich damit am besten auskenne:

Das Christentum zu kritisieren ist ja recht schwierig, da offenbar jeder Christ einen anderen Glauben hat. Alle nehmen aber die Bibel als „Heilige Schrift“ an. Obwohl diese ja, wie z.B. Religionslehrer wissen, so zusammengestellt wurde, dass die Geschichten zum christlichen Glauben passen (vgl. Apokryphen). Wie war das mit der Henne und dem Ei?

Wie gesagt: Jeder Christ bezieht sich auf die Bibel, aber alle anders.

Fangen wir mal mit den radikalsten Angehörigen an: Die Bibel wird wörtlich ausgelegt. Nach mehreren Widersprüchen (es gibt ja zahlreiche), die man aufgezählt hat, fangen Sie an zu relativieren. Man muss die Bibel also interpretieren. Bei den Fundamentalisten ist hier allerdings Schluss mit der Diskussion.

Damit wären wir also bei den interpretierenden Christen. Man dürfe die Geschichten nicht wörtlich nehmen, sondern als Heilsgeschichte und frohe Botschaft lesen. Die Bibel sei quasi die moralische Richtschnur der Christen. Hierin steckt allerdings ein eklatanter Widerspruch (vgl. Dawkins, Gotteswahn). Wie kann ich gleichzeitig

  • die Bibel als moralische Leitlinie betrachten,
  • sie interpretieren
  • und behaupten, die Bibel biete moralische Stabilität, im Gegensatz zum Zeitgeist, der für moralische Beliebigkeit sorge?

Warum verhänge ich denn nicht auf Diebstahl die Todesstrafe? Weil es mir moralisch falsch erscheint. Aber wie kann die Bibel moralisch falsche Sachen predigen? Auf welchen Stellen in der Bibel fußt denn diese Interpretation, dass Diebe nicht den Tod verdient haben?

Viel grundsätzlicher ist allerdings die Fragestellung, warum man gerade von der Bibel glaubt, sie würde irgend eine Wahrheit erzählen? Warum nicht vom Parzival, Siegfried der Drachentöter, König Artus etc.?

Und wenn man sich die Grundstory des Christentums ansieht, ist sie nicht weniger lächerlich, als die von allen anderen Religionen:
Ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen, dass schon immer existiert hat, hat das Universum erschaffen, die Erde und alles Leben. Auch den Menschen, der als Krone der Schöpfung Gottes Ebenbild ist. Obwohl er jedoch allmächtig und allwissend ist, war er sehr enttäuscht, als ihn Adam und Eva verraten hatten, und schickte ihnen Schmerzen und Tod, trotz Allgüte. Dann kam die Sintflut, trotz Allgüte. Anstatt den Garten Eden wiederherzustellen, schickt er einen Sohn auf die Erde und lässt ihn grausam hinrichten. Dessen Wiederauferstehung ist dann das Heilsversprechen, dass wir irgendwann, so Gott will, wieder im Garten Eden sein können.

Klingt doch alles sehr plausibel, oder?